Aufstand der Unabhängigen

Zehn Brauereien stemmen sich gegen Brau-Union

Ozapft is’ der etwas anderen Art: Die größten unabhängigen Brauereien Österreichs wagen einen Vorstoß gegen den Marktriesen Brau Union. Man wolle kein “Einheitsbier” – dafür aber ein neues Siegel, das auf Unabhängigkeit verweise.

Wien, 21. September 2021 | Die größten unabhängigen Brauereien Österreichs machen gemeinsame Sache gegen den Marktführer Brau Union, der zum niederländischen Heineken-Konzern gehört. Stiegl, Ottakinger und vorerst acht weitere Brauereien aus ganz Österreich werben jetzt mit dem Siegel “Österreichische Privatbrauerei – 100 % unabhängig”.

Abgrenzung von internationalen Großkonzernen

“Wir wollen uns von den internationalen Großkonzernen abgrenzen”, sagte Ottakringer-Chef Siegfried Menz am Dienstag bei der Präsentation der gemeinsamen Initiative.

An Bord des Vereins “Unabhängige Privatbrauereien” sind vorerst neben Stiegl und Ottakringer Murauer, Schremser, Zwettler, Freistädter, Hirter sowie Schloss Eggenberg, Trumer und die Mohrenbrauerei. Ihr Ziel ist der Schutz der heimischen Braukultur, nach dem Motto “Für immer konzernfrei”, wie es von den Brauern hieß. Das Siegel soll auf alle Etiketten, Bierdosen und Kronenkorken der zehn Brauereien gedruckt werden und den Konsumentinnen und Konsumenten als Orientierungshilfe dienen.

Die Allianz der zehn Brauereien steht für rund 28 Prozent der Bierproduktion in Österreich. Und sie will weiter wachsen. Insgesamt gibt es über 250 unabhängige Brauereien, beim Großteil handelt es sich um Kleinstbrauereien aus der Craft-Beer-Szene. Sie alle kämen infrage, Mitglied zu werden, um das neue Siegel zu verwenden, sofern sie in österreichischer Hand sind.

Drei Große kontrollieren Hälfte des Weltmarktes

Die drei größten Bierkonzerne der Welt kontrollieren die Hälfte des Weltmarktes. “In Österreich ist die Konzentration noch viel ärger, einer dieser drei hat zwei Drittel des Marktanteils”, sagte Ewald Pöschko, Chef der Braucommune in Freistadt, der als Obmann des neuen Vereins fungiert. “Wenn es so weitergeht, kommen wir in eine Art Monopolsituation”, so Pöschko. “Wir wollen kein Einheitsbier.”

2020 sind in Österreich rund 8,5 Mio. Hektoliter Bier produziert worden. Die zehn hinter dem Siegel vereinten Privatbrauereien stehen für einen Ausstoß von rund 2,2 Mio. Hektolitern. Zum Vergleich: Die Brau Union produziert in ihren acht Brauereien in Österreich jährlich rund 5 Mio. Hektoliter, das sind eine Milliarde Krügerl. Wichtigste Marke der Brau Union ist Gösser, neben Puntigamer, Zipfer und Schwechater. Durch die Preisschlacht in der Coronapandemie ist der Marktanteil der Brau Union von zuvor rund 50 Prozent weiter gestiegen.

Den Wettbewerb am Biermarkt soll die neue Allianz nicht behindern. “Es heißt nicht, dass wir uns am Markt umarmen und kuscheln. Vielfalt heißt Wettbewerb”, sagte Schremser-Chef Karl Trojan. Apropos Wettbewerb: In der Vergangenheit hatte es am Biermarkt immer wieder Preisabsprachen zwischen Brauereien und dem Lebensmittelhandel gegeben. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat die Praxis aber vor einigen Jahren abgestellt und mittels Leitfaden für klarere Regeln gesorgt.

(red/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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