Rabensteiner: Die Rosen von Reichenau

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner.

 

Wien, 25. September 2021 | Wir alle erinnern uns mit Freude an den Ministerrat Ende Juli in Reichenau an der Rax. Nach einer Stunde Anfahrtszeit hatte der Busfahrer endlich das richtige Schloss gefunden und schon nach einer 20-minütigen Sitzung stieg weißer Rauch in Form eines Sieben-Punkte-Plans auf. Die anschließende Pressekonferenz dauerte 40 Minuten. Eine Erklärung zur ökosozialen Steuerreform bestand gar aus vier Zeilen. Vier Zeilen! Wer soll das alles lesen? Das Protokoll des Ministerrats liest sich noch umfangreicher. So wurden 35 Berichte der jeweiligen Minister vorgetragen und angenommen – Wahnsinn, was hier in kurzer Zeit alles geleistet wurde. Zum Glück war dann aber mehr Zeit für Fotos von Kanzler und Vizekanzler, die sich wie Susi und Strolch verliebte Blicke zuwarfen. Die Koalitionspartner zeigten sich ganz anders als die ständigen Streitereien vermuten ließen. Kurz und Kogler spazierten händchenhaltend durch den Schlosspark, kicherten wie Teenager, schifften an die Schlossmauer wie seinerzeit Ernst August von Hannover an den türkischen Pavillon und strahlten in die Kameras der versammelten Weltpresse. Alles schien eitel Wonne zu sein, wäre da nicht ein Mikrofon gewesen.

Kurz: „Der Park erinnert mich an den Film ‚Das Geheimnis der Blumeninsel‘ von Rosamunde Pilcher. Siehst du die Rosen da drüber? Das müssen Baccara sein. Und der Lavendel. Einfach bezaubernd.“

Kogler: „Mir wird glei schlecht.“

Kurz: „Was hast du denn? Du bist in letzter Zeit so komisch. Sei ehrlich, bereust du unsere Koalition?“

Kogler: „Na, bereuen tua is net.“

Kurz: „Das freut mich.“

Kogler: „Sie kotzt mi an.“

Kurz: „Bin ich tatsächlich so eine Enttäuschung? Könnte Anneliese Rohrer Recht haben?“

Kogler: „Frog besser net. I hoit di afoch nimmer aus. Mir graust richtig. Bei unserem ersten Treffen worst so schüchtern, direkt putzig. Am liabsten hätt i di g’fressen. Heut bereu i, dass is net g’mocht hob.”

Kurz: „Aber warum denn? Ich geb mir doch solche Mühe.“

Kogler: „Ich. Ich. Ich. I kaun des scho nimmer hörn. Z‘erscht hob i no glaubt, es kennt a tolle Beziehung wern. Oba es geht immer nur um di. Du bist a kindischer Egomane, der net amoi die Bundeshymne kaun. Und wir san kane Partner auf Augenhöhe. Unser Koalition is längst wia a Versicherung. I zahl ein und zahl ein und kriag nix aussa.“

Kurz: „Ich schwöre dir, ab heute wird alles besser. Gib uns noch eine Chance. Wir müssen an unserer Beziehung arbeiten. Das ist wie beim Sex. Der wird mit der Zeit auch immer besser.“

Kogler: „Solang mas net immer mit dem gleichen Partner treibt.“

Kurz: „Du bist so zynisch.“

Kogler: „Waunst no Gefühle fiar mi host, daun gib mi frei.“

Kurz: „So darf es nicht enden. Denk doch an die schönen Zeiten. An unsere gemeinsame Arbeit, die so erfolgreich ist. Und das ist sie. Steht heute wieder im Kurier. Du hast alle Ministerien bekommen, die du wolltest. Ist es meine Frisur? Bin ich dir zu dünn? Das kann ich ändern. Wenn du möchtest, kriegst du auch einen neuen Dienstwagen. Grün lackiert. Voll elektrisch. Das war doch immer ein Traum von dir. Und erst letzte Nacht hast du…….oder war das alles nur gespielt?“

Kogler: „Mochs net schlimmer, ois es scho is.“

Kurz: „Was muss ich tun? Sag’s mir. Bitte.“

Kogler: „Geh z’ruck zu deiner Mutter und nimm die Kinder mit.“

Kurz: „Du hast eine andere. Stimmts? Gib es doch einfach zu. Ist es die Rendi-Wagner?“

Kogler: „Na, vergiss es. Wie soll i des jetzt am besten sogn? I wü di net beleidigen. Wir bewegen uns intellektuell auf verschiedenen Ebenen. Du bist geistig nur leicht bewaffnet.“

Kurz: „Ich bin dir also zu blöd.“

Kogler: „Jo.“

Kurz: „Jetzt warst du aber nicht nett zu mir.“

Kogler: „Die Natur a net. Beschwer di bei der.“

Mehr über den Autor finden Sie hier

Titelbild: ZackZack/Othmar Wicke

Lesen Sie auch

11 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare