»Ich habe fertig!«

Ex-BVT-Mann Egisto Ott packt aus

Egisto Ott soll für Russland spioniert und Jan Marsalek zur Flucht verholfen haben. Im ZackZack-Interview berichtet der Ex-BVT-Mann exklusiv von illegalen Aufträgen und Intrigen.

Wien, 17. September 2021 | Egisto Ott arbeitete lange für Österreichs zivilen Nachrichtendienst BVT. Ihm wird vorgeworfen, für Russland spioniert und gemeinsam mit seinem früheren Vorgesetzten, Spionagechef Martin W., dem Wirecard-Manager Jan Marsalek zur Flucht verholfen zu haben – ZackZack berichtete. Im Frühjahr 2021 wurde Ott brutal verhaftet. Nun will Ott reinen Tisch machen: Zum ersten Mal berichtet ein ehemaliger Verfassungsschützer vor laufender Kamera von mutmaßlich kriminellen Vorgängen im BVT.

Vorwurf 1: Haben BVT-Leute für Jan Marsalek spioniert?

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der karenzierte Spionagechef des BVT, Martin W., für Marsalek Informationen aus BVT-Datenbanken beschafft habe. Dabei soll ihm sein früherer Kollege Ott geholfen haben. W. belastete Ott in einer Einvernahme, der wurde daraufhin verhaftet. Doch Ott hatte zum angeblichen Tatzeitpunkt gar keinen Zugriff mehr auf BVT-Datenbanken. Wegen der Spionagevorwürfe, die BVT-Chef Peter Gridling gegen seinen Untergebenen erhoben hatte, war Ott seit 2017 aus dem System ausgesperrt.

Vorwurf 2: Ist Ott ein russischer Spion?

Während eines Einsatzes in der Türkei soll Ott laut BVT-Chef Peter Gridling von russischen Agenten als Spion angeworben worden sein. Beweise dafür gibt es keine – bis auf die Aussage Gridlings, ein ausländischer Geheimdienst hätte ihm davon berichtet. Welcher Dienst, das will Gridling bis heute nicht sagen. Seine Kontaktperson habe er stets unter vier Augen getroffen, Aufzeichnungen existieren nicht.

Die Affäre um einige E-Mails belastet Ott. Der Ex-BVT-Mann soll sich selbst geheime Dokumente geschickt haben. Der Vorwurf gründet auf einem angeblichen Tipp des ausländischen Geheimdienstes. Ott sagt, das sei absurd. Er habe sich lediglich alte Dokumente geschickt, um sie auszudrucken und zur Ausbildung verdeckter Ermittler einzusetzen. Und er gibt zu bedenken: Wenn ein befreundeter Geheimdienst den Mailverkehr des BVT überwache, wieso unternimmt der Verfassungsschutz nichts dagegen?

Die Verteidigung: Intrige im BVT

Ott selbst erzählt eine andere Geschichte: Der frühere BVT-Mann sieht sich als Opfer einer Intrige. Weil er nicht bei illegalen Aktivitäten und Korruption im BVT mitgemacht habe, wolle man ihn loswerden. Ott berichtet im ZackZack-Interview von schockierenden Vorgängen im BVT. Am schwersten wiegt wohl der Vorwurf, das BVT habe im Auftrag ausländischer Geheimdienste Personen in Österreich illegal überwacht und angezeigt.

Und: Für den erfahrenen Nachrichtendienstler – Ott ermittelte schon gegen den Bombenterroristen Franz Fuchs – ist klar, was die Ursache für das Versagen des Verfassungsschutzes beim Anschlag von 2. November 2020 war: Schamlose Umfärbungen und Postenbesetzungen rein nach Parteizugehörigkeit statt Qualifikation.

ZackZack sprach – gemeinsam mit Kollegen vom ORF – schon vor Monaten mit Ott. Doch im ORF wurde das Interview nie veröffentlicht. ZackZack bringt es nun exklusiv, weil der Fall kürzlich neue Brisanz erhielt: Die Polizei durchsuchte vergangenen Samstag das Haus des Ex-FPÖ-Abgeordneten Jenewein. Ott soll ihm – so der Vorwurf – geheime Informationen verkauft haben.

(tw)

Das Interview führte Thomas Walach. Video, Schnitt & Postproduction: Markus Steurer (Lead), Gabriel Pointner.

Titelbild: ZackZack/APA

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