Eine Amtshandlung, mehrere Missverständnisse

Vor ein paar Tagen klopfte die Polizei bei einer 16-Jährigen aus dem Aktivismus-Umfeld. Der Besuch löste eine heftige Internet-Debatte und einige Missverständnisse aus.

Wien, 07. Februar 2022 | Vergangenen Donnerstagvormittag läutete es an der Haustür einer Wiener Familie. Die beiden Beamten in Zivil fragten nach der 16-jährigen Tochter. Sie ermittelten wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Wie sie denn auf seine Tochter kommen, fragte der Vater. Die Polizisten zeigten ihm ein Foto von einer Demonstration, darauf sei eine junge Frau gemeinsam mit der Klimaaktivistin Lena Schilling zu sehen.

Bei der jungen Frau handle es sich möglicherweise um die Tochter, so die Beamten. Schnell war klar, die Frau auf dem Foto ist nicht die Tochter, die Beamten gingen wieder. So erzählt es der Vater, der die Begegnung als freundlich, aber seltsam erlebte ZackZack.

Kurz darauf ging es rund auf Twitter. Von Lena Schilling, die eine gute Freundin der 16-Jährigen ist, wurde der Besuch der Beamten als “Einschüchterungsversuch gegen junge Klimaaktivist*innen” interpretiert. Die 16-Jährige, die im Jugendrat aktiv ist, habe sie angerufen und gesagt, sie werde wegen eines gemeinsamen Demo-Fotos gesucht. Ein Irrtum, aber kein abwegiger Gedanke im Kontext des jüngsten Aufeinandertreffens von Polizei und Aktivistinnen rund um die Räumung des Stadtstraße-Protestcamps, sowie der Klagen der Stadt Wien gegen zahlreiche Aktivistinnen.

Zuerst keine Polizei-Infos wegen zu weniger Details

Kritik kam kurz nach Absetzen des Tweets von mehreren Seiten. So auch von ZackZack-Chefredakteur Thomas Walach, der bei der Polizei nachfragte. Die LPD Wien antwortete auf den Tweet vorerst, es sei keine solche Amtshandlung bekannt. Schilling fragte daraufhin beim LPD Wien nach, ob die Beamten überhaupt richtige Polizisten gewesen seien.

Im Endeffekt stellte sich heraus: Die Geschichte war keineswegs erfunden, sie sei laut Polizeisprechern einfach “zu klein gewesen, um sie auf dem Radar zu haben”. Bei Walachs Anfrage und der eines weiteren Journalisten seien einfach noch zu wenige Details bekannt gewesen, um den Fall richtig zuordnen zu können.

Amtshandlung laut Polizei normale Erkundigung

Nach ZackZack-Recherchen hat die Polizei bestätigt: Diese Amtshandlung hat es gegeben und zwar so, wie sie auch der Vater der Familie beschreibt. Man sei auf der Suche nach einer Person gewesen, die aufgrund einer Ähnlichkeit auf dem Foto die 16-Jährige hätte sein können. Daher habe man diese zuhause aufgesucht um festzustellen, ob es sich um sie handle. Es sei lediglich eine normale Erkundigung gewesen, wie sie in Wien “100-fach” stattfinde, so Polizeipressesprecher Manfred Reinthaler. Dass Beamte dabei in Zivil unterwegs sind, sei normal.

Nach wem die Polizei eigentlich gesucht hat und weswegen genau, könne aufgrund des Datenschutzes nicht bekannt gegeben werden. Soweit es der Pressestelle des LPD Wien bekannt sei, habe es noch keine Meldung gegeben, dass man die gesuchte Person gefunden habe.

(sm)

Titelbild: APA Picturedesk

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18 Kommentare
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Luftblaserl
8. 02. 2022 10:19

Bin ich froh, dass die Lena Schilling auch eine Meinung dazu hat ;-)!
Blöd aber auch, dass es wieder einmal ein Blödsinn war.

Alexx
8. 02. 2022 4:58

Merke: Bei Kindern “schaut” die Wiener Polizei ganz genau hin.
Bei Terroristen und Nazis eher weg.

Donnerwetter
7. 02. 2022 20:11

wie sie in Wien “100-fach” stattfinde —- ohne Zeitangabe ist diese Aussage nichts wert vom Polizeipressesprecher.
Meinte er täglich, stündlich, wöchentlich, monatlich oder gar jährlich……?

soschautsaus
7. 02. 2022 17:48

Walach,Walach,Walach,ich muß den Namen 3 x schreiben,weil eine meiner Lehrerin fing auch damit an,mit 3 x den Namen nennen und dann schimpfen.

Und jetzt muß ich schimpfen! Herr Walach SIE haben URLAUB!!!!!!!!
Den sie dringend brauchen und URLAUB ist URLAUB und da soll man sich ausruhen.

Also s.g. Herr Walach genießen Sie jetzt gefälligst ihren wohlverdienten Urlaub,falls nicht,dann kommen ein paar Foristen und halten sie vom Arbeiten ab,ich sags Ihnen,das ist härter als jeder Urlaub den man zum Entspannen nimmt. Weil es kommen die Hardcore Foristen,die wollen,daß sie sich entspannen und das total und das ist dann aber hart,weil erst 4 er Schnapsen,da meine ich noch das Kartenspiel,bis echtes schnapseln,macht Kopfi aua,rauchen,saufen alles also nicht nur Schnaps ect. und wenn sie dann immer noch nicht brav sind müssen sie 24 Stunden oe24 anschauen,also ich an Ihrer Stelle würde nun echt mal brav sein und URLAUB!!! machen.

Ich meine es Ihnen echt nur gut :)!

ManFromEarth
7. 02. 2022 19:50
Antworte auf  soschautsaus

👍 …. Schönen Urlaub noch ! (das ist hier eine DINSTANWEISUNG)

Samui
7. 02. 2022 18:05
Antworte auf  soschautsaus

Wow….. was für eine Ansprache😉👍

nikita
8. 02. 2022 1:04
Antworte auf  Samui

😀👍

mrsmokie
7. 02. 2022 17:14

Schilling war bis 2002, jetzt ist Euro.

ManFromEarth
7. 02. 2022 17:30
Antworte auf  mrsmokie

😉 nein, gibt’s immer noch – in Südafrika, genauer Kenia, Somalia, Tansania und Uganda!

mrsmokie
7. 02. 2022 17:43
Antworte auf  ManFromEarth

Aha, dort also noch immer aktiv 🙂

soschautsaus
7. 02. 2022 17:51
Antworte auf  mrsmokie

Ja,aber leider nehmen sie den unsrigen den wir noch unter Omas Matratze finden und hier nicht mehr umtauschen können,leider nicht 🙁

ManFromEarth
7. 02. 2022 19:51
Antworte auf  soschautsaus

die nicht, aber die Nationalbank! 😇

soschautsaus
7. 02. 2022 20:24
Antworte auf  ManFromEarth

Leider nein,auch da gibt es eine Frist:

Die 500-Schilling-Banknote Otto Wagner und die 1.000-Schilling-Banknote Erwin Schrödinger können nur noch bis 20. April 2018 in Euro getauscht werden. Danach verlieren beiden Banknoten ihre Gültigkeit. Der Euro-Bus der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) tourt deshalb im April durch Österreich und ermöglicht in allen Bundesländern den letztmöglichen Umtausch.

Grundsätzlich haben Schilling-Banknoten, die bereits vor der Euro-Einführung ihre Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel verloren hatten, eine Umtauschfrist von 20 Jahren. Bei der 500-Schilling-Banknote Otto Wagner und der 1.000-Schilling-Banknote Erwin Schrödinger läuft diese sogenannte Präklusivfrist am 20. April 2018 ab. Beide Banknoten verlieren dann ihre Gültigkeit. Danach sind nur mehr jene Schilling-Banknoten zeitlich unbegrenzt umtauschbar, die der letzten Schilling-Serie angehören.

ManFromEarth
7. 02. 2022 20:42
Antworte auf  soschautsaus

👍 gut recherchiert!

soschautsaus
8. 02. 2022 7:45
Antworte auf  ManFromEarth

Nein,nicht wirklich,ich hab nur einen Bericht gesehen,da saß eine Familie auf einem riesen Paket mit den alten Scheinen,hat ein Verwandter wo sehr,sehr gut versteckt gehabt und die haben alles aber auch alles versucht,daß ihnen wer hilft,daß sie das Geld noch umtauschen können,und sie haben es nicht geschafft und das ist mir wieder eingefallen,ich wusste nur nicht mehr,welche Scheine es betrifft,da musste ich dann nachlesen.

Aber die haben mir damals so leid getan,weil da ging es nicht um Jahre wo die nicht mehr gültig waren sondern ein paar Monate und es half alles nichts,die haben so gehofft,daß gesagt wird,wegen der paar Monate egal.

Ist schon blöd,weil es war soviel Geld,die hätten es auch brauchen können,also wirklich brauchen,jeder nimmt es gerne,aber nicht jeder bräuchte es dringend,die schon und dann kannst wegen ein paar Monate statt Dir ein bissi was leisten,die Wände damit tapezieren.

ManFromEarth
7. 02. 2022 17:44
Antworte auf  mrsmokie

jepp

Samui
7. 02. 2022 16:23

Eigentlich eine unaufgeregt Geschichte….
Frau Schilling wollte scheinbar ” mehr ” daraus machen.
Durchsichtig.

bmtwins
7. 02. 2022 16:50
Antworte auf  Samui

ja klar, nachdem ihre aussage “tausende polizisten haben das camp gestürmt” nicht die erwünschte wirkung erzielt hat muss man anders aufmerksamkeit holen