Nach der großen Demo:

Geht´s scheissen!

Wien, 21.11.2021. Die große Demonstration in Wien hat gezeigt: Das Regime „Kurz“ hat die Kontrolle verloren. Jetzt geht es um klare Entscheidungen und ein Angebot an die Regimekritiker auf der Straße. Die Alternative heißt „Kettenreaktion“ und eine unnötige Chance für Kurz.

 

40.000. Gibt es in Österreich so viele Neonazis, Antisemiten, völkische Spinner und Verschwörungs-Verschwörer, die bereit sind, gemeinsam auf die Straße zu gehen? Sicher, ganz vorne sind die ganz Rechten marschiert. Radikale Gruppen haben Journalisten und Polizisten attackiert. Aber sehr viele waren „normale Menschen“. Das ist eine schlechte Nachricht, weil sie uns eines sagt: Das, was wir immer für die Ränder unserer Gesellschaft gehalten haben, ist mitten unter uns angekommen.

Aber was ist „das“ und wer sind „die“? Eine deutsche Studie kommt zum Schluss, dass überall dort, wo die AfD besonders stark ist, die COVID-Zahlen besonders hoch sind. Besonders viele Menschen sind in diesen Landkreisen doppelt infiziert, politisch und viral.

Aber das weist nur darauf hin, dass Impfskeptiker und Corona-Leugner Parteien wählen, die „gegen das System“ sind. Das können rechte Parteien wie AfD oder FPÖ, aber auch neue wie MFG sein. Bis vor kurzem hat auch die türkise ÖVP versucht, hier einen Fuß im Spiel zu halten.

„Geht´s scheißen!“

Wer eine Demo verstehen will, muss ihre Transparente lesen. Auf den großen, professionell vorgefertigten Stoffbahnen steht das, was gut organisierte Gruppen zur Massenmeinung machen wollen:

„Kontrolliert die Grenze – nicht euer Volk!“

„Großer Austausch, Great Reset – Stopp den Globalistendreck!“

Auf den kleinen, selbstgemalten Kartons steht das, was die Menschen denken:

„Nein zur Impfpflicht!“

„Unser Rechtsstaat braucht keine Ampel!“

„Wir möchten keine Diktatur, keine Zwangsimpfung – Wir wollen unsere Grundrechte wieder haben!“

„Diskriminierung für Impfverweigerer!“

„Es reicht! Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen!“

Auf einer der kleinsten Tafeln wird die Stimmung zusammengefasst: „Geht´s scheißen!“

Das klingt anders. Das sind nicht Parolen radikaler Gruppen, die in ihren Kellern wochenlang jeden sorgfältig gemalten Satz diskutierten. Das klingt wie „Wir sind das Volk“. Natürlich war das gestern nicht „das Volk“. Die Mehrheit des „Volkes“ geht impfen und trägt Masken. Aber das gestern war zumindest ein Dammbruch zum „Volk“. Die große Wiener Demo zeigt, dass sich etwas Entscheidendes geändert hat: Egal, ob die Menschen noch Masken oder schon Transparente tragen – immer mehr von ihnen haben das Vertrauen in die Politik verloren.

Der Faden reisst

Die Frage, was diese Menschen abstößt, ist leicht zu beantworten: Korruption und Lüge. Beides hat Sebastian Kurz mit seiner ÖVP auf die Spitze getrieben.

Im Regime „Kurz“ herrscht eine Grundüberzeugung: Die Menschen sind dumm. In der türkisen Familiensprache heißen sie „Pöbel“. Weil sie so dumm sind, glauben sie alles. Daher kann man ihnen alles erzählen:

  1. Die neue ÖVP ist gegen das System.
  2. Sie schützt das Volk.
  3. Sie bekämpft im Frühjahr 2020 erfolgreich die Pandemie.
  4. Sie belohnt die Fleißigen.
  5. Dann bekämpft im Herbst 2020 erfolgreich die Pandemie.
  6. Ihr Führer wird ständig von neidischen Netzwerken angegriffen.
  7. Trotzdem bekämpft er im Frühjahr 2021 erfolgreich die Pandemie.
  8. Alle beneiden Österreich um Sebastian Kurz.
  9. Im Sommer 2021 beendet er die Pandemie.
  10. Das System versucht noch immer…

Erst vor wenigen Wochen ist der türkise Faden mit dem Nachweis gefälschter Umfragen und einer gekauften Nationalratswahl gerissen. Seitdem versteckt sich Kurz gemeinsam mit seinem Fleischmann-Tool im Parlamentsklub der ÖVP und bestimmt von dort aus den Kurs der Regierung.

Das doppelte Pöbel-Spiel

Aber Kurz versteckt sich nicht nur vor der bewährt unabhängigen WKStA und den Journalisten, die ihre wiederentdeckte Unabhängigkeit ausgelassen ausleben. Er versteckt sich vor allem vor dem „Pöbel“.

Kurz und Fleischmann haben lange geglaubt, ein doppeltes Pöbel-Spiel spielen zu können. Wenn wenige Tausend radikale Corona-Leugner auf der Straße antisemitische Parolen brüllten, sorgte der Innenminister für ihren polizeilichen Schutz. In der Regierung wurden von Kurz und Schallenberg wirksame Maßnahmen gegen die 4. Welle bis zum Schluss blockiert. Erst als die Toten in Salzburger Spitalsgängen die türkise Propagandamaschine in Haslauers Stottern brachten, wurde der Versuch, auch die Impfgegner ins Propagandaboot zu holen, aufgegeben.

In der Not hat die türkise Familie einen neuen Kurs gesetzt: Die Impfgegner werden FPÖ und MFG überlassen. Schallenberg und Kurz schützen jetzt die wachsende geimpfte Mehrheit vor weiteren Maßnahmen. So soll auch bei der nächsten Wahl eine Mehrheit gegen Rot-Pink-Grün gesichert werden.

Aus unterschiedlichen Gründen werden Kurz, Fleischmann und Kickl auf Eskalation und Chaos setzen. Kickl lebt vom Chaos, und Kurz hat mit Nehammer die Chance, es mit einer letzten Lüge zu versuchen: „Schallenberg und Kogler können es nicht. Nur ich kann Österreich aus dem Chaos führen!“

Impfdamm und Angebot

Das ist das politische Spiel. Aber wer kümmert sich jetzt um die Menschen, die voller Angst und Wut gegen Lügen, Korruption, Überwachungsstaat und Impfzwang auf die Straßen gehen?

Wenn die politische Entwicklung mitten in einer Katastrophe außer Kontrolle gerät, geht es um den Punkt, an dem aus Protest und Empörung Mob und aus einer massiven Reaktion eine Kettenreaktion wird. Für diesen entscheidenden Punkt gilt eine dreifache Regel: Ruhe bewahren, nicht nachgeben und durch klare Entscheidungen und sachliche Information Vertrauen wieder gewinnen.

Die Entscheidung für die Impfpflicht ist gefallen. Jetzt geht es um seriöse sachliche Vorbereitung:

  • um klare Entscheidungen und nachvollziehbare Pläne
  • um präzise und vor allem rechtzeitige sachliche Information
  • und um offene und faire Debatten mit den Gesprächswilligen.

Neben dem Impfdamm gegen die Pandemie ist das Angebot an die Enttäuschten das Wichtigste. Am Anfang werden es nur wenige zögernd annehmen. Aber genau da entsteht neues Vertrauen und damit neuer Zusammenhalt.

Wien und Burgenland sind bereits auf diesem Weg. Wenn sie den Lockdown früher als die anderen beenden können, setzen sie ein wichtiges Signal. Dann ist nur noch ein Lockdown nötig: der für Kurz, Schallenberg und die ÖVP.

Titelbild: APA Picturedesk

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