CDU-Abgeordneter ging auf die Jagd statt in den Bundestag

Der deutsche Bundestagsabgeordnete Tino Sorge (CDU) hat im September 2020 an mehreren Sitzungstagen im Parlament gefehlt und in dieser Zeit einen Intensivkurs an einer Jagdschule besucht.

Wien/Berlin, 20. Jänner 2022 | Das räumte Sorge nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur ein. “Rückblickend würde ich Kollisionen wie diese nach Möglichkeit vermeiden”, teilte er auf Anfrage mit. Die Ausübung seines Abgeordnetenmandats sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen, sagte Sorge.

“Ernstes Gespräch”

Der 46-Jährige ist seit Dezember gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und war zuvor bereits im Gesundheitsausschuss aktiv. Das Fehlen des Magdeburger Abgeordneten sorgte parteiintern für Kritik, die nach seinem Aufstieg zum gesundheitspolitischen Sprecher neu aufkeimte. CDU-Landeschef Sven Schulze habe noch als Generalsekretär im Herbst 2020 ein “ernstes Gespräch” mit Sorge geführt, heißt es in Parteikreisen.

Schulze bestätigte, dass er nach einem Hinweis aus Berlin ein solches Gespräch geführt hat. Die Inhalte sollen aber intern bleiben. “Was Tino Sorge gemacht hat in der Zeit, dafür ist er als Abgeordneter selber verantwortlich”, sagte Schulze.

Laut den Plenarprotokollen hat sich Sorge für die Sitzungen des Bundestags am 11. sowie 16. bis 18. September entschuldigt. Der zweiwöchige Intensivkurs fand ab dem 11. September an der Jagd- und Naturschule in Schönebeck (Salzlandkreis) statt. Die Stadt liegt im Wahlkreis des CDU-Politikers. Am 18. September stand im Parlament das Krankenhauszukunftsgesetz auf der Tagesordnung.

Sorges Abwesenheit im Bundestag fiel unmittelbar in die Zeit nach der zweimonatigen Sommerpause des Parlaments. “Dass der Jagdkurs teilweise an Sitzungstagen stattfinden musste, ist auf eine Verschiebung seitens der Organisatoren zurückzuführen”, teilte Sorge mit. Ursprünglich sei der Kurs für die sitzungsfreie Zeit terminiert gewesen.

Kostenpauschale gekürzt

Wie die Bundestagsverwaltung auf Anfrage mitteilte, wird die Kostenpauschale gekürzt, wenn Abgeordnete an Plenarsitzungstagen fehlen. “Bei entschuldigtem Fehlen” seien es 100 Euro pro Plenarsitzungstag, sagte ein Sprecher. “Ich persönlich habe in über acht Jahren als Bundestagsabgeordneter nur an sehr wenigen Sitzungstagen gefehlt – stets entschuldigt”, teilte Sorge mit.

Am 9. Oktober 2020 entschuldigte sich Sorge im Bundestag erneut. An diesem Tag wurden im Salzlandkreis Jägerprüfungen durchgeführt.

(apa/bf)

Titelbild: pixabay

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3 Kommentare
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mrsmokie
20. 01. 2022 18:26

Dieser Beitrag passt jetzt aber wohl nicht ganz zu ZackZack, oder? Das erinnert mich eher an den berühmten Reissack in China.

Toni
20. 01. 2022 16:18

Jo mei, würde Söder sagen. Auch ein Abgeordneter braucht einmal einen Ausflug zur Entspannung in diesen harten Corona-Zeiten. Lasst’s ihm den Genuss, mit Schrotfline auf Tiere zu ballern, er hat ja sonst nix vom Leben. Tiere töten zum Vergnügen. Auch in Ö gibt es nicht wenige Politiker*innen, die diesem Hobby frönen.

amour
20. 01. 2022 16:35
Antworte auf  Toni

Naja, er fehlt wenigstens entschuldigt.
Wobei ich damit das töten von Tieren hier nicht verharmlosen möchte. Mir fällt da nur der eine oder andere EU-Parlamentarier ein, der morgens zur Arbeit geht, sich einträgt und dann am Stand kehrt macht und ab ins Vergnügen – aber als Anwesend gilt und somit Kohle kassiert. DAS finde ich unanständig! (meine persönliche Meinung)