Warnstreiks kommen

Metaller: 60 Stunden arbeiten und kaum Lohnerhöhung

Von Strache und Kurz für “Ausnahmen” eingeführt, soll die 60-Stunden-Arbeitswoche für die Metaller nun zur Regel werden. Auch Lohnerhöhung gibt es kaum. Jetzt sind Warnstreiks angekündigt.

Wien, 22. Oktober 2021 | Mickrige Lohnerhöhung und knall harte Forderungen bei den Arbeitsbedingungen. Nach sechs Stunden haben die Metaller-Gewerkschafter die dritte Verhandlungsrunde abgebrochen. Nur 2,1 Prozent Lohnerhöhung wird vonseiten der Arbeitgeber angeboten. Die Gewerkschaft forderte 4,5 Prozent. Noch dazu beharren die Arbeitgeber auf ihre Forderungen nach ausgedehnter Sonntagsarbeit und einer 60-Stunden-Woche. Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf.

Türkis-Blaue 60-Stunden-Wochen für Metaller

Die Forderungen der Arbeitgeber zur exzessiven Ausweitung der Arbeitszeiten werden hingegen aufrechterhalten – dazu zählen die ganzjährige Ausdehnung der Sonntagsarbeit und der 60-Stunden-Woche, was unter anderem das Wegfallen von Überstundenzuschlägen zur Folge hätte. In 20 Wochen im Jahr soll 60 Stunden gearbeitet werden, außerdem fast jeden Sonntag.

Möglich sind diese Forderungen nur aufgrund des Gesetzes zum 12-Stunden-Arbeitstag, das von Türkis-Blau beschlossen wurde. Damals meinten Kurz und Strache, die Regelung solle nur „in Ausnahmefällen“ genutzt werden. Jetzt will sie die Metallindustrie als Regel.

“Eine derartige Unverschämtheit muss selbst bei Unternehmern und Managern der Branche ein ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen. Die Beschäftigten sind jedenfalls zornig und kampfbereit”, sagt Chefverhandler Rainer Wimmer in einer Aussendung. Trotz „vollen Auftragsbüchern und Gewinnen“ fordere die Metalltechnische Industrie „eine ganze Latte an Verschlechterungen“.

„Verhöhnung“

Das „beschämende“ Angebot vonseiten der Industrie sei eine „Verhöhnung“ der Arbeiter. Nun stehen die Zeichen auf Arbeitskampf, denn das sei „keine Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe“. Ab 27. Oktober werde die Arbeit zu Betriebsversammlungen unterbrochen. Es sollen Beschlüsse für Warnstreiks getroffen werden. Bis dahin werden die Betriebsräte die Arbeiter über die Situation informieren. Anfang November könnten dann Warnstreiks folgen, die Verhandlungen sind nun einmal unterbrochen.

Der Mindestlohn in der Metallindustrie liegt bei 2.000 Euro brutto pro Monat. Der Durchschnittslohn betrage laut Industrie 3.125 Euro. Im Handel, der am Donnerstag seine erste KV-Verhandlungsrunde (ZackZack hat berichtet) ohne Ergebnis abgeschlossen hat, liegt der Mindestlohn bei 1.740 Euro brutto. Die Gewerkschaft fordert eine deutliche Erhöhung.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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