2G in Clubs, Theater und Stadien:

Gemischte Gefühle bei Betreibern

In Wien gelten ab 1. Oktober verschärfte Corona-Maßnahmen. Wer ab dann Nachtlokale oder Veranstaltungen mit über 500 Personen besuchen möchte, muss entweder geimpft oder genesen sein. Doch nicht alle Betreiber sind glücklich mit der 2G-Regel.

Wien, 23. September 2021 | Bald wird in vielen Lebensbereichen der Hauptstadt aus 3G nur noch 2G. Am Dienstag verkündete Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die verschärften Corona-Maßnahmen für Wien. Diese sollen ab 1. Oktober gelten und sehen unter anderem strengere Einlassregeln in der Nachtgastronomie und bei Veranstaltungen mit über 500 Personen vor. Bedeutet: Zutritt haben nur noch Geimpfte und Genesene, ein einfacher Test reicht nicht mehr aus.

Nachtgastronomie, Veranstaltungen, Theater, Sportstätten – um nur einige Bereiche zu nennen – sind wirtschaftlich von den neuen Verschärfungen betroffen. Was bedeutet das Wegfallen von ausschließlich Getesteten für die Betreiber?

Rapid geht von Zuschauerrückgang aus

In der Wiener Sportszene sorgt die neue 2G-Regelung für Gesprächsstoff. In der Fußball-Bundesliga stellen sich die Traditionsclubs Rapid und Austria auf einen Besucherrückgang ein.

“Die aktuelle Entscheidung der Politik für den Monat Oktober ist zur Kenntnis zu nehmen. Wie andere Branchen auch sind wir in diesem Fall ‘Umsetzer'”,

teilte der SK Rapid am Mittwochabend mit.

Man müsse aber “mit der Erfahrung der letzten Monate bei jeweiligen Verschärfungen und der bedauerlicherweise fortschreitenden gesellschaftlichen Polarisierung leider von einem Zuschauerrückgang (…) ausgehen”. Das bedeute auch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Clubs aus anderen Bundesländern. Die im “Block West” beheimatete lautstarke Fan-Szene hatte bereits angekündigt: Sollten abgesehen von der 3G-Regel in Zukunft weitere Einschränkungen gelten, würden die Gruppen des Blocks dem Allianz Stadion fernbleiben.

Capitals erwarten Einnahmeausfälle

Vonseiten der Austria hieß es, dass man einmal den genauen Wortlaut der Verordnung abwarten wolle. Es gebe noch viele offene Fragen. Keine Bedenken haben die Veranstalter der Erste Bank Open im Tennis in der Stadthalle. Turnierdirektor Herwig Straka sieht in dieser Entscheidung sogar einen Vorteil, wie er am Mittwoch im APA-Gespräch erklärte. Der Steirer erwartet für sein Turnier (25. bis 31.10.) ein volles Haus. “Ich finde das eine gute Lösung, weil wir dadurch die andere Variante, nämlich, dass wir Abstand einhalten müssen und weniger Leute hereinlassen, nicht erfüllen müssen”, erklärte der 55-Jährige.

Die in der ICE Hockey League engagierten Capitals erwarten einen “weiteren Zuschauer-Rückgang, verbunden mit beträchtlichen Einnahmenausfällen”. Bereits zuvor war der Club mit sinkendem Zuschauer-Zuspruch konfrontiert gewesen, sei es aus Sorge vor einer Covid-Ansteckung oder der Weigerung einer “nicht unwesentlichen Gruppe an Fans”, Covid-Maßnahmen (etwa Erbringung eines 3G-Nachweises) auf sich zu nehmen, hieß es auf Anfrage.

Bundestheater befürworten 2G

Zustimmung zur neuen Corona-Regelung kam hingegen von den Bundestheatern, die mit dem Burgtheater, der Staatsoper und der Volksoper jeweils Kapazitäten von über 500 Besuchern haben. “Wie in der Vorwoche klargestellt, befürworten die Geschäftsführungen der Österreichischen Bundestheater geschlossen die 2G-Regelung”, sagte Holding-Chef Christian Kircher auf APA-Anfrage. Eigene Erhebungen würden zeigen, dass die Impfquote der Besucherinnen und Besucher der Bundestheater bereits bei ca. 90 Prozent liege. “Dennoch ist es für eine Einschätzung über die wirtschaftlichen Auswirkungen derzeit noch zu früh”, räumte Kircher ein.

Auch Prater Dome rechnet mit weniger Umsatz

Tanzen und Feiern im Club – auch das ist ab 1. Oktober nur noch für Geimpfte und Genesene möglich. In Wiens Mega-Disco Prater Dome rechnet man mit Umsatzeinbußen. Wie Holger Pfister, Chef des A-Dance-Club und des Prater Dome, gegenüber der “Krone” erklärte, seien in seinen Clubs bisher circa 30 Prozent der Partygäste getestet gekommen. „Die werden dann ab 1. Oktober fehlen“, sagt der Clubbesitzer. Außerdem wird der Prater Dome gerade umgebaut, die Wiederöffnung ist für den 29. Oktober geplant. Ob es sich mit den neuen Bestimmungen auszahlt zu öffnen, sei fraglich. Denn gerade im Prater Dome verkehre junges Publikum, wo die Impfquote eher niedrig ist.

Gastro-Vertreter Peter Dobcak betonte gegenüber der “Krone”, dass man die Entscheidungen wie immer mittragen werde. Er betont aber auch, dass die Gastronomie durch die Krise bereits „genug in Mitleidenschaft gezogen wurde“ und man sich jetzt ein Entgegenkommen der Stadt erwarte.

(mst/apa)

Titelbild: Pixabay

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