Mit Silikon gegen die Einsamkeit

Das Geschäft mit den Sexpuppen

Mit seinen täuschend echt aussehenden Sexpuppen bedient Josef Le in Wien einen Nischenmarkt. Was können die Figuren aus Silikon? Und wer kauft sie?

Wien, 03. November 2021 | Die Vorstellung, mit einer Puppe Sex zu haben oder gar eine Beziehung mit ihr zu führen, ist für viele Menschen absurd. Doch es gibt einen Markt für lebensechte Figuren aus Silikon. Josef Le, Gründer der Firma “Companion”, startete 2017 mit dem Verkauf seiner “Real Dolls”. Er brachte das Geschäft, das in China und anderen asiatischen Ländern schon seit vielen Jahren läuft, nach Europa.

Zu Gast im Sexpuppen-Schauraum

Wir besuchen Le in seinem Schauraum in Wien Heiligenstadt. Hier empfängt er nach Terminvereinbarung seine Interessenten und Kunden. Auf einem schwarzen Ledersofa sitzt eine täuschend echt aussehende Puppe. Auf einem Massagetisch daneben eine zweite, kleinere Version. “Das ist unser leichtestes Modell, viele unserer Kunden unterschätzen das Gewicht unserer Dolls. Da sich manche schon beim Heben der Puppe verletzt haben, raten wir vor allem älteren Kunden, die leichtere Version zu nehmen”, so Le.

Wimpern, Augenbrauen, Adern – Josef Le’s Puppen strotzen nur so vor Details (Bild: ZackZack)

“Sex steht nicht immer im Vordergrund”

Aber wer sind die Menschen, die sich eine solche Puppe kaufen? Die Gründe für die Anschaffung sind vielfältig, und nicht immer sexueller Natur, erklärt der Sexpuppenverkäufer. Vielmehr seien es die vielen Sehnsüchte, die sie dadurch ausleben können, andere wiederum seien schlicht Sammler. Le setzt sich auf die Couch neben die Puppe und beginnt, einige Geschichten seiner Kunden zu erzählen.

Da wäre zum einen der Mann, der sich unsterblich in seine verheiratete Arbeitskollegin verliebt hat und nun ein Abbild aus Silikon von ihr daheim sitzen hat. Oder der Witwer, der sich seine verstorbene Frau bei “Companion” nachbauen ließ und nun mit seiner Trauer besser zu Recht kommt. Ein reicher Russe hätte sich gleich einen ganzen Harem bei ihm bestellt. Für gleich sechs solcher Puppen ließ er über 100.000 Euro springen.

Doch es müssen nicht immer menschliche Nachbildungen sein. Unlängst sei ein Mann zu ihm gekommen, der ein Abbild von Aayla Secura, einer Alien-ähnlichen Figur aus Star Wars, haben wollte. “Auch diese Wünsche versuchen wir natürlich zu erfüllen, diese sind aber mit einem erheblichen Aufpreis verbunden”, so der Unternehmer.

Der Markt für Sexpuppen wächst. Auch weil sie immer realistischer werden, meint der Unternehmer (Bild: ZackZack)

Touch-Sensoren, Gesichtsmimik, Wärmefunktion

Auf seinem PC zeigt uns der Sexpuppenverkäufer weitere Modelle, die in China produziert und bei ihm bestellt werden können. Standard-Modelle beginnen bei 1.500 Euro, Einzelanfertigungen beginnen im fünfstelligen Bereich: “Alleine die Nachmodellierung eines Gesichts kostet 10.000 Euro.” Gegen Aufpreis werden auch Schwitz- und Wärmefunktionen eingebaut. Bei den teuren “Robo-Dolls” kommen Touch-Sensoren und Sound-System hinzu. Wie viele Puppen er monatlich verkauft, will er nicht verraten. Das Geschäft laufe aber gut, vor allem die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns hätten die Nachfrage steigen lassen. Und eines sei laut Le klar: “Wer einmal mit Puppen begonnen hat, der kommt wieder.”

Wem die Puppen zu teuer sind, der kann sie auch in ausgewählten Wiener Laufhäusern “testen”. Diese waren Le’s erste Kunden. Nach wie vor vermietet er einige der Damen aus Silikon an solche Einrichtungen. “Die Leute zahlen dort wie für eine echte Frau einen Stundentarif. Wenn es ihnen gefällt, kommen sie wieder zu mir und legen sich eine eigene zu.”

Gibt es auch männliche Sexpuppen bei ihm zu kaufen? “Ja die gibt es. Wir arbeiten gerade wieder an einer neuen Produktion und hoffen, dass wir im nächsten Jahr damit starten können. Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.”

Im folgenden Video erfahren Sie noch mehr über das Sexpuppen-Geschäft:

(mst)

Titelbild: ZackZack

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