Montag, März 4, 2024

Raketenbeschuss während Kiew-Besuch von UNO-Chef

Während des Besuchs von UNO-Generalsekretär António Guterres in Kiew ist die ukrainische Hauptstadt erstmals seit rund zwei Wochen wieder mit Raketen beschossen worden. Am Vortag war Guterres noch bei Putin.

 

Wien, 29. April 2022 | Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach am Donnerstagabend im Online-Dienst Telegram von zwei russischen Angriffen im Stadtzentrum. Nach vorläufigen Angaben wurden sechs Personen verletzt. Guterres sagte der BBC nach den Explosionen, er sei geschockt.

“Am Abend feuerte der Feind auf Kiew. Zwei Angriffe im Bezirk Schewschenkowsky”, erklärte Klitschko. Drei Verletzte seien ins Krankenhaus gebracht worden. “Die Rettungsdienste und Einsatzkräfte arbeiten vor Ort.”

Guterres am Vortag bei Putin

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter von einem “hasserfüllten Akt der Barberei”. Demnach wurde Kiew mit Marschflugkörpern beschossen. “Russland hat ein weiteres Mal seine Haltung gegenüber der Ukraine, Europa und der Welt gezeigt”, schrieb Kuleba.

Der ukrainische Präsidentenberater Michail Podoljak forderte nach dem Beschuss, Russland den Sitz im UN-Sicherheitsrat abzuerkennen. “Raketeneinschläge im Zentrum von Kiew während des offiziellen Besuchs von António Guterres”, schrieb er auf Twitter. “Gestern saß er noch an einem langen Tisch im Kreml und heute Explosionen über seinem Kopf”, fügte er mit Blick auf den UNO-Generalsekretär hinzu.

Mehr als zwei Monate nach Kriegsbeginn verstärkt Russland nach ukrainischen Angaben seine Angriffe auf den Osten und Süden des Landes. Das russische Militär beschleunige seine Offensiveinsätze, teilte das ukrainische Militärkommando zur Lage an der Hauptfront im Osten am Donnerstag mit. Es gebe aus fast allen Richtungen intensiven Beschuss.

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben erneut schwere Luftangriffe gegen die Ukraine geführt. “Die taktische Luftwaffe der russischen Streitkräfte hat 76 Militärobjekte beschossen”, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag mit. Dabei seien zwei Munitionsdepots und eine Reihe von Truppenansammlungen und Militärkonvois getroffen worden. Die gegnerischen Verluste bezifferte Konaschenkow dabei auf mehr als 320 Soldaten.

Auch Odessa und Lykolajiw beschossen

Durch Raketen wurden demnach weitere 38 Militärobjekte angegriffen. Unter anderem seien dadurch sechs Munitionsdepots vernichtet, aber auch mehrere ukrainische Raketen des Typs Totschka-U abgeschossen worden. Unabhängig ließen sich diese Berichte nicht überprüfen.

Die südukrainischen Städte Odessa und Mykolajiw sind laut Behördenangaben von russischen Truppen beschossen worden. “Mykolajiw wurde wieder von Schlägen der Mehrfachraketenwerfer des Typs Smertsch getroffen”, teilte die Militärführung des Wehrbezirks Südukraine am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mit. Durch den Beschuss seien Dutzende Privatwohnungen, Autos und Geschäfte beschädigt worden.

Auch aus der Millionenstadt Odessa wurden am Donnerstagabend Explosionen gemeldet. Der Leiter der örtlichen Militärverwaltung Serhiy Bratschuk versicherte allerdings, dass die Luftabwehr die Lage unter Kontrolle habe. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Zwei Augenzeugen berichteten Reuters von zwei starken Explosionen in der russischen Stadt Belgorod nahe der ukrainischen Grenze. Russland hat in den vergangenen Tagen von einer Reihe von Angriffen ukrainischer Truppen auf russischem Gebiet in Grenznähe berichtet und gewarnt, dies berge die Gefahr einer deutlichen Eskalation. Die Ukraine hat sich zwar nicht ausdrücklich zu diesen Angriffen bekannt, bezeichnete sie aber als Rache und Karma.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

20 Kommentare

  1. Alles neu macht der Mai – auch die Ukraine wird immer mehr zu einem Teil Russlands: Die Gründung einer neuen russischen Volksrepublik im Süden der Ukraine rückt offenbar näher. Am Kommenden Sonntag soll in der Region Cherson der RUSSISCHE RUBEL eingeführt werden. Die ukrainische Griwna wird nur noch für eine kurze Übergangszeit parallel offizielles Zahlungsmittel. Über die Bildung einer russischen Volksrepublik Cherson wurde seit Wochen spekuliert. So bildete sich bereits kurz nach der Eroberung ein pro-russischer Stadtrat.

  2. Des is der Haken am Krieg …
    … es wird scharf geschossen, aufgrund eines Engpasses an Wattebäuschen!

  3. Es ist offensichtlich, dass Zelensky ein paar leerstehende Gebäude in Kiew sprengen ließ, um Russland beschuldigen zu können, den Besuch des UNO-Chefs zu stören. Offensichtlich war Zelensky beleidigt darüber, dass Antonio Guterres ZUERST MOSKAU besucht hatte und dann erst Kiew.

  4. Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki hat am Mittwoch den Erfolg Russlands beim Widerstand gegen die westlichen Sanktionen gewürdigt: “Bislang sehen wir, dass Russland gut mit den Sanktionen zurechtkommt”, sagte er vor Reportern und fügte hinzu, dass Warschau jetzt an der Entwicklung weiterer Sanktionen arbeiten werde.

Kommentarfunktion ist geschlossen.

ZackZack gibt es weiter gratis. Weil alle, die sich Paywalls nicht leisten können, trotzdem Zugang zu unabhängigem Journalismus haben sollen. Damit wir das ohne Regierungsinserat schaffen, starten wir die „Aktion 3.000“. Wir brauchen 3.000 Club-Mitglieder wie DICH.