15 Jahre danach:

Anna Politkowskajas Mörder immer noch nicht gefunden

15 Jahre nach der Ermordung der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja ist immer noch unklar, wer den Mord in Auftrag gegeben hat. Menschenrechtler fordern eine lückenlose Aufklärung.

Wien, 7. Oktober 2021 | In Russland wird mit der kritischen und unabhängigen Zeitung „Nowaja Gaseta“ (Neue Zeitung) automatisch der Name „Anna Politkowskaja“ verbunden. Am 7. Oktober – Putins Geburtstag – vor 15 Jahren wurde sie am helllichten Tag im Treppenhaus ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Sechs Personen wurden in dem Mordfall verurteilt und erhielten Haftstrafen zwischen 11 Jahren und lebenslänglich.

Seitdem wird der Geburtstag Putins immer mit dem Attentat an Politkowskaja verbunden. Sie war die erste von mittlerweile sechs ermordeten Journalisten der „Nowaja Gaseta“. Nun läuft die 15-jährige Verjährungsfrist ab und der Drahtzieher wurde immer noch nicht belangt und Journalisten werden in Russland weiterhin eingeschüchtert.

Einblicke in die Ermittlungen der Redaktion

Aber davon lassen sich die Ex-Kollegen Politkowskajas nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil veranlasste die mangelnde Motivation der Justiz, den Drahtzieher ausfindig zu machen, die Redaktion von „Nowaja Gaseta“ dazu ihre eigenen Ermittlungen zu führen. In Gedenken an ihre Kollegin hat die Zeitung einen Dokumentarfilm veröffentlicht mit dem Titel „Wie Anna ermordet wurde“.

Der Film gibt einen Einblick in die Ermittlungen und verrät die Rolle des russischen Geheimdiensts FSB und des Innenministeriums bei der Ermordung der Journalistin. Die Zeitung erzählt auch zum ersten Mal von einem geheimen Zeugen, dank dem der Drahtzieher gefunden werden konnte. Die Redaktion will nun die Wiederaufnahme der Ermittlungen, die nur ein Gericht veranlassen kann, und die Identifizierung des Drahtziehers erreichen.

Politkowskaja erregte Aufsehen mit ihren Reportagen über die damalige Kriegsregion Tschetschenien. Sie berichtete über zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten und brachte damit die Wahrheit ans Licht, die der Kreml und der damalige Premierminister und heutige Präsident Tschetscheniens Ramzan Kadyrow lieber verborgen gehalten hätten.

Mahnwache und Appell zugleich

Der Mord an Politkowskaja wurde auch international kritisiert. 2018 verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland aufgrund unzureichender Ermittlungen im Mordfall Politkowskaja. Auch Peter Franck von „Amnesty International“ sprach am Mittwoch in Berlin von „Versäumnissen bei den Ermittlungen“. Im EU-Parlament wurde ihr ein Pressesaal gewidmet. Allerdings wurde bisher keine einzige Pressekonferenz mit russischen Regierungsvertretern dort abgehalten, weil diese sich weigern den Saal zu betreten, so der stellvertretende Chefredakteur Sergej Sokolow gegenüber der „Tagesschau“.

„Amnesty International“ hält am Donnerstag gemeinsam mit „Reporter ohne Grenzen“ eine Mahnwache vor der russischen Botschaft in Berlin, um einerseits der ermordeten Journalistin zu gedenken und an die Bundesregierung zu appellieren, gegen die Repressionen Russlands gegen Journalisten vorzugehen.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

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1 Kommentar
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Onkel Jolesch
7. 10. 2021 16:51

Naja…so schwer ist es nicht…

Der Auftraggeber des Mordes an Anna Politowskaja sitzt heute noch im Kreml, und hat sich diesen Mord selbst zum Geburtstagsgeschenk gemacht…

eine hellsichtige Analyse aus dem Jahre 2007…es ist Alles so gekommen, wie befürchtet…

https://www.aei.org/research-products/report/a-rogue-intelligence-state/