Keine Lust auf 2G

Wiens Partyvolk flüchtet ins »Exil«

Mitten im Industriegebiet am Stadtrand von Wien eröffnete am Freitag ein neuer Club, und der Zeitpunkt könnte besser nicht sein. Während viele Nachtlokale aufgrund der 2G-Regel leer blieben, freuen sich die Betreiber des “Exil”: Denn die Location liegt in Niederösterreich.

Vösendorf, 05. Oktober 2021 | Der Stadtteil Siebenhirten ist vielen Wienern wohl nur als Endstation der U-Bahnlinie U6 bekannt. Vor allem für Menschen, die gerne feiern, könnte das Grätzl im 23. Bezirk jetzt interessant werden. Am Freitag eröffnete im dortigen Gewerbepark der Club EXIL. Neben der günstigen Lage mit so gut wie keinen Anrainern bietet er aber vor allem einen Vorteil: Die Location befindet sich bereits im niederösterreichischen Vösendorf, nur 15 Minuten zu Fuß von besagter U6-Endstation entfernt. Die 2G-Regel gilt daher nicht, auch Getestete dürfen im EXIL feiern.

Auch Wiener Betreiber wollen 3G zurück

Eine Rückkehr zur 3G-Regel fordern nach dem ersten Wochenende auch viele Wiener Club- und Barbetreiber. Nachtgastronomie-Sprecher Stefan Ratzenberger berichtet gegenüber der APA über Umsatzrückgange zwischen 20 und 40 Prozent, Wiens Partyvolk würde wieder vermehrt in den privaten Bereich oder auf öffentliche Plätze ausweichen. So würde es oft schon ausreichen, wenn in einer Gruppe eine einzige Person nicht geimpft sei. Dann würden sich auch die Freunde dafür entscheiden, wo anders zu feiern, schätzt Ratzenberger die Lage ein.

“Polizei hat eine Stunde kontrolliert”

Wich man letztes Jahr noch nach Bratislava aus, um eine Partynacht ohne große Einschränkungen zu erleben, reicht also heute ein Sprung nach Niederösterreich. Ein Freibrief für Menschen, die sich an die Corona-Regeln gar nicht halten wollen, will man im EXIL aber nicht sein, wie Club-Sprecher Niko Kern im Gespräch mit ZackZack meint: “Nicht nur die Türsteher, sondern auch die Clubbetreiber selbst haben am ersten Abend die Zertifikate kontrolliert, mit Scan und Ausweis. Leute ohne gültigen 3G-Nachweis wurden von uns abgewiesen.”

Der neue Club in Vösendorf überzeugt mit 3 Floors und einem durchdachten Soundsystem. (Bild: Club Exil)

Davon wollte sich auch die Polizei ein Bild machen. Eine Stunde lang wurden beim Eröffnungsabend Mitarbeiter und Besucher kontrolliert. Leute ohne gültigem Nachweis wurden keine gefunden, so Kern. Der Besuch der Beamten habe aber nicht negativ beigetragen, der erste Abend im EXIL sei ein “voller Erfolg gewesen”. Die 2G-Regel betrachtet man in Vösendorf kritisch. Ausschließlich Geimpfte und Genesene reinzulassen sei überzogen, meint Kern.

Club Commission unterstützt 2G

Anders sieht das die Vienna Club Commission, die als Schnittstelle zwischen Clubszene und Stadt Wien fungiert. “Wir wissen, dass die Clubs mit 2G wirtschaften können und dass sie auch jede Maßnahme unterstützen, die dazu beiträgt, dass diese Pandemie bekämpft wird”, so Martina Brunner von der VCC im Interview mit ORF “Wien heute” am Montag. Von den Clubs hätte man am Wochenende unterschiedliche Rückmeldungen gehört. Viele freuten sich über volle Auslastung, andere hätten “die 15 Prozent Getesteten” im Umsatz durchaus gespürt.

Neben den Elektro Partys wird der Club EXIL auch für Seminare, Vorträge, Messen & Vernissagen zur Verfügung stehen und Kulturveranstaltungen im Clubsetting ermöglichen. Hier geht’s zur Website.

2G-Regel – Überzogen oder sinnvoll? Das werden wir nächste Woche auch in unserer neuesten Nachtclub-Ausgabe besprechen. Bei Julia Zander und Markus Steurer werden DJ und Veranstalter Rudi Wrany und EXIL-Pressesprecher Niko Kern diskutieren.

(mst)

Titelbild: Club Exil

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