Wer die Krise bezahlt

Arbeitnehmer verlieren, Unternehmen gewinnen

Die Krise schlägt für Arbeitnehmer und den Staat mit einem dicken Minus zu Buche. Einzig Unternehmen bilanzieren insgesamt positiv. AK, SPÖ und FPÖ fordern Schritte gegen die wachsende Ungleichheit.

Wien, 24. September 2021 | Die durch Corona-Maßnahmen bedingte Wirtschaftskrise hat heimische Steuerzahler unterschiedlich stark getroffen. Neue Zahlen der Statistik Austria weisen klare Verlierer und Gewinner der Corona-Krise aus. Verglichen wurde der Zeitraum zwischen zweitem Quartal 2019 und erstem Quartal 2020 mit dem zweiten Quartal 2020 bis zum ersten Quartal 2021. Die insgesamt stark negative Bilanz von minus 20,8 Milliarden Euro kennt nur einen Gewinner: Unternehmen und Selbstständige. Diese Gruppe konnte sich über ein Plus von 5,1 Milliarden Euro freuen.

Arbeitnehmer zahlen drauf

Staatliche Hilfsleistungen für Unternehmen und Privatpersonen spiegeln sich in der Statistik mit einem Minus von 20,4 Milliarden Euro wider. Arbeitnehmer beißen mit einem Minus von 5,5 Milliarden Euro in den sauren Apfel. Grund sind laut Christoph Klein, Präsident der Arbeiterkammer Wien, gesunkene Löhne, nicht vergütete Überstunden und die gestiegene Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite spricht der AK-Präsident im Ö1-Mittagsjournal von einer gewissen „Überförderung“ bestimmter Unternehmen und „Kollateralschäden von Wirtschaftshilfen“. Die AK fordert in den anstehenden Lohnverhandlungen eine Besserstellung der Arbeitnehmerseite und keine weiteren Geschenke für profitable Unternehmen.

Krise: Wer soll verstärkt zur Kasse gebeten werden?

SPÖ und FPÖ alarmiert

Der SPÖ-Abgeordnete Christoph Matznetter betonte gegenüber ZackZack die Wichtigkeit einer Sonderabgabe für Krisengewinner wie McDonald’s oder KTM, das Unternehmen von ÖVP-Finanzier Stefan Pierer. Auch die „Ungleichheit der Hilfen“ in der „Blackbox Cofag“ sind ihm ein Dorn im Auge: „Manch kleine Unternehmen warten immer noch auf Bearbeitung ihrer Anträge“, so Matznetter. Für kleine Unternehmen kann sich die SPÖ außerdem einen Freibetrag von rund 30.000 Euro vorstellen. Große, hoch profitable Unternehmen könnten laut SPÖ hingegen höher besteuert werden, sagt Matznetter und verweist auf ähnliche Pläne von Joe Biden. Der US-Präsident sprach von einer möglichen Anhebung der maximalen Körperschaftssteuer auf 28 Prozent.

Erwin Angerer, Wirtschaftssprecher und Abgeordneter der FPÖ, plädiert für eine Entlastung der unteren und mittleren Einkommen, denn auch für ihn sind „große Konzerne die Gewinner der Krise“. Für die Einkommensklassen bis 2.594 Euro und 5.011 Euro fordert er eine Senkung der Lohnsteuer von 35 auf 30 beziehungsweise 42 auf 40 Prozent. Zudem sollen Menschen mit finanziellen Problemen während der Krise Direktzahlungen für Energiekosten in Anspruch nehmen können.

(dp)

Titelbild: Statistik Austria

Lesen Sie auch

25 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare