Insider: Blümel vor Rücktritt als ÖVP-Wien-Chef

Wie ZackZack aus gut informierten Kreisen erfahren hat, soll das Ende von Gernot Blümel als Wiener ÖVP-Landeschef bevorstehen.

Wien, 11. Oktober 2021 | Gernot Blümels Wunsch nach einer beruflichen Veränderung wird schon seit Monaten kolportiert. Der Rücktritt vom ungeliebten Job des Wiener ÖVP-Chefs soll Blümel von Doppel-Altkanzler Sebastian Kurz allerdings verwehrt worden sein. So soll Blümel vor allem einen Abgang aus dem Finanzministerium angestrebt haben. Dieser Wunsch wird ihm zwar (noch) nicht erfüllt, doch den von ihm Chefposten in Wien dürfte Blümel demnächst abgeben können. Das berichten gut informierte Kreise gegenüber ZackZack. In einer Aussendung betonte Blümel am Montag, „unter meiner Führung weiterhin mit voller Kraft für die Zukunft unserer Stadt einsetzen.“ Gleichzeitig kündigte er eine Rede für den 20. Oktober an.

Wer könnte Blümel nachfolgen?

Spannend ist die Frage nach einem Nachfolger. Die Wahrscheinlichkeit, dass erstmals eine Frau an der Spitze der ÖVP Landespartei stehen könnte, ist nicht besonders hoch. Mit Bernadette Arnoldner, derzeit Stadträtin und Landesgeschäftsführerin, gäbe es zwar eine Frau im Führungsteam der VP Wien. Die Frau von A1-Chef Thomas Arnoldner gilt allerdings als wenig gefestigt innerhalb der Partei. Zwar ist sie seit 2009 in der ÖVP Liesing tätig, in höhere Sphären ging es für Arnoldner aber erst nach der Übernahme der Wiener VP durch den Türkisen Blümel.

Kolportiert werden derzeit mehrere Namen, wobei Klubobmann Markus Wölbitsch als wenig realistischer Nachfolger gilt. Dafür genieße er keine ausreichende Unterstützung, heißt es. Höher im Kurs stehen Nationalratsabgeordneter Nico Marchetti und Innenminister Karl Nehammer. Letzterer möchte Insidern zufolge aber nicht in die Wiener Politik wechseln. Die ÖVP Wien war zu keiner Stellungnahme bereit. Gegenüber der “Wiener zeitung” erklärte Wölbitsch, niemand stelle Blümel in Frage. Man sei “stolz” auf den Parteiobmann. 

Blümel auch in Chats zu Inseratenaffäre

Ob der mögliche Rückzug Blümels in direktem Zusammenhang mit der Inseratenaffäre steht, ist nicht bekannt. In den Akten gibt es zumindest Hinweise darauf, dass Blümel über die Inseratengebahrungen und Abmachungen zwischen Finanzministerium (BMF) und der Mediengruppe „Österreich“ Bescheid gewusst haben könnte.

So schreibt der damalige BMF-Generalsekretär und Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid im Mai 2017 an Blümel: „Bist du mit Österreich zufrieden? Helfen sie dir in Wien? Oder kann es besser werden – sag mir da Bescheid. Vor allem ob du einmal eine Umfrage brauchst. Wann kann ich dich morgen anrufen?“. Blümel, damals ÖVP-Wien-Chef, antwortet umgehend: Daaaaaaanke Thomas! 😊 reden wir morgen wege (gemeint ist wohl wegen, Anm. Red.) Österreich. Kann ab 10 jeder Zeit tel. Danke!!“

An anderer Stelle erweist „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak der ÖVP via Thomas Schmid den Chats zufolge einen Gefallen. Es geht um günstige Berichterstattung für Blümel. Sebastian Kurz gefällt das:

Blümel war in Wien angetreten, um die Partei wieder zu alten Wahlerfolgen zurückzuführen. Immerhin konnte die VP nach dem katastrophalen Ergebnis von 2015 (9,2 %) bei der Wahl im letzten Jahr um rund 11 Prozentpunkte zulegen. Der Bürgermeisteranspruch, den Blümel damals gestellt hatte, erwies sich letztlich aber als unrealistisch. Damit war auch der Plan, im Falle eines Wahlsieges von der Himmelpfortgasse ins Rathaus zu wechseln, hinfällig geworden.

(bp/wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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