Union zerfleischt sich selbst

17 Tage vor der Wahl liegen die Nerven in der Union blank. CSU-Söder spricht von „Larifari-Wahlkampf“ und sieht das Wochenende als letzte Chance für eine Trendwende. Laschets Zukunftsteam versinkt unterdessen im internen Streit.  

Wien, 09. September 2021 | Der Merkel-Union aus CDU und CSU droht bei der Bundestagswahl am 26. September ein Debakel. Laut RTL/ntv-Trendbarometer rutschen die Konservativen auf unter 20 Prozent, während die SPD auf 25 Prozent kommt. Die Sozialdemokraten liegen in allen Umfragen vor der Union.

Söder setzt Frist für Trendwende

Experten halten eine Trendwende mittlerweile für unwahrscheinlich. Der bei der Kandidatenwahl unterlegene CSU-Chef Markus Söder setzt sogar eine Frist dafür: „Wenn es noch eine Chance gibt, den Trend zu brechen, dann an diesem Wochenende“, so Bayerns Ministerpräsident mit Blick auf den CSU-Parteitag am Freitag und Samstag in Nürnberg. Es gehe jetzt darum, den „Larifari-Wahlkampf“ hinter sich zu lassen.

Selbst im tiefschwarzen Bayern ist der Kanzlerkandidat der Union weit abgeschlagen.

Am Sonntag findet zudem das zweite Triell zwischen Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet und Annalena Baerbock (Grüne) statt. Die Sendung wird diesmal von ARD und ZDF übertragen, und gilt als Höhepunkt des Fernsehwahlkampfes. Das letzte von RTL übertragene Triell gewann Olaf Scholz laut Zuschauer-Umfrage deutlich – in allen Teilfragen. Die CSU, die sich lange auf ein Duell mit den Grünen eingestellt hatte, attackierte in den vergangenen Tagen die SPD mit ungewohnt scharfen Tönen. So warnte CDU-General Paul Ziemiak vor dem “Zerbrechen der EU unter Olaf Scholz”.

Die bayerische Schwesterpartei will derweil mehr auf soziale Themen setzen. Dabei erwähnte er laut “SZ” sogar die verhasste Mietpreisbremse, neben der es eine Offensive für “deutlich mehr Wohngeld” brauche. Mit Blick auf die Umfragen dürfte die Doppel-Strategie aus Warnungen vor dem “Linksrutsch” und sozialpolitischen Zuckerln beim Wahlvolk bislang nicht verfangen haben.

Chaos in Laschets Zukunftsteam

Unterdessen droht Laschets “Zukunftsteam” auseinanderzufallen. Nachdem Friedrich Merz auf Journalisten-Nachfrage vier der acht Mitglieder nicht nennen konnte, gibt es jetzt handfesten Streit. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien hatte über die Mitgliedschaft des umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gespottet: “Das muss ich hinnehmen, auch wenn ich davon natürlich überhaupt nicht begeistert bin und mich frage, was Herr Maaßen eigentlich in der CDU sucht.”

Außerdem könnte sie sich die Wahl eines Sozialdemokraten für den fiktiven Fall, in Maaßens Wahlkreis wählen zu müssen, vorstellen: “Ich sag mal so, ich bin von Leistungssportlern immer wieder fasziniert.” Maaßen tritt in seinem Wahlkreis 196 auch gegen den Olympiasieger und früheren Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich (SPD) an. Maaßen selbst forderte den Rauswurf Priens aus dem engsten Zirkel Laschets. Es sei zu befürchten, “dass sie (Prien, Anm.) für alle Kandidaten zu einer fortlaufenden Belastung wird”.

Der weit rechts stehende Ex-Agent machte zudem mit einem fragwürdigen Video auf sich aufmerksam. In diesem verbreitete er die Verschwörungstheorie, überwiegend linke und grüne Journalisten würden in den öffentlich-rechtlichen Medien “Propaganda” verbreiten und “agitieren”. Und weiter: “So lange wir diese Medien haben, haben wir letztendlich auch ein Problem.”

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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