Überschwemmungen plagen Kanada

Notstand ausgerufen

In der westkanadischen Provinz British Columbia führen schwere Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Die Regierung ruft den Notstand aus und setzt die Luftwaffe zur Evakuierung der Flutgebiete ein.  

Wien, 18. November 2021 | Über 1.000 Bewohner der westkanadischen Provinz British Columbia befinden sich auf der Flucht vor den sintflutartigen Regenfällen, von denen die Provinz seit vergangenem Wochenende betroffen ist. Heute hat die Regierung für die Region den Notstand ausgerufen.

Befürchtungen über Verzögerungen in der Lieferkette hat die Bevölkerung zu Panikkäufen veranlasst. Die leergefegten Supermarktregale betrachtet der Premier von British Columbia mit Sorge und ruft die Bevölkerung dazu auf, keine Lebensmittel zu horten.

Sturm des Jahrhunderts

Seit Beginn der Woche hat sich die Lage so zugespitzt, dass die Regierung mithilfe der Luftwaffe besonders betroffene Regionen evakuieren muss, erklärte der Minister für öffentliche Sicherheit Bill Blair auf Twitter. Eine Frau kam bereits ums Leben und drei weitere Menschen werden nach Polizeiangaben vermisst. Mehrere Hauptverbindungsstraßen und eine Bahnverbindung nach Vancouver musste gesperrt werden. Laut dem Verkehrsminister handelt es sich bei dem Unwetter um „den schlimmsten Sturm seit einem Jahrhundert“.

Zusammenhalt in der Bevölkerung

Am stärksten ist die Kleinstadt Merritt betroffen. Die Pegelstände seien laut örtlichen Medien zwar gesunken, aber es gäbe immer noch kein Trinkwasser und kein funktionierendes Abwassersystem. Es könnte bis zu einer Woche dauern, bis die Häuser wieder bewohnbar sind und der Zugang in die Stadt möglich ist, da auch die drei Hauptbrücken, die in die Stadt führen, nicht mehr befahrbar sind.

Zu den am stärksten betroffenen Gebieten gehört auch Abbotsford, eine der flächenmäßig größten Städte der Provinz, die etwa zur Hälfte aus landwirtschaftlichen Betrieben besteht. Landwirte und Anwohner versuchten fieberhaft, ihr Vieh zu retten, als das Wasser über die Köpfe der Tiere stieg und setzten sogar ein Luftkissenboot ein, berichtete CNN. Die Farmer setzten ihr eigenes Leben aufs Spiel, um die Tiere zu retten, während die Stadt evakuiert wurde. Dutzende von Menschen benutzten Halfter und kleine Motorboote, um die verängstigten Rinder in Sicherheit zu bringen und luden sie dann auf größere Anhänger.

„Das ist eine Katastrophe.”, sagte Henry Braun, Bürgermeister von Abbotsford, als er die verzweifelten Bemühungen um die Rettung der Kühe beobachtete. „Wenn ich Kälber sehe, die unter Wasser sind und man sie in die Boote wirft, um sie zu retten, bricht es mir einerseits das Herz.”, sagte er. „Andererseits bin ich beeindruckt, wie unsere Landwirte zusammenhalten und sich gegenseitig helfen.” Viele der Bauernhöfe liegen in der Sumas Prairie, die durch die Trockenlegung eines Sees vor fast einem Jahrhundert entstanden ist und stark überflutet wurde, als der Sumas River in der Nacht über die Ufer trat.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

3 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare