Thomas Schmid setzte WIFO unter Druck

Neben dem Institut für Höhere Studien (IHS) übte die türkise Familie auch auf das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) Druck aus. Thomas Schmid drohte mit einer Kürzung der Gelder.

Wien, 18. Oktober 2021 | Die türkise Familie übte auch auf das marktliberale Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) Druck aus. Das bestätigt der scheidende Chef Christoph Badelt in der aktuellen Ausgabe des “profil”. EX-ÖBAG-Chef Thomas Schmid drohte im August 2017 mit Kürzungen.

Weniger Geld

“Bei einem Mittagessen hat mir Thomas Schmid sehr rüde eröffnet, dass das Finanzministerium die Wifo-Grundsubvention um eine Million, also um ein Viertel, kürzen wolle”, sagt Badelt zum “profil”. “Ich war davon völlig überrascht und wirklich wütend. Ich war erst kurz Wifo-Chef und dachte mir, ich bin sicher nicht der, der das Wifo finanziell zu Grabe trägt und habe mit meinem Rücktritt gedroht”, schildert der Wirtschaftsprofessor.

Schmid, damals Generalsekretär im Finanzministerium sagte demnach, dass es im Finanzministerium eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Wifo gebe und generell gekürzt werden müsse.

“Ich hatte den Eindruck, es ging nicht darum, eine bestimmte politische Linie durchzusetzen, sondern einfach zu zeigen, wer die Macht hat”, so Badelt weiter. Die Kürzung der Wifo-Mittel verlief letztlich im Sand, auch weil das türkise Vorhaben publik wurde. “Das war ja die Zeit des Wahlkampfs, und ich habe vermutet, dass die das Thema nicht öffentlich haben wollten”, und: “Ich glaube, die haben wirklich befürchtet, ich trete zurück.”

Keine inhaltlichen Beschwerden

Badelt wird in den Chats als “Wendehals” bezeichnet. Inhaltlich sei ihm aber nicht dreingeredet worden, betont Badelt im “profil”. Das ist nicht besonders verwunderlich, das Wifo gilt als wirtschaftsliberal. Der neue Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sitzt etwa im Beirat eines Instituts, das von der Industriellenvereinigung gegründet wurde.

Damit tauchen beide großen Wirtschaftsforschungsinstitute Österreichs in den Chats des türkisen Zirkels um Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf. Über den damaligen Chef des Instituts für Höhere Studien schrieb Schmied: “Kocher bringe ich noch auf Linie. IHS von BMF finanziert”. Martin Kocher wechselte 2021 als Arbeitsminister in die ÖVP-Regierungsmannschaft.

Auch heuer gab es im September Wirbel um die Finanzierung von Wifo und IHS. Im Raum stand eine Kürzung der Basisfinanzierung durch die Nationalbank (OeNB). Der designierte IHS-Chef Lars Feld hatte deshalb verlangt, dass zuerst die Finanzierung des Instituts geklärt werde, ehe er seinen Vertrag unterschreibt. Feld hätte seinen neuen Posten am 1. Oktober 2021 antreten sollen. Zuletzt zeigte er sich aber zuversichtlich, dass die Einigung bis November unter Dach und Fach ist.

(ot/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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