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Kulturfestival am Wochenende

Leerstands-Kunst zum Ausprobieren

Leer stehende Gebäude mit zeitgenössischer Kunst füllen? Genau das macht “Never at home”. Interessierte können bei Workshops von 4. bis 6. Februar töpfern, fotografieren und tanzen, einen Blick auf mehrere Ausstellungen und in Künstler-Ateliers werfen.

Wien, 04. Februar 2022 | Es riecht nach Farbe und alten Mauern, das typische Hellgelb der hohen Decken im Treppenhaus und die ausgetretenen, steinernen Stufen erzählen eindeutig: Das Gebäude in der Schellinggasse 13 im 1. Wiener Gemeindebezirk war einmal eine Schule.

Schülerstimmen füllen die Klassenzimmer und Gänge aber schon länger nicht mehr. Seit letzten Sommer hat hier die Kulturinitiative “Never at home” ein neues Zuhause gefunden – aber nur temporär, denn das Projekt zieht mit vorwiegend junger, experimenteller Kunst von Leerstand zu Leerstand um die Räume wieder mit Leben zu füllen und die etablierten Kulturszene aufzumischen.

Zeitgenössische Kunst kennenlernen

Dabei soll “Never at home” vor allem eines sein: niederschwellig – und zwar sowohl für Kunstschaffende, die sich kostengünstig in Gemeinschaftsateliers einmieten können, als auch für Interessierte, die mit Kunst bisher nichts am Hut hatten.

Deshalb öffnet die Kulturinitiative von Freitag, dem 4., bis Sonntag, dem 6. Februar, die Türen der Schellinggasse und lädt Besucherinnen und Besucher ein, die Ausstellungen der im Haus tätigen Künstler zu besichtigen, sie in ihren Ateliers zu besuchen, bei Podiumsgesprächen (wie etwa über Frauen in der Kunst oder Leerstandsaktivierung) zu diskutieren und in Workshops zu experimentieren.

In einem kleinen, dunklen Raum haben Studierende etwa eine “Poetry Machine” eingerichtet. Auf einem Keyboard, bei dem jeder Tastenton mit einem Wort verbunden wurde, kann man Gedichte komponieren. Im alten Biologiesaal sind die Werke von 14 Künstlerinnen ausgestellt. Am Fenster neben all den Fotografien und Malereien sind noch Reste von Window Colour-Zeichnungen und bunte Kindernamen aus Schulzeiten zu sehen.

Staubsaugernase und Bällebad

Von Gesellschaftsbeobachtungen über Kapitalismuskritik bis hin zu den “Utopien des frühen Internets” findet man hier alles: Skulpturen, Mode, Installationen, Fotos, Malereien und digitale Kunst. In der Ecke eines Ateliers steht ein sprichwörtliches Bällebad, aus einer übergroßen Gipsnase ragt ein Staubsaugerschlauch, Spraydosen stapeln sich in Regalen, hin und wieder leuchten einem Farbspritzer auf den abgenutzten Parkettböden entgegen. Von den Gemeinschaftsateliers profitiert auch die Arbeit der Kunstschaffenden erzählt Projektleiterin Nina Zips. Das Ziel sei auch junge und etablierte Künstlerinnen und Künstler zusammenzubringen.

Der Eintritt zum Kulturfestival ist nur mit 2G-Nachweis und FFP2-Maske möglich. Am Freitag und Samstag kann man die Schellinggasse 13 von 15-22 Uhr besuchen, am Sonntag nur mit Anmeldung zu den verschiedenen Workshops. Nähere Informationen zum Programm gibt es hier.

(sm)

Titelbild: ZackZack/Stefanie Marek

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