Auffällige Preissprünge: Die wundersame Geschichte des »Alten Postamts«

Das „Alte Postamt“ ist ein polarisierender Koloss in Wien-Neubau. Die lange verwahrloste Immobilie stieg durch häufiges Weiterverkaufen ständig im Preis. Über Wertsteigerungen, personelle Verflechtungen und die Rückkehr eines Altbekannten:

Wien, 15. Dezember 2021 | Große Immo-Deals sind in Wien keine Seltenheit. Besonders, wenn es um enorme Wertsteigerungen innerhalb kürzester Zeit geht. Für sich genommen ist das noch nicht anrüchig, aber ein Muster, das genauerer Betrachtung lohnt.

Alte und neue Player am Markt

Der Immobilienmarkt der Hauptstadt ist reich an schillernden Akteuren. Einer davon ist Lukas Neugebauer, ein 29-jähriger Niederösterreicher mit einem „Faible für die Insignien der finanziellen Potenz“. So portraitiert das „Profil“ den Immo-Unternehmer, der ähnlich wie René Benko mit Dachgeschoßausbauten startete. Jetzt hat er ziemlich viel Geld. Mit dem Erwerb des ehemaligen Novomatic-Forums, in dem Altkanzler-Gastronom Martin Ho für das leibliche Wohl sorgen will, stieg Neugebauer in die Champions League auf. In der Branche war er vor dem Coup ein unbeschriebenes Blatt.

Ganz anders ist es bei Alireza A.N. Der iranisch-stämmige Immo-Dealer ist ein alter Bekannter. Besser gesagt war er das, seine Stade Immobilien Holding umfasste einst mehr als 100 Gesellschaften. Infolge “undurchsichtiger Geschäfte” rutschte sein Imperium Berichten zufolge in die Insolvenz. Das ist knapp zwölf Jahre her. Doch jetzt ist er zurück: ZackZack hat Belege, wonach Alireza A.N. bei der Wiener BBB Holding im Hintergrund mitmischt. Beim verlassenen Postamt im 7. Wiener Gemeindebezirk kreuzen sich die Wege Neugebauers und der BBB.

Auffällige Preissprünge

Das Gebäude Ecke Mondscheingasse/Zollergasse ist lange Zeit das Sorgenkind von Wien-Neubau. Die Postamt-Türen sind vernagelt, Anrainer fragen sich, was hier eigentlich passiert. Dafür bekommt der steinerne Koloss aber immer wieder neue Eigentümer. Ende 2010 blättert die Immobilienholding BAI 11,7 Mio. Euro hin. Jahre später wechselt die alte Post dann ihren Eigentümer: René Benkos Signa kauft sich das Haus und die Holding gleich dazu. Die Wertsteigerung sei nicht ungewöhnlich, da der Vorgänger wesentliche Planungsleistungen durchgeführt und eine Baugenehmigung erwirkt habe, sagt die Signa auf Nachfrage. Große Visionen hat man scheinbar nicht, das Haus habe „nicht in den strategischen Fokus“ gepasst.

So kommt es, dass die Immobilie ein Jahr nach Signa-Übernahme wieder verkauft wird – diesmal für 17,25 Mio. an die BBB Immobilienholding. Wohlgemerkt für ein Objekt, von dem „seit Jahren der Putz abbröckelt“, wie die „Wiener Zeitung“ auch später noch schreiben wird. Die BBB Holding plant offenbar ebenfalls nicht langfristig – und verkauft die Immobilie ein Jahr später für 20,67 Mio. an Immobilienentwickler Niklas M. Der wiederum bleibt nur wenige Wochen Eigentümer, ehe er das Haus für knapp 27 Mio. an die LNR Development von Lukas Neugebauer weiterveräußert. Ein Sprung von rund sechs Millionen Euro. Ist das Haus entgegen anderslautender Berichterstattung plötzlich vergoldet worden? Für Neugebauer ist der Preis jedenfalls angemessen, „da das Haus bis auf die Telekom leerstehend war und großes Entwicklungspotential geboten hat, was derzeit auch für jeden erkennbar realisiert wird“, wie er gegenüber ZackZack betont.

Ein Weiterverkauf kurz nach Erwerb sei insbesondere am Wiener Immobilienmarkt keine Seltenheit, so Neugebauer. Auffällig ist, dass Kurzzeit-Eigentümer Niklas M. als Mitarbeiter bei der LNR geführt wird. Älteren Websiteeinträgen zufolge war er das bereits während des Deals zwischen M. und seinem Arbeitgeber. Zufall, oder ein Hinweis auf Absprachen? Ein Fehler, der auf eine externe Firma zurückzuführen sei, so Neugebauer. Das Datum 2018 auf der alten Website habe den generellen Eintritt Niklas M.s in die Immobilienbranche markiert und nicht den bei der LNR. Deshalb sei das korrigiert worden. Allfällige Absprachen seien „nicht bekannt“.

Die Rückkehr des A.N.

Bei Alireza A.N. geben sich die (Ex-)Eigentümer wortkarg. Von einer Rolle des Immo-Dealers bei der BBB wollen weder Signa noch Neugebauer wissen. Das Thema sei erst durch „Profil“-Recherchen zutage gefördert worden, so Neugebauer. Vonseiten der Signa heißt es, man habe nur zur Geschäftsführung dem Rechtsvertreter der BBB Kontakt gehabt.

Was hat es mit A.N. auf sich? Zuletzt stand er Ende der Nuller-Jahre im Fokus der Medienberichterstattung: Das “undurchsichtige Immobilien-Imperium N.s, das nicht weniger als 108 Gesellschaften” umfasst habe, sei 2008 mit Passiva von 139 Mio. Euro in die Pleite geschlittert, so der “Standard” damals. Wie sich im weiteren Verlauf mutmaßlich herausstellte, soll A.N. bei 26 Projektfinanzierungen zahlreiche Banken getäuscht haben, indem er vorgegeben haben soll, “Kredite zu benötigen, die er nach erfolgreicher Abwicklung seiner Geschäfte zurückzahlen werde”.

ZackZack weiß: Alireza A.N. ist zurück am Wiener Parkett und bekommt offenbar eine zweite Chance. Allerdings im Hintergrund, wie ZackZack vorliegende Informationen bestätigen. Was genau er für die BBB macht, wollte das Immo-Unternehmen auf Nachfrage nicht beantworten. Die BBB, deren Struktur bis in die Schweiz reicht, führt ihn nicht offiziell. Ein weiterer illustrer Name im Umfeld der Firma ist jedoch nicht minder spannend: Per Troen.

Der dänische Treuhänder mit Glamourfaktor – seinerseits Teil einer Schlammschlacht um das Erbe des verstorbenen James Bond-Darstellers Roger Moore – wird als wirtschaftlich Berechtigter („Ultimate Beneficial Owner“) des BBB-Immobilienportfolios geführt. An sich ist diese verschachtelte Konstruktion nicht illegal. Aus Gründen der Geldwäscheprävention muss die wahre Identität eines Geschäftspartners aber feststellbar sein. Bei der BBB reicht eine einfache Google-Suche und man stößt interessanterweise schnell auf Per Troen. Bei Alireza A.N ist das deutlich schwieriger. In welchem Verhältnis Troen und Alireza A.N. stehen, ist unbekannt.

Postamt jetzt „Prestigeobjekt“

Fakt ist: die Wiener Immobranche ist wohl wieder mal um schillernde Figuren reicher. Und um ein verglastes Postamt-Dach, wie die „Bezirkszeitung“ berichtete. Der aktuelle Eigentümer Neugebauer setzt mit seiner LNR nämlich auf ein „exklusiveres Segment“. Folgt man dem LNR-Chef, so handelt es sich um ein „absolutes Prestigeobjekt“ – was eher nicht für leistbares Wohnen sprechen dürfte.

Bislang scheint Neugebauer beim Postamt jedenfalls mehr Fortune zu haben als beim ehemaligen Novomatic-Forum. Das hatte er weiß anstreichen lassen, was das Denkmalschutzamt auf den Plan rief. Die Einfarbigkeit wurde abgelehnt, doch Neugebauer will das so nicht stehen lassen. Man wolle das Bewilligungsverfahren wiederaufnehmen, schließlich genieße die optische Verbesserung „breiten Zuspruch in der Bevölkerung“.

(wb)

Titelbild: Wiki Commons/Manfred Werner.

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5 Kommentare
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heronvonalexandria
15. 12. 2021 21:50

Man erinnert sich: Jürgen Schneider (D) hat dasselbe in den 90ern gemacht, Immobilien mit Krediten gekauft, die Fläche der Immobilien teilweise um ein Vielfaches auf dem Papier erhöht um dann noch mehr Kredite zu bekommen. Sieht bei unseren Akteuren genauso aus. Schneider ist im Gefängnis gelandet, wird bei uns nicht passieren da bei uns die Politik großflächig monetär bedacht wird und somit mitspielt. Geldwäsche ist natürlich das weitere Übel.

der Beobachter
15. 12. 2021 15:48

Tadellos dokumentierter Kreislauf von Geldwäschemachinationen, mit ihren Protagonisten. Gottseidank ist das Finanzministerium in der Hand der schwarzen Mafia, die bei solchen Umtrieben keinerlei Gesetzesverstöße orten können, oder wollen. Die DabeiInnen sind hier intellektuell noch nicht so weit, halten aber brav still und lernen. Vielleicht könnte man dann ja einmal auch mitspielen-Chorherr hat sich lediglich schmieren lassen, deshalb wird er auch verdientermaßen einsitzen.
Gute Nacht Österreich!

accurate_pineapple
15. 12. 2021 17:58
Antworte auf  der Beobachter

Wie Recht sie haben…..

bmtwins
15. 12. 2021 15:20

Bislang scheint Neugebauer beim Postamt jedenfalls mehr Fortune zu haben als beim ehemaligen Novomatic-Forum. Das hatte er weiß anstreichen lassen, was das Denkmalschutzamt auf den Plan rief. Die Einfarbigkeit wurde abgelehnt, doch Neugebauer will das so nicht stehen lassen. Man wolle das Bewilligungsverfahren wiederaufnehmen, schließlich genieße die optische Verbesserung „breiten Zuspruch in der Bevölkerung“.

und der Schneemann Ho wieder mitten drin, aber passt eh der Karlsplatz is ned weit

plot_in
15. 12. 2021 15:43
Antworte auf  bmtwins

😀