Waldbrand im Rax-Gebiet

Sorge vor Wind und »Düseneffekt«

Es sei “der größte Waldbrand, den es je in Österreich gab”, erklärte der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos Niederösterreich am Dienstag. 300 Einsatzkräfte kämpfen nach wie vor gegen die Ausbreitung des Feuers rund um die Rax.

Hirschwang an der Rax, 27. Oktober 2021 | Bei dem riesigen Waldbrand in Hirschwang in der Marktgemeinde Reichenau a.d. Rax (Bezirk Neunkirchen) bereitet den Einsatzkräften nun starker Wind große Sorge, der für morgen, Donnerstag, prognostiziert ist. Ein Überspringen der Flammen auf die Rax gelte es unbedingt zu verhindern, sagte Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando zur APA.

Bild: APA

Brand bereits über 100 Hektar groß

Es würden nunmehr Großtanklöschfahrzeuge mit Wasserwerfern in Stellung gebracht, kündigte der Sprecher am Mittwoch in der Früh an. Der Wald soll feucht gehalten werden. 300 Feuerwehrleute seien wieder aufgeboten. Auch Hubschrauber des Bundesheeres und der Polizei werden bei den Löscharbeiten neuerlich zum Einsatz kommen. Das Feuer, das sich zum laut Resperger “größten Waldbrand, den es je in Österreich gab”, entwickelt hat, war am Montag ausgebrochen. Die Flammen breiteten sich extrem rasch aus – innerhalb von zehn Stunden von fünf auf mehr als 100 Hektar. Aus dem betroffenen Gebiet stieg auch am Mittwoch weiterhin starker Rauch auf, sagte Resperger. Positiv sei, dass es in der Nacht keinen Wind gegeben habe.

Ein Polizeihubschrauber im Löscheinsatz (Bilder: APA)

300 Einsatzkräfte im Einsatz

Am Mittwoch äußerten sich zudem Verantwortliche des Einsatzes in einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage.

Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf informierte, dass momentan „300 Einsatzkräfte unter gefährlichsten Bedingungen im Einsatz sind. Es sind Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren, Bergrettung sowie sechs Fluggeräte von Polizei und Bundesheer im Einsatz.“ Die Lage sei sehr kritisch und angespannt, die Ausbreitung wird verhindert, aber der Brand sei laut Pernkopf noch lange nicht unter Kontrolle. „Die Kräfte der Natur sind stark, aber auch die Kräfte der Einsatzkräfte sind unglaublich stark. Dafür ein herzliches Dankeschön.“

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner sagte: „Wir müssen derzeit schauen, dass wir den Brand eindämmen können. Die Lage ist noch nicht unter Kontrolle. Unsere größte Gefahr wird sein, dass die nächsten Stunden eine grobe Änderung der Wetterlage bringen. Wir sind dran, Brandüberschläge auf andere Gebiete zu verhindern.“ Gerade für den Waldbrand sei seine Mannschaft bestens ausgerüstet, dennoch, so Fahrafellner: „Es ist hier für uns sehr gefährlich, weil es immer wieder zu Felsstürzen kommt. Darum haben wir vor Ort unseren Medizinischen Dienst mit Notarzt hier, wenn wir unsere Kräfte in unwegsamen Gelände versorgen müssen.“

Forstdirektor warnt vor “Düseneffekt”

Auch der Forstdirektor der Stadt Wien, Andreas Januskovecz, warnte vor dem Wind in den nächsten Tagen: “Wir haben ein Überschlagen des Waldbrandes über das Höllental Richtung Rax zu verhindern. Wenn der Wind wie prognostiziert in den nächsten Stunden Richtung Rax hineingeht, haben wir dort einen Düseneffekt. Das Höllental wird enger, der Wind wird dadurch stärker und diese Düse facht das Feuer stark an. Die Gefahr, die besteht, ist, dass der Waldbrand, der derzeit auf der Schneeberg-Seite ist, überspringt auf die Rax-Seite.” In beiden Bereichen seien die Verhältnisse sehr schwierig und nicht bzw. kaum begehbar. Talauswärts habe sich der Brand in den letzten Stunden ausgebreitet, dort seien die Verhältnisse aber besser, denn dort “haben wir Forststraßen und können das Gelände teilweise begehen.”

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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