Marsaleks Spur in die Emirate

Die These, der Ex-Wirecard-Vorstand sei in Russland untergetaucht, bekommt Konkurrenz. Eine neue Spur führt in die Vereinigten Arabischen Emirate. Es geht um eine brisante Überweisung.

 

Wien, 21. September 2021 | Laut einem „Handelsblatt“-Bericht kommt jetzt Bewegung in die Jagd nach Jan Marsalek. Eine Mietüberweisung in Höhe von 80.000 Euro auf das Konto eines Münchner Vermieters könnte den flüchtigen Ex-Wirecard-Manager verraten haben.

„Für Jan“

Die Zahlung war mit der Botschaft „Für Jan“ versehen. Dem Blatt zufolge kann damit nur Marsalek gemeint sein, denn der Österreicher hatte die luxuriöse Wohnung jahrelang für seine Freundin gemietet. Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte unterdessen, an der Sache dran zu sein: „Wir können den Eingang einer Geldwäscheanzeige der Fürst-Fugger-Bank in diesem Zusammenhang bestätigen.“ Das Geld kam von einer Großbank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Seit Marsalek am 19. Juni 2020 vom Flugplatz Bad Vöslau aus in Richtung Minsk abhob, fehlt von ihm jede Spur. Aufgrund der illustren Reisehistorie des mutmaßlichen Milliardenbetrügers gibt es mehrere Vermutungen über seinen Aufenthaltsort. Die deutsche Zeitung „Welt“ berichtete über die BND-These, wonach sich Marsalek auf einem Militärgelände in der Nähe von Moskau aufhalten würde. Beweise dafür gibt es keine, der BND stützt seine These auf Insiderinformationen.

Wer ist Ahmed?

Ist die Überweisung ein Lebenszeichen von Marsalek? Jedenfalls wirft sie Fragen auf, denn die 80.000 Euro kamen von einem gewissen „Jamil Uddin Ahmed“. Das „Handelsblatt“ hält es für möglich, dass das einer der vielen Decknamen des Österreichers sein könnte – oder ein arabischer Strohmann. Der Name war Experten der Affäre rund um den insolventen Zahlungsdienstleister bislang nicht bekannt. Dass Marsalek über einen Dritten Geld an seine Freundin weiterleitete, damit diese in der Villa bleiben kann, ist dem Blatt zufolge unwahrscheinlich. Das liegt auch daran, dass die Zahlung vom Vermieter nicht akzeptiert wurde. Marsaleks Freundin musste die Wohnung mittlerweile verlassen, gegen den Ex-Manager läuft eine Räumungsklage.

Da die VAE viel Wert auf ihr Bankengeheimnis legen, könnten die Ermittler wieder einmal im Dunkeln tappen. Im U-Ausschuss des Bundestages strahlte die leitende Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl noch Zuversicht aus: „Wir sind wirklich dran, und wir kriegen ihn irgendwann.“ Gegen die BND-These spricht, dass es trotz Marsaleks Militäraffinität untypisch wäre, hielte er sich auf einem eher tristen Militärgelände in Russland auf. Der Ex-Kollege des inhaftierten ÖVP-Großspenders Markus Braun pflegte einen ausschweifenden Lebensstil. Insider vermuten ihn deshalb in wärmeren Gegenden – zum Beispiel in den Emiraten. Die Dubai-Konzerntochter war ein bedeutender Pfeiler im Asiengeschäft von Wirecard, das Marsalek verantwortete. Akteure, die im Dunstkreis der Wirecard-Affäre auftauchten, sind aktuell in Dubai untergekommen. So auch einer der Ex-BVT-Beamten, die Marsalek angeblich zur Flucht verholfen haben sollen.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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