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US-Botschafter:

Zehntausende Ukrainer nach Russland verschleppt

Die USA gehen davon aus, dass Zehntausende Ukrainer von Russland verschleppt worden sind. Augenzeugen berichteten von brutalen Verhören in russischen “Filtrationslagern”. 

Kiew/Moskau, 13. Mai 2022 | Die USA gehen davon aus, dass Russland seit Beginn seines Angriffskriegs Zehntausende Ukrainerinnen und Ukrainer gewaltsam verschleppt hat. Allein aus der belagerten Hafenstadt Mariupol seien Tausende Menschen nach Russland oder in russisch kontrolliertes Gebiet gebracht worden, sagte der US-Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Michael Carpenter, am Donnerstag in Wien.

Die ukrainische Regierung schätzt die Zahl der verschleppten Ukrainer gar auf knapp 1,2 Millionen. Darunter sollen sich nach Angaben der ukrainischen Menschenrecht-Ombudsfrau Lyudmyla Denisowa auch mindestens 200.000 Kinder befinden. Nach Angaben Kiews betreibt Moskau zudem sogenannte Filtrationslager, in denen festgenommene Ukrainer verhört werden.

UNO untersucht mutmaßliche russische Kriegsverbrechen

Kiew wirft der russischen Armee vor, seit ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar in zahlreichen Orten Kriegsverbrechen begangen zu haben. Die Sender CNN und BBC veröffentlichten am Donnerstag Aufnahmen eines solchen möglichen Verbrechens von Mitte März. Auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera war zu sehen, wie russische Soldaten offenbar zwei unbewaffnete Zivilisten in der Nähe eines Autohauses außerhalb von Kiew in den Rücken schießen. Einer der Männer starb noch an Ort und Stelle, der andere kurz darauf.

Augenzeugen hätten von “brutalen Verhören” in den Lagern berichtet, so US-Botschafter Carpenter. Dies und die Zwangsverschleppungen kämen Kriegsverbrechen gleich. “Wir dürfen dieses Übel nicht zulassen”, sagte er. Der UNO-Menschenrechtsrat hatte am Donnerstag mit überwältigender Mehrheit für eine Untersuchung mutmaßlicher russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine gestimmt.

Selenskyj spricht von Niederlage Russlands

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj inzwischen landesweit 570 Gesundheitseinrichtungen zerstört, darunter 101 Krankenhäuser. “Wozu? Das ist Nonsens. Das ist Barbarei!”, sagte der ukrainische Staatschef in seiner täglichen Videobotschaft vom Donnerstag. Die Zahlen sind aktuell nicht unabhängig überprüft worden. Die WHO hat mittlerweile 200 dokumentierte Angriffe Russlands auf Gesundheitseinrichtungen bestätigen können. Mike Ryan, Direktor des Programms für Gesundheitliche Notfälle, betonte am Samstag, die WHO würde weiterhin Beweise für mögliche Kriegsverbrechen sammeln.

Für Selenskyj ist knapp zweieinhalb Monate nach der Invasion die strategische Niederlage Russlands “offensichtlich”. Die Niederlage Moskaus sei “für jeden auf der Welt offensichtlich und auch für diejenigen, die immer noch mit ihnen (den Russen) kommunizieren”, so Selenskyj in seiner Videobotschaft weiter. Nur habe Russland nicht den Mut, die Niederlage einzugestehen.

(pma/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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3 Kommentare
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RLoecker
13. 05. 2022 12:59

Wohin bringen die Russen die verschleppten Ukrainer? Guantanamo?

Samui
13. 05. 2022 12:09

Der irre Zar zeigt wieder einmal sein brutales Gesicht . Kinder werden zu richtigen Russen umerzogen.
Und das Ganze im Jahr 2022.
Schande über unsere Poltiker die diesem Schlächter in den A….. gekrochen sind.

plot_in
13. 05. 2022 11:04

Grausig. Ich möcht nicht verschleppt werden. Darum möcht ich nicht, dass irgendwer vershcleppt wird.