»Sowieso einstimmig«

Beschuldigter Kurz zu 100 Prozent als Klubobmann gewählt

Ein “großes Zeichen” nannte August Wöginger (ÖVP) die einstimmige Wahl von Sebastian Kurz als Klubchef. Wöginger ist jetzt sein Stellvertreter. Die einstimmige Wahl sei aber schon im Vorfeld “sowieso logisch” gewesen.

Wien, 12. Oktober 2021 | Der ÖVP-Parlamentsklub steht weiter geschlossen hinter Kurz. Am Montag wurde der von der WKStA beschuldigte Altkanzler, für den die Unschuldsvermutung gilt, einstimmig zum neuen Klubchef gewählt. Gegenüber dem „ORF“ sah der Tiroler Abgeordnete Franz Hörl keinen Nachrichtenwert in dieser Abstimmung: „Sowieso“ werde er „einstimmig“ gewählt, das sei „logisch“, sagte der Seilbahnabgeordnete im Vorfeld der Wahl.

Lob für Kurz

Der sichtlich aufgeregte Hörl sah das Problem im „ORF“ nicht beim beschuldigten türkisen Machtzirkel. Auf die Inseratenaffäre und die Chatnachrichten angesprochen, fragte er: „Was Chats? Warum kommen die überhaupt an die Öffentlichkeit?“ Um 19 Uhr war der Parlamentsklub am Montag zu einer vertraulichen Sitzung zusammengekommen.

Für Hörl hätte es gar keine Wahl gebraucht, das Ergebnis sei ohnehin schon davor klar gewesen. Reinhold Lopatka, Karlheinz Kopf und andere Abgeordnete gaben im Vorfeld ebenfalls bekannt, dass Kurz „selbstverständlich“ ihre Stimme habe. Wirtschatskammer-General Kopf lobte Kurz als „verlässlichen Partner“ der letzten Jahre. Mit dem „Schritt zur Seite“ habe er „Druck“ rausgenommen.

Aus der Hierarchie innerhalb der Volkspartei macht man kein Geheimnis. Auf Platz eins steht der Altkanzler. Der neue Kanzler kommt erst am fünften Platz, noch hinter Gabriela Schwarz, der stellvertretenden Generalsekretärin der Partei.

In dieser Reihenfolge präsentiert die Volkspartei ihr “Team”. Quelle: Screenshot dieneuevolkspartei.at

Wöginger sieht „großes Zeichen“

Auch die türkisen Regierungsmitglieder und der neue Kanzler Alexander Schallenberg nahmen an der Sitzung teil. Die Sitzung soll dann aber ungemütlich lange gedauert haben.

August Wöginger ist jetzt der Stellvertreter des Altkanzlers. Die Alltagsarbeit werde aber Wöginger und nicht Kurz machen. Die einstimmige, „geheime“ Wahl, sei für Wöginger „ein großes Zeichen der Einstimmigkeit und auch der Geschlossenheit“. Dies gebe Wöginger „Mut und Zuversicht“ für die Zukunft.

Auch Wöginger wurde mit 100 Prozent der Stimmen bestätigt. Im ÖVP-Klub fehlt es offenbar noch an abweichenden Stimmen.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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