Kurz: »Kann ich ein Bundesland aufhetzen?«

Sebastian Kurz und seine engsten Vertrauten beschimpften in Chats politische Gegner wie Partei“freunde“ und sabotierten die Regierung.

 

Wien, 08. Oktober 2021 | Die Ermittlungen der WKStA zur Inseratenaffäre, wegen der sich Österreich seit Tagen in einer schweren Regierungskrise befindet, fördert Manches zutage, das nicht strafbar ist, aber vielsagend. Die Mitglieder der türkisen „Familie“ brachten ihre Abneigung gegen politische Gegner und Parteifreunde gleichermaßen deutlich zum Ausdruck.

Bei Intrigen um die Neubesetzung des ÖVP-Generalsekretärs im September 2016 musste Peter McDonald Werner Amon weichen. Im Gerangel um die Besetzung kam Thomas Schmid zu dem Schluss: „Mitterlehner is dead like a dodo.“

Gernot Blümel und BMF-Sprecherin Michaela Berger zeigten sich amüsiert. „Omg thomas wieviele müssen noch sterben“ und „Blut pflastert unseren Weg“, schreibt Berger.

Mitterlehner, der „Arsch“

Das sind noch harmlose Aussagen im Vergleich zu einem Austausch zwischen Schmid und Kurz. Über die ÖVP-Landeshauptleute schreibt Schmid: „Diese alten Deppen sind so unerträglich!“ Sein Urteil über Parteichef Mitterlehner ist noch harscher. Der sei „ein Linksdilettant und ein riesen Oasch!! Ich hasse ihn.“

Kurz antwortet darauf: „Danke Thomas. Super, dass Spindi heute ausgerückt ist. Das stört den Arsch (gemeint ist Mitterlehner, Anm.) sicher am meisten.“

Schmid „hasst“ übrigens nicht nur Mitterlehner, sondern auch den damaligen Bundeskanzler Christian Kern.

Regierung sabotiert

Eine Konversation zwischen Schmid und Kurz wirft Licht darauf, wie Kurz als Außenminister aktiv die Koalition sabotierte. SPÖ und ÖVP hatten einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung für Kinder vereinbart. Ein Erfolg für die Koalition. Kurz wollte das verhindern:

Kurz: „Gar nicht gut!!! Wie kannst du das aufhalten?“

Schmid: „Terrorisiere gerade Mahrer und Kaszanits (Mitterlehners rechte Hand, Anm.) und mache denen das klar.“

Kurz: „Bitte. Kann ich ein Bundesland aufhetzen?“

Schmid: „Das sollten wir – wir schicken deinen Leuten dann heute auch noch die Infos.“

(bf/tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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