Druck auf China wegen verschwundener Sportlerin steigt

Von der Tennisspielerin Peng Shuai fehlt nach MeToo-Vorwürfen gegen einen hochrangigen chinesischen Politiker jede Spur. Die internationale Damentennis-Organisation droht nun mit harten Konsequenzen.

Wien, 19. November 2021 | Anfang November veröffentlichte der chinesische Tennisstar Peng Shuai auf der Kurznachrichten-Plattform „Weibo“ einen Beitrag, in dem sie dem ehemaligen chinesischen Vizepräsidenten Zhang Gaoli sexuelle Belästigung vorwarf. Binnen Minuten wurde der Beitrag gelöscht und seitdem ist die 35-jährige von der Bildfläche verschwunden. Die chinesische Regierung weigert sich eine Stellungnahme abzugeben und die Vorwürfe aufzuklären.

Der Chef der Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen (WTA) Steve Simon droht mit einem kompletten Rückzug der Damentennis-Tour aus China, wenn es zu keiner Aufklärung der Geschehnisse kommt.

Außereheliches Verhältnis seit zehn Jahren

Als erste Frau, die einen hochrangigen Politiker der Kommunisten-Partei Pekings in einen MeToo-Skandal verwickelt, lenkte Peng viel Aufmerksamkeit auf sich. Um die Verbreitung des Skandals zu verhindern, zensurierte die chinesische Regierung im Internet nicht nur die Suchergebnisse des Namens der Tennisspielerin sondern zeitweise sogar die des Wortes „Tennis“. In dem inzwischen gelöschten Beitrag, der an den 75-jährigen Politiker adressiert war, sprach Peng von dem außerehelichen Verhältnis, das vor zehn Jahren entstanden ist. Da sei sie zum ersten Mal von ihm missbraucht worden. Als er in seinem Rang aufstieg, habe er sie nicht mehr kontaktiert, bis er sie vor drei Jahren zu sich nachhause einlud und sie anschließend wieder missbrauchte, so Peng in ihrem Beitrag.

„Ich habe an diesem Nachmittag nie eingewilligt und die ganze Zeit geweint.“

Dubiose Mail erhöht Skepsis

Nach dem Verschwinden der Sportlerin veröffentlichte das Regierungsmedium „China Global Television Network“ ein E-Mail, die vermeintlich von Peng an den WTA-Chef geschickt wurde. Darin versicherte sie, dass sie in Sicherheit sei und zog ihre Anschuldigungen zurück. „Die Nachrichten in dieser Veröffentlichung, einschließlich des Vorwurfs der sexuellen Nötigung, sind nicht wahr. Ich werde weder vermisst, noch bin ich in Gefahr. Ich habe mich einfach zu Hause ausgeruht.“, hieß es in der Nachricht.

Für WTO-Chef Simon warf die E-Mail jedoch mehr Fragen als Antworten auf und erhöhte seine Skepsis. Die Menschenrechtsorganisation „Chinese Human Rights Defenders“ erklärte, die Aussage dürfe nicht für bare Münze genommen werden.

Simon drohte am gestrigen Donnerstag in einem CNN-Interview mit einem kompletten Rückzug der Damen-Tennistour aus China, wenn die chinesische Führung den Fall nicht aufklärt. Die Vorwürfe in Bezug auf Peng seien “größer als das Geschäft”, sagte der Chef der WTA. „Frauen müssen respektiert und dürfen nicht zensiert werden.“

Kollegen besorgt

Tenniskollegen Pengs äußern auf Social-Media-Kanälen ebenfalls besorgt und fordern eine rasche Aufklärung. „Ich bin am Boden zerstört und schockiert über die Nachricht von meiner Kollegin Peng Shuai. Ich hoffe, sie ist in Sicherheit und wird so bald wie möglich gefunden. Dies muss untersucht werden, wir dürfen nicht schweigen. Ich sende ihr und ihrer Familie in dieser unglaublich schwierigen Zeit viel Liebe.“, so der US-Tennisstar Serena Williams auf Twitter. Mehrere Tennisstars schlossen sich dem Hashtag #whereispengshuai an. Nach den ATP-Finals in Turin kommentierte der deutsche Tennisspieler Alexander Zverev den Vorfall: „Wir sprechen hier nicht von einem Tennismatch, wir sprechen von einem Menschenleben.“

 

(nb/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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