Society-Reporterin in Medienbeirat

Dora Varro Kandidatin des Kanzleramts

Bisher war Dora Varro nur eingefleischten Kennern der österreichischen Medienszene ein Begriff. Nun sitzt die Journalistin seit Mitte November im Fachbeirat der RTR und vergibt somit Millionen an private und nichtkommerzielle Fernsehstationen. Dabei besitzt Varro selbst eine TV-Produktionsfirma.

Wien, 4. Dezember 2021 | Dora Varros Werdegang führte sie quer durch den deutschsprachigen Boulevard mit Stationen bei Österreich/Oe24, Krone und zuletzt als BILD-Korrespondentin, Reporterin und Kolumnistin. Nun sitzt Varro auch im Fachbeirat der RTR GmbH. Diese vergibt jährlich 20 Millionen Euro an private TV-Sender und weitere drei Millionen an nichtkommerzielle Stationen. Der Fachbeirat berät den Geschäftsführer bei Förderentscheidungen, seine Empfehlungen haben intern großes Gewicht.

Nun ist Varro allerdings nicht nur Mitglied im Fachbeirat, sondern besitzt mit der Varro Media GmbH auch eine Produktionsfirma. „Als eine Media GmbH produzieren wir natürlich diverse Inhalte (z.B. Portraits und tagesaktuelle Themen) für verschiedene Auftraggeber. Aber: Nie für eine Partei. Nie fürs Bundeskanzleramt. Nie für Ministerien oder für eine nachgelagerte Stelle von Ministerien”, sagt Varro auf Nachfrage. Für welche Medien ihre Firma produziert, bleibt unbeantwortet.

Sollte Varro für österreichische Privatmedien oder nichtkommerzielle produzieren, stellt sich die Frage der Vereinbarkeit mit ihrer Position im Fachbeirat, welcher Förderungen an eben genau diese Medien berät und bewertet. Die Letztentscheidung trifft zwar die Geschäftsführung, das Wort des Beirats ist nicht bindend, hat aber großes Gewicht.

Von Bundeskanzleramt angefragt

Formal ist der Bundeskanzler für Medien und damit Vorschläge an den Ministerrat zuständig. Alle drei Jahre muss der Fachbeirat der RTR bestätigt oder neu besetzt werden. Heuer gibt es zwei Änderungen im fünfköpfigen Gremium. Die eine ist eben Dorra Varro, die andere DDr. Krisztina Rozgonyi, MBA und Universitätsassistentin am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Wien. Rozgonyi wurde von den Grünen vorgeschlagen, Varro vom türkisen Koalitionspartner. Laut Varro hat sie sich für die Besetzung nicht selbst in Spiel gebracht, sondern wurde vom Bundeskanzleramt angefragt.

Wie man auf die Journalistin als Kandidatin gekommen ist, bleibt auf ZackZack-Nachfrage unbeantwortet. Man verweist lediglich darauf, dass alle fünf Personen einstimmig im Ministerrat von der Bundesregierung bestellt wurden.

Ganz so begeistert dürfte man bei den Grünen über die Wahl der ÖVP allerdings nicht sein. Man habe auf die mögliche Unvereinbarkeit aufgrund der Produktionsfirma von Varro hingewiesen. Dies sei von der ÖVP aber ignoriert worden, heißt es aus grünen Kreisen.

Ungewöhnlich scheint die Bestellung auch bei einem Blick auf die bisherigen Mitglieder des Fachbeirats. Seit seinem Bestehen 2010 ist Dora Varro die erste Journalistin, die in das Gremium berufen wurde. Den Beirat zur Privatrundfunkförderung leitet seit Entstehung Michael Holoubek (WU Wien), einer der wichtigsten Rundfunkrechtler Österreichs. Auch Philip Graf, Geschäftsführer der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer, ist seit 2010 dabei. Die anderen drei Positionen wurden abwechselnd von Personen aus dem Medien- und öffentlichen Recht und der Abteilung für Medienangelegenheiten des Bundeskanzleramts besetzt.

Bisherige Arbeit

Wie bereits erwähnt hat Varro ihre bisherige Karriere im Boulevard verbracht, einen Großteil davon mit Society-Berichterstattung. Am 1. Mai 2016 gab Wolfgang Fellner bekannt, dass Varro die Chefredaktion von Österreich unterstützen werde, zeitgleich übernahm sie laut Aussendung auch den Posten der Chefredakteurin des Fellner-Magazins MADONNA. Allerdings war sie auch für den ORF tätig. 2018 im Zuge der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs produzierte Varro mit der VoooP GmbH, deren Geschäftsführerin sie damals war, die zehnteilige Sendungsreihe „Europa backstage“. Diese wurde vom ORF-Redakteursrat heftig kritisiert, wie der Kurier Ende September 2018 berichtete. „Es herrscht großer Ärger in der Redaktion“, wird Dieter Bornemann in seiner Funktion als Redakteursvertreter zitiert. „Europa backstage hat nämlich die optische Anmutung eines journalistischen Magazins, der Inhalt entspricht aber nur einer unkritischen Belangsendung.“ Auch der Kurier lässt in seinem Artikel kein gutes Haar an der Sendung. „Da wurde Salzburg gelobt, die Polizei gelobt und Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sogar ‚geliebt‘. Selbst bei Ex-SPÖ-Chef Christian Kern war alles palletti“, wurde berichtet.

Außerdem heißt es in dem Text: „Dass Varros Bruder Mitglied des Kabinetts von Medien-Minister Gernot Blümel ist, muss nichts bedeuten.“

Daniel Varro ist auch heute (wieder) im Kabinett des mittlerweile zurückgetretenen Blümel tätig, er ist stellvertretender Kabinettschef. Dazwischen war er unter Finanzminister Hartwig Löger in dessen Kabinett tätig und sandte ihm im Jänner 2019 eine im Zusammenhang mit der Inseratenaffäre brisante Chat-Nachricht. ZackZack berichtete.

In ÖVP-Kreisen ist Dora Varro auch sonst gut vernetzt: Varro ist gut mit der Ehefrau von ÖVP-Großspender Alexander Schütz, der Herausgeberin des ÖVP-nahen “Exxpress”, Eva Schütz, befreundet.

(bp)

Titelbild: Andreas Tischler

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