Kickl heimlich geimpft?

FPÖ-Chef klagt PR-Berater Rosam

Herbert Kickl klagt den ÖVP-nahen PR-Berater Wolfgang Rosam, weil dieser im TV behauptete, dass sich der FPÖ-Chef heimlich gegen Corona hat impfen lassen. Zudem hätten sich Medienberichten zufolge bereits mehrere Freiheitliche entgegen der Partei-Linie ihren Stich geholt.

Wien, 20. September 2021 | Hat sich Herbert Kickl entgegen seiner eigenen Partei-Linie gegen Corona impfen lassen? Das suggerierte zumindest der PR-Berater und “Falstaff”-Herausgeber Wolfgang Rosam letzten Donnerstag in der “oe24”-Sendung “Fellner! Live”.

Kickl: “Ich bin nicht geimpft”

Der FPÖ-Chef will nun rechtlich gegen die Behauptungen Rosams vorgehen: „Ob sich jemand gegen Corona impfen lässt oder nicht, muss seine freie Entscheidung sein. Das ist der freiheitliche Zugang. Ich bin nicht geimpft. Wolfgang Rosam aber unterstellte mir, die Öffentlichkeit über meinen Impfstatus zu belügen. Mein Impfstatus dürfte Rosam reichlich egal sein – so wie mich seiner nichts angeht. Aber es ging ihm offenbar darum, meine politische Glaubwürdigkeit durch Fake-Vermutungen und deren Wiedergabe zu untergraben. Das lasse ich mir nicht gefallen, wir leiten rechtliche Schritte gegen Rosam ein“, kündigte Kickl am Sonntag an.

Rosam “nicht unglücklich” über Klage

Der Konter des ÖVP-nahen “Falstaff”-Herausgebers folgte Montagvormittag: Er stehe weiterhin zu seinen Aussagen, “dass es das Gerücht gäbe, Kickl wäre bereits geimpft und, wenn das tatsächlich so wäre, er zurücktreten müsste”. Gegenüber “oe24.tv” entgegnete Rosam außerdem, “gar nicht unglücklich” über die Klage zu sein:

“Wenn der Herr Kickl nun die Gerichte bemüht, dann werden ja vielleicht auch einige andere Aussagen von ihm ans Tageslicht kommen und ein bisschen näher untersucht werden, die er unter seiner parlamentarischen Immunität ja ungestraft in den letzten Wochen von sich gegeben hat.”

Rosam bezieht sich dabei auf jene Aussagen Kickls, wonach dieser aus verlässlichen Quellen wüsste, dass mehrheitlich Geimpfte auf Österreichs Intensivstationen liegen. Das sei “eine glatte Lüge” und würde allen Aussagen von Österreichs Ärzten widersprechen.

Bei seinen Aussagen über Kickls Impfstatus hätte er bewusst den Konjunktiv gewählt, da er keine Beweise hätte. Deshalb dürfe man es auch nicht als Behauptung sehen. Die Gerüchte stünden jedenfalls im Raum und würden auch in Ärztekreisen umgehen, so Rosam.

Kickls Anwalt Christoph Völk sieht das anders. Rosam würde Kickl mit seinen Äußerungen “implizit unterstellen, dass er eine verlogene Politik betreibe, die seinen Rücktritt zur Folge haben müsste”. Dies sei “ehrenbeleidigend und kreditschädigend”.

Entscheidend sei nämlich, “wie der Mitteilungsempfänger, also in diesem Fall die Zuschauer, Rosams Äußerungen auffassen“, so Völk.

Sollte bewiesen werden, dass Kickl geimpft ist, ist er dann rücktrittsreif?

Impf-Revolte bei den Freiheitlichen

Wie die “Krone” außerdem am Montag berichtete, hätten sich bereits mehrere namhafte FPÖ-Mitglieder ihren Stich geholt. So seien der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp und alle blauen Landtagsabgeordneten im Rathaus, der ehemalige Generalsekretär Harald Vilimsky und andere freiheitliche EU-Parlamentarier, Ex-Staatssekretär Hubert Fuchs sowie der Nationalratsabgeordnete Martin Graf bereits geimpft.

Vilimsky “gestand” etwa offiziell: “Ich bin selbst ein kleines Opfer des indirekten Impfzwangs durch meine vielen Auslandsreisen.” Das sei aber nicht entgegen der Partei-Linie zu deuten, denn die FPÖ würde für Wahlfreiheit bei der Impfung stehen.

Auch die blauen Landesspitzen stellten sich laut “Krone” gegen die Linie Kickls und ließen sich bereits impfen. Wie Rosam im Telefonat mit “oe24” am Montag betont, gehe Kickl hier einen “ganz einsamen Weg”, der auch “einzigartig in Europa” sei.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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