Freitag, Juli 12, 2024

»Funny, funky und feministisch«– Wiener Rapperin Gazal über neuen Song

Pop up: Die Pop Kultur-Kolumne

Mit „Toxisch“ bringt die Wiener Rapperin Gazal einen weiteren hochpolitischen Track heraus und kritisiert die toxische Maskulinität unserer Gesellschaft.

Wien, 21. April 2022 | Die Wiener Rapperin Gazal hat am 15. April ein neues Lied veröffentlicht. Der Beat ist stimmungsvoll und animiert zum Tanzen. Der Text ist politisch und soll zum Denken anregen. Normalerweise würde der Beat des Songs die Atmosphäre und infolgedessen auch den Text bestimmen.

Aber bei ihrem neu erschienenem Song “Toxisch“, den sie zusammen mit der deutschen Rapperin Sookee herausgebracht hat, wagt sie einen Stilbruch: Sie vereint feierliche Musik mit aussagekräftige Botschaften. Es soll locker rüberkommen, aber ein ernstes Thema ansprechen. Damit will sie einen Ohrwurm erzeugen, der hängen bleibt. Denn das sei eine niederschwellige Art, politische Botschaften an die Leute zu bringen.

Ernstes Thema mit Spaß rüberbringen

Die ursprüngliche aus Oberösterreich kommende Rapperin greift in ihrem neuen Song das Thema toxische Männlichkeit auf. Inspiration für die Entstehung des Songs habe es laut ihr genug gegeben. Immerhin begegne man ihr im Alltag als Frau in einer Gesellschaft, die von toxischer Männlichkeit dominiert wird, oft genug: sei es in der Arbeit, auf einer Familienfeier, auf der Uni, im Sport oder auf Plakaten.

Diese Gesellschaftskritik will sie aber mit Spaß angehen, was sich auch in ihrem Musikvideo widerspiegelt. Abgesehen von Sookee tritt im Video als Stargast auch die Wiener Influencerin und TikTok-Comedian Irina auf. Auf Social-Media ist sie unter dem Pseudonym „Toxische Pommes“ bekannt geworden.

Warum ausgerechnet Toxische Pommes? Sie schlüpft auf ihren Social-Media-Konten in die Rollen verschiedener Persona, die eine klischeebehaftete Gesellschaftsgruppe repräsentieren und übt damit Kritik auf eine humorvolle und satirische Art. Zu ihren Charakteren gehören auch ebenjene „toxische Dudes“, von denen Gazal und Sookee in ihrem Song sprechen.

Veränderung mit „Partygefühl im Bauch“

Auch andere Lieder der Künstlerin versuchen politische Botschaften zu transportieren. Sie ist der Meinung, wenn einem die Bühne geboten wird, sollte sie auch dementsprechend genutzt werden: „Ich finde in dem Wort Unterhaltung steckt auch Haltung”, so Gazal.

Diese Haltung gelte es zu zeigen, zumal das Politiker nicht oft genug machen würden. Mit Spaß und Freude, aber auch mit sinnstiftenden Texten versucht sie ihre Fans zu animieren, sich am politischen Geschehen zu beteiligen und alteingesessene Normen zu brechen.

Echte (Wahl-)Wienerin

Als sie von Oberösterreich nach Wien zog, habe sie gemerkt, dass Wiener keine eigene Hymne haben sowie das in ihrem ursprünglichem Bundesland der Fall ist. So kam sie auf die Idee für ihren ersten Track „Wien Oida“ mit Kid Pex, der ihre Musikkarriere lostrat. Aber den Bezug zu Oberösterreich hat sie nicht komplett abgelegt, was man vereinzelt an ihrer dialektalen Aussprache raushören kann.

Sie betont, nicht von ihren weitreichenden Wurzeln abgegrenzt zu sein, denn diese geben ihr stabilen Halt. In ihrem aktuellen Heimatbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus fühlt sie sich als Rapperin gut aufgehoben. Aber das sei nicht der einzige Bezirk, zu dem sie sich zugehörig fühlt.

Menschen, die sie inspirieren, sind Kolleginnen aus der Szene, sowie Sookee, mit der sie nicht nur ihren letzten Song, sondern auch das Buch „Awesome HipHop Humans“ geschrieben hat. Darin geht es um queere, feministische Rapperinnen und Bookerinnen, die sich abseits vom Mainstream aufhalten.

(nb)

Titelbild: © Pask Visuals

Autor

  • Nura Wagner

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