Suchtgift überschwemmt Kontinent

Europas Kokainproblem

In letzter Zeit häufen sich die Großfunde des weißen Suchtpulvers. Belgien und Niederlande gelten als Einfallstore. Eine österreichische Stadt schafft es derweil in die unrühmliche Koks-Top-15.

Rotterdam/Antwerpen/Kufstein, 16. Oktober 2021 | Der niederländische Zoll kommt nicht hinterher. Im Hafen von Rotterdam wurden binnen weniger Tage vier Lieferungen mit insgesamt 1,8 Tonnen Kokain entdeckt. Das erinnert an die letzten großen Sicherstellungen in etwa derselben Größenordnung vor den Küsten von Kolumbien und Großbritannien (beide datiert auf 2021).

Alleine in der Nacht auf Samstag wurden 520 Kilogramm Weißpulver in einem Container gefunden. Straßenverkaufswert: 39 Millionen Euro. Die Ware war zwischen einem als Viehfutter verwendeten Restprodukt von Rohrzucker versteckt. Eigentlich sollte der aus Brasilien kommende Container nach Großbritannien geliefert werden. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen noch.

Koksflut von allen Seiten

Die organisierte Kriminalität nutzt neben Hamburg vermehrt die Häfen von Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande). Das geht aus einem Europol-Bericht hervor, der die zwei Benelux-Länder als neue Einfallstore für Kokain nach Europa sieht. Als weitere Umschlagsplätze gelten Spanien und der Balkan.

Einen Hinweis auf Europas Koksproblem gibt auch eine aktuelle Top-15-Statistik des Portals „Statista.com“. Diese misst die 15 Städte in Europa mit den meisten Kokainrückständen im Abwasser für das Jahr 2020. Darunter befindet sich mit Kufstein auch eine österreichische Stadt. Demnach sind dort 404,04 Milligramm Koks je 1.000 Einwohner pro Tag festgestellt worden. Kufstein liegt damit nur knapp hinter Paris mit 410,28 (Spitzenreiter Antwerpen hält bei 1.174,88). Welche der genannten Städte eher Konsumhochburgen und welche eher Umschlagsplätze sind, geht aus der Statistik nicht hervor. Unter letzteren befinden sich wohl vor allem Hafenstädte.

Blutige Kriege: Euro-Mafia wittert Chance

Laut Europol wird Europa regelrecht überschwemmt. In den vergangenen Jahren ist das Angebot deutlich gestiegen, heißt es in dem alarmierenden Bericht. Grund: das Friedensabkommen zwischen der Ex-Guerillatruppe FARC und der kolumbianischen Regierung aus 2016 hat unappetitliche Folgen. Jetzt kämpfen mehr Splittergruppen denn je um die Kontrolle der Produktion und des Handels von Kolumbien aus – dem globalen Koksursprung.

Der Wettbewerb führt zu blutigen Kriegen, aber auch zu mehr Angebot. In Europa nutzen Mafiabanden das Machtvakuum und umgehen vermehrt die zerstrittenen Zwischenhändler. Abnehmer gibt es genug: Europol spricht von 4,4 Mio. Konsumenten der Ego-Droge in Europa in 2020.

(wb/apa)

Mehr zum Themenkomplex auf ZackZack:

https://zackzack.at/2021/10/15/kokainhandel-in-wiener-lokal-25-jaehriger-festgenommen/

https://zackzack.at/2021/09/28/drogenparty-ho-hat-gelogen-und-informierte-kurz/

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Titelbild: APA Picturedesk

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