UK:

Nicht alle Geimpften dürfen einfach rein

Die neuen Einreisebestimmungen des Vereinigten Königreichs lösen Empörung aus. Impfungen aus Lateinamerika, Südasien und Afrika werden nicht anerkannt, obwohl es sich um Impfstoffe handelt, die in Großbritannien zugelassen sind.

Wien, 23. September 2021 | Das UK lockert die Einreisebestimmungen für geimpfte Menschen. Damit fallen die obligatorischen PCR-Testungen bei Einreise sowie die Quarantänepflicht von zehn Tagen. Das betrifft Menschen, die mit AstraZeneca, BioNTech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson vollständig geimpft wurden.

Allerdings sind Menschen, die diese Impfungen in Lateinamerika, Südasien oder Afrika bekommen haben, davon ausgenommen. Die betroffenen Länder bezeichnen diese Ausnahmeregelung als „diskriminierend“, zumal es sich unter anderem um Länder handelt, die AstraZeneca-Dosen von Großbritannien gespendet bekommen haben.

Mangelnde Solidarität

Anfang des Sommers warb der britische Außenminister noch mit den Impfspenden an arme Länder und sprach von drei Millionen Impfdosen, die an elf afrikanische Länder im Rahmen des globalen Impfprogramms COVAX gingen. Diese Solidarität zeigen die Briten jedoch nicht, wenn es darum geht, die Einreise für Geimpfte aus ebendiesen Ländern zu erleichtern. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps bezeichnet die neuen Regeln, die vergangenen Freitag vorgestellt wurden, als ein „neues, vereinfachtes System für internationale Reisen“. Doch in vielen Teilen der Welt herrscht Verärgerung darüber.

Denn laut der neuen Verordnung werden Menschen die in den USA, Australien, Neuseeland, Südkorea oder einem EU-Land mit Impfungen von AstraZeneca, BioNTech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson vollständig geimpft wurden, von der Quarantäne befreit. Menschen mit genau denselben Bedingungen aus Lateinamerika, Südasien und Afrika gelten jedoch als „nicht vollständig geimpft“ und müssen in eine zehntägige Quarantäne.

Kritikwelle

Das veranlasste Politiker und Diplomaten, Reisen nach England abzusagen und gegen die „beleidigende“ Entscheidung zu protestieren. Gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“ äußerte sich ein verärgerter lateinamerikanischer Diplomat dazu: „Es gibt keine einzige Person, mit der ich gesprochen habe, die darüber nicht verärgert ist. Die Leute sind perplex.“ Ein Arzt und Geschäftsführer eines nigerianischen Beratungsunternehmens für öffentliche Gesundheit bezeichnet das Verhalten als „falsch und diskriminierend“.

Indische AstraZeneca Version nicht zulässig

Insbesondere Indien sieht eine Ungerechtigkeit in der Entscheidung, den in Indien produzierten Impfstoff „Covishield“, der von 23 europäischen Ländern anerkannt wird und in Zusammenarbeit mit AstraZeneca entwickelt wurde, nicht als zulässig zu erklären. Der britische Impfexperte Adam Finn bezeichnete sogar die Impfstoffe als “exakt dasselbe”.

Als Reaktion auf die internationale Empörung über die Beschränkungen hat das Vereinigte Königreich nun zugesagt, mit einigen Ländern zusammenzuarbeiten, um deren Impfpässe anzuerkennen.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

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