Angriff von Hacker-Gruppe Anonymous:

Trumps »Truth Social« jetzt schon gehackt

Weil er von allen Sozialen Netzen verbannt wurde, will der ehemalige US-Präsident Donald Trump seine eigene Plattform auf den Markt bringen. Doch nur Stunden nach der Ankündigung wurde die Online-Plattform vom Hacker-Kollektiv Anonymous besetzt.

New York, 22. Oktober 2021 | Erst am Mittwochabend kündigte der ehemalige US-Präsident Donald Trump seine neue Social Media-Plattform „Truth Social“ an. Es soll ein Twitter-ähnliches soziales Netzwerk sein, das „der Tyrannei von Big Tech standhalten“ würde, sagte der Republikaner in einer Erklärung. Auserwählte Nutzer sollen die Plattform bereits im November testen dürfen.

Doch schon jetzt hatten sich Hacker innerhalb von nur zwei Stunden Zugang zu der privaten Version des sozialen Netzwerks verschafft und gefälschte Konten für Trump und seine engen Vertrauten erstellt. Wie „The New York Times“ berichtet, wurden falsche Profile erstellt, um das Netzwerk mit Schwindeleien zu fluten. Unter der Verwendung eines falschen “Donaldjtrump”-Kontos veröffentlichten die Hacker Bilder von Schweinen, die gerade ihre Notdurft verrichten. Auf anderen Social-Media-Plattformen kursierten Bilder von der Handarbeit der Hacker.

„Online Krieg gegen Hass“

In Interviews mit lokalen Medien erklärten die Hacker, die mit Anonymous, einem Hacker-Kollektiv, verbunden sind, die Bemühungen seien Teil ihres “Online-Kriegs gegen Hass”. Nach einer mehrjährigen Pause ist Anonymous als digitale Kraft gegen Rechtsextreme wieder aufgetaucht. Das Kollektiv hat kürzlich eine republikanische Website in Texas nach der Verabschiedung eines Gesetzes gegen Abtreibung deaktiviert und die Website durch eine Spendenaktion für “Planned Parenthood” (dt. “Geplante Elternschaft”, eine NGO, die sich unter anderem auch um Schwangerschaftsabbrüche kümmert) ersetzt. Letzten Monat steckte Anonymous hinter einem Verstoß gegen Epik, ein bei der extremen Rechten beliebtes Internetdienstleistungsunternehmen, das 220 Gigabyte an Daten, einschließlich personenbezogener Daten seiner Kunden, abgab.

„Truth Social“-Code offenbar geklaut

„New York Times“ zufolge fiel dabei ein interessantes Detail an „Truth Social“ auf: Der Code des sozialen Netzwerks dürfte geklaut sein. Er erinnere verblüffend an den Quellcode der auf Privatsphäre bedachten Open-Source-Twitter-Alternative „Mastodon“. Deren Quellcode darf zwar von jedermann genutzt und weiterentwickelt werden, aber nur unter der Bedingung, dass die Herkunft des Codes ausgewiesen und die modifizierte Version wieder als Open-Source-Code angeboten wird.

Bei Trumps „Truth Social“ nutzt man den Mastodon-Code allerdings, ohne auf den Ursprung hinzuweisen. Tatsächlich behaupten die Macher des Trump-Netzwerks sogar, es handle sich um „proprietären Code“ – also um ein Firmengeheimnis. Mastodon-Gründer Eugen Rochko will sich das laut dem Online-Magazin „Vice“ nicht gefallen lassen und kündigte bereits an, rechtliche Schritte gegen „Truth Social“ einleiten zu wollen.

Indem Anonymous den Code von „Truth Social“ bereits vor der Veröffentlichung enthüllen konnte, zeigten die Hacker, dass das soziale Netzwerk von Trump sehr durchlässige Sicherheitsvorkehrungen habe und jedem Nutzer die Möglichkeit offenließ, jeden zu fälschen, einschließlich den ehemaligen US-Präsidenten.

(jz)

Titelbild: Pixabay/APA Picturedesk

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