Pünktlich zur Viennale 2021:

Das Wiener Gartenbaukino erstrahlt im neuen Glanz

Rechtzeitig zur Viennale 2021 erstrahlt das legendäre Wiener Gartenbaukino neu im alten Look der 60er Jahre. Die Wiedereröffnung soll die Aufbruchsstimmung in der heimischen Kinobranche signalisieren.

Wien, 11. Oktober 2021 | Der historische Backlash ist gelungen:  Nach sieben Monaten des Umbaus ist das seit 2018 unter Denkmalschutz stehende Ringstraßenlichtspielhaus aus 1960 rechtzeitig zum Beginn der Viennale am 21. Oktober fertig geworden. Und die rund 3,36 Millionen Euro für das Projekt scheinen gut investiert. Man sei jedenfalls im Budgetrahmen geblieben, hieß es.

Zurück zu den Wurzeln

Auch Kennerinnen und Freunde des Gartenbaukinos werden sich vermutlich schwertun, sofort mit dem Finger auf die Neuerungen deuten zu können. Denn vor allem überwiegt der Eindruck, dass das Gartenbaukino frisch geputzt wurde und nun die heute wieder geschätzte Ästhetik einer Nachkriegsgrandezza ausstrahlt. Schließlich lautete das inoffizielle Motto auch “Back to the 60s”, wobei Architekt Manfred Wehdorn für den Rückbau verantwortlich zeichnete.

So wurden etwa die Originaldeckenplatten ebenso rekonstruiert wie die Beleuchtungskörper des Foyers. Der monumentale, 325 Laufmeter große Vorhang wurde in fünf Teilen gewaschen – und strahlt nun wieder in Blutrot. “Gebt der Stadt Farbe”, sei hier der Leitstern gewesen, so Wehdorn. Die 736 Sitze des Gartenbaukinos wurden aufgepolstert und machen es wieder möglich, auch tagesfüllende Filme bequem zu genießen. Nicht zuletzt präsentiert sich auch die legendäre Bar nun in gänzlich neuer, beziehungsweise alter Stilistik.

Foto: APA

“Vorher von Kurzschluss zu Kurzschluss”

Abseits der sichtbaren Ästhetik galt es aber auch, das Augenmerk auf die technischen Aspekte hinter den Kulissen zu werfen. Die noch aus 1960 stammenden Lüftungs- und Sanitätsanlagen oder der Brandschutz musssten adaptiert werden. “Vorher war die Technik von Kurzschluss zu Kurzschluss geeilt”, machte Wehdorn die Ausgangslage deutlich.

Der seit 2008 amtierende Gartenbau-Geschäftsführer Norman Shetler umriss das Konzept eines gewissen Mittelwegs: “Wir wollten nicht zu sehr mit dem Zeitgeist arbeiten, der auch bald wieder vorbei ist. Und wir wollten nicht zu sehr in den Retrofetischismus gehen.”

Eine Liebeserklärung für die heimische Kinokultur

“Es ist ein Zeichen für die Kinokultur in Österreich”, streute Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) dem Projekt Rosen, das von Bundesseite mit 600.000 Euro unterstützt wurde. Die Stadt Wien indes trug zwei Mio. der 3,36 Mio. Euro Gesamtkosten. “Man kann unglaublich viel erreichen, wenn man gemeinsam zum richtigen Zeitpunkt aufs Gas steigt”, pries Stadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) die funktionierende Kooperation.

(Von links nach rechts) Geschäftsführer des Gartenbaukinos Norman Shetler, Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) und Architekt Manfred Wehdorn. Foto: APA

Zusätzlich lief mit “Gartenbaukino forever” eine von zahlreichen prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern flankierte Crowdfunding-Kampagne in Form von Sesselpatenschaften, die 260.000 Euro hereinspielte, wobei sich 2.200 Personen als Mäzene beteiligten. 450 Paten nutzten etwa die Option, sich für 360 Euro mittels Goldplakette auf einem Sessel mit Namen zu verewigen und Teil des Gartenbaukinos zu werden. In einem emotionalen Video wurde zuvor mit bekannten Persönlichkeiten, unter anderem aus der heimischen Filmszene, geworben. “Das ist eigentlich für Menschen, die das Kino lieben, eine Liebeserklärung”, so Kabarettist Peter Hörmanseder.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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