Nach schlechten Umfragewerten

Kurz: »Eure Umfragen sind gefälscht, das weiß ohnehin jeder«

Am Donnerstag gab „heute“-Chefredakteur Christian Nusser Einblicke, wie Altkanzler Sebastian Kurz mit schlechten Umfragewerten umging – überhaupt nicht gut.

 

Wien, 21. Oktober 2021 | Es ist wohl kein Geheimnis, dass dem ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Umfragen besonders wichtig sind. Der Chefredakteur der „heute“-Zeitung, Christian Nusser, zeigte das am Donnerstag in seinem Newsletter noch einmal besonders auf. Kurz habe eine „Obsession“ gehabt, was Umfragen betrifft, „die er geschickt hinter gespielter Beiläufigkeit verbarg.“ Im Vordergrund seiner Obsession seien vor allem seine eigenen Werte gelegen, nicht die der Volkspartei. Die „heute“ fragt im Politbarometer in regelmäßigen Abständen ab, ob Regierungsmitglieder und Parteivorsitzende in den letzten 14 Tagen positiv oder negativ auffielen. Kurz, dem Umfragen nach außen hin angeblich egal sind, konnte die Werte “seltsamerweise auswendig aufsagen (…), sogar mehrere Monate zurück. Primär seine eigenen”, so Nusser.

„Eure Umfragen sind gefälscht, das weiß ohnehin jeder.“

Kurz war jahrelang an der Spitze des Politbarometers gestanden. Doch 2020 verlor er seinen Spitzenplatz kurzzeitig an SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, dann längerfristig an Gesundheitsminister Rudolf Anschober – und schließlich an dessen Nachfolger Wolfgang Mückstein (beide Grüne). Ein Kurz-Abstieg ohnegleichen sollte folgen. Mittlerweile hat Kurz die schlechtesten je gemessenen Werte – laut Peter Hajeks Politbarometer. Die fallenden Werte sind dem Ex-Kanzler naturgemäß aufgefallen. Kurz soll dies, so Nusser, gar nicht gut aufgenommen haben. Der “heute”-Printchef schreibt: „Die negativen Bewertungen für Kurz stiegen und in unserem letzten Gespräch war es mit der Beiläufigkeit vorbei, er sagte mir direkt ins Gesicht: ‘Eure Umfragen sind gefälscht, das weiß ohnehin jeder.’“

“Welcher Trottel?”

Nusser schilderte Hajek, was der Ex-Kanzler von sich gegeben hatte. Der Meinungsforscher sei demnach „recht flott bis zu den Haarwurzeln empört“ gewesen. Hajek suchte daraufhin offenbar den Kontakt zu Kurz´ Medienbeauftragten, Gerald Fleischmann. Mit den Rohdaten im Gepäck, marschierte Hajek ins Kanzleramt und stellte Fleischmann vor vollendete Tatsachen, schreibt Nusser. Jeder Wert der Umfrage habe 13 Kommastellen. Hajek soll Fleischmann die Zahlen gezeigt und daraufhin gefragt haben: „Welcher Trottel macht sich die Mühe, 13 Kommastellen zu fälschen?“ Fleischmann meldete sich laut Nusser in Folge nie wieder wegen schlechter Umfragewerte bei der „heute“.

Auch ein Mitarbeiter von „Österreich“ soll sich einmal bei Hajek gemeldet haben, als die Politbarometer-Werte des Bundeskanzlers den Sinkflug antraten. Er fragte: „Wieso liegen bei uns alle Politiker ungefähr so wie in ,Heute‘, nur Kurz nicht?“  Die „heute“ habe „Österreich“ deshalb angeboten, an einem neutralen Ort vor einer neutralen Person die Rohdaten offenzulegen. Von “Österreich” sei daraufhin keine Antwort mehr gekommen.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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