Samstag, Juli 20, 2024

»Eure Eltern töten euch mit der Impfung« – Impfgegner belagerten Linzer Hort

»Eure Eltern töten euch mit der Impfung«

Eine Corona-Demo, die am Mittwoch auch an einem Hort in Linz vorbeigeführt hat, sorgt für Wirbel: Laut Medien sollen Teilnehmer mit den Parolen Kinder verschreckt sowie Kinder und Eltern gefilmt haben.

Linz, 20. Jänner 2022 | Rund 1.400 Leute nahmen laut Polizei an der Kundgebung teil, die von der Linzer Innenstadt bis zur Herz-Jesu-Kirche führte, wo der Zug umdrehte. In diesem Bereich befindet sich auch ein Hort. Dass die Kinder im Inneren Masken trugen, habe das Interesse der Demonstranten geweckt, berichteten etwa die “OÖN” (Donnerstag-Ausgabe).

Pfeifkonzert und Parolen, weinende Kinder

Pädagoginnen hätten bemerkt, dass Demonstranten Videos von den Kindern machten, und die Vorhänge geschlossen. Daraufhin sei auf der Straße der Ruf “Vorhänge auf” ertönt, heißt es unter Berufung auf Eltern. “In der Zeit von 15.25 Uhr bis 16 Uhr wurden die Kinder und die Pädagoginnen terrorisiert”, zitiert die Zeitung aus einer Mitteilung des Horts an die Erziehungsberechtigten, “im ganzen Haus kümmerten sich unsere Pädagoginnen um die weinenden Kinder aller Altersstufen”. Laut ORF-Radio OÖ sei der Hort mit Megafon-Durchsagen und einem Pfeifkonzert beschallt worden. So sei laut Betroffenen etwa “Eure Eltern töten euch mit der Impfung” gerufen worden.

Bei der Landespolizeidirektion Oberösterreich hieß es, dass der Demozug zwar im Bereich des Hortes zum Stillstand kam, weil er dort wendete, um wieder zurück in Richtung Innenstadt zu ziehen. Man habe aber keine Zwischenfälle im Zusammenhang mit dem Hort wahrgenommen. Auch sei es nicht richtig, dass das Gebäude beschützt werden habe müssen. Allerdings sei – wie auch die übrige Zeit der Demo – immer wieder “Maske weg!” skandiert worden.

Aufgrund der aktuellen Ereignisse veranlasste der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Donnerstag “die sofortige Prüfung, Schulen, Kinderbetreuungs-, Senioren- und Gesundheitseinrichtungen als Schutzzonen zu deklarieren”. Auch sein ÖVP-Stellvertreter Bernhard Baier tritt dafür ein. Luger sieht aber auch die Polizei gefordert, derartige Aktionen “unverzüglich zu unterbinden”.

“Rote Linie überschritten”

Auch der ÖVP-Landeshauptmann und Vertreter der SPÖ, der Grünen und der NEOS äußerten sich negativ zu dieser Aktion. Es sei “unerträglich, wenn einzelne radikale Demonstrierende vor einem Hort aufziehen und mit ihren Parolen und mit ihrem Geschrei – wenn auch nur vielleicht unbewusst – Kinder verängstigen”, so Stelzer. Die Teilnehmer hätten “eine rote Linie überschritten”, meinte die für Kinderschutz zuständige Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ).

Auch der Grüne Landesrat Stefan Kaineder zeigte sich empört. Er erwarte sich “klare Worte” und einen “deutlichen Aufruf zur Mäßigung” von FPÖ und MFG. “Sonst drohen alle Dämme zu brechen.” “Wer im Zuge der Ausübung des Demonstrationsrechtes – eines der wichtigsten demokratischen Rechte – Kinder in Angst und Panik versetzt, stellt sich klar außerhalb des friedlichen Diskurses”, äußerte sich der pinke Klubobmann Felix Eypeltauer.

Anzeigen wegen fehlender Masken und Ordnungsstörung

Gemeldet wurden nach der Demo am Mittwoch 21 Anzeigen wegen der Nichteinhaltung der Maskenpflicht, je zwei wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot, Ordnungsstörung und Anstandsverletzung sowie eine Anzeige nach dem Suchtmittelgesetz. Zu Festnahmen kam es nicht. An einer weiteren Demo am Linzer Bindermichl, die sich gegen das Einschreiten der Polizei richtete, nahmen 20 Personen teil. Es setzte neun Anzeigen wegen Verstoß gegen die Maskenpflicht und eine wegen Vermummung.

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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