Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen:

Kindergärtnerin vor Gericht

Im Burgenland soll eine Kindergärtnerin Schützlinge wiederholt mit Gewalt zum Essen gezwungen haben. Die Pädagogin bestreitet die Vorwürfe: Ihre Kolleginnen wollten sie loswerden.

Eisenstadt, 12. Oktober 2021 | Eine Kindergärtnerin aus dem Nordburgenland hat sich am Dienstag am Landesgericht Eisenstadt verantworten müssen, weil sie Kinder bei der Jause und beim Mittagessen mit Gewalt zum Essen gezwungen haben soll. Wenn sie nicht essen wollten, soll sie ihnen mit Daumen und Zeigefinger den Mund aufgedrückt und Essen hineingeschoben haben. Die 44-Jährige bekannte sich nicht schuldig. Sie sah in den Vorwürfen Mobbing ihrer Kolleginnen.

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt warf der Kindergarten-Pädagogin Nötigung und fortgesetzte Gewaltausübung vor. Von 2016 bis 2020 soll es immer wieder Vorfälle gegeben haben, bei denen sie die Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen, angeschrien und am Aufstehen gehindert haben soll. Die Angeklagte wies das zurück. “Ich habe die Kinder motiviert und gefragt, ob sie nicht noch abbeißen wollen und schon genug haben. Teilweise habe ich mich zu ihnen gesetzt, um sie zum Essen zu überreden”, sagte die 44-Jährige. Sie habe versucht, Kindern bei Schwierigkeiten mit Essen zu helfen. Für sie sei das etwas völlig Normales gewesen, betonte ihr Verteidiger.

Angeklagte beschuldigt Kolleginnen

Die Vorwürfe ihrer Kolleginnen könne sie sich nur damit erklären, “dass man mich dort nicht haben wollte”. Sie sei auch nie direkt darauf angesprochen oder dafür kritisiert worden, meinte die Kindergärtnerin. Zudem seien die Vorwürfe erst 2020 und damit Jahre nach den ersten angeklagten Vorfällen aufgekommen.

Die Kollegin, die mit der 44-Jährigen in einer Kindergartengruppe zusammenarbeitete, erzählte vor Gericht, dass die Kinder vor der Angeklagten teilweise Angst gehabt hätten. Ein Bub habe etwa schon vor dem Essen öfter erbrochen, andere hätten geweint und geschrien. Sie habe die Pädagogin auch darauf angesprochen, warum die Kinder essen müssen. Darauf habe sie geantwortet, dass Essen wertvoll sei und nicht weggeschmissen werden solle. Gemeldet habe sie das Verhalten der Angeklagten aber nicht, weil sie Angst um ihren Job gehabt habe.

(APA/red)

Im Laufe des Vormittags wurden die weiteren Kolleginnen der 44-Jährigen befragt. Ein Urteil wird für den Nachmittag erwartet.

Titelbild: APA Picturedesk

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