Montag, Juni 17, 2024

Causa Ott verkommt zur Farce – Kommentar

Kommentar

Die exzessiven Ermittlungen gegen Egisto Ott dauern mittlerweile Jahre an. Bisher gibt es keine anklagetaugliche Grundlage zu den Vorwürfen, am Mittwoch setzte es eine deftige Klatsche für die Ermittler. Was das mit der eingeschlafenen „Suche“ nach Jan Marsalek zu tun haben könnte:

Benjamin Weiser

Wien, 25. Mai 2022 | Jan Marsalek ist offiziell der meistgesuchte Österreicher der Welt. Der Ex-Wirecard-Vorstand gilt als Drahtzieher einer kriminellen Bande, die viele Menschen in die Pleite jagte. Aber eigentlich wird er gar nicht gesucht. Zumindest nicht so richtig, folgt man jüngsten Medienberichten aus Deutschland. Demnach war sich der BND nicht ganz sicher, ob er sich auf ein angebliches Gesprächsangebot mit Marsalek einlassen sollte – aus Angst vor einer Falle der Russen.

Ob Österreich Marsalek je richtig gesucht hat, wird wohl für immer das Geheimnis der Behörden bleiben. Soll er doch in Moskau bleiben, dann packt er wenigstens nicht aus.

Einfacher scheint es, einen vermeintlichen Helfershelfer Marsaleks zu jagen: Egisto Ott. Für die Ermittler war der Ex-Verfassungsschützer gleichzeitig Spion für Russland und Marsalek, aber auch Hintermann der BMI-Chats und des BVT-Skandals. Ein Genie von Staatsfeind, folgt man dieser Lesart. In den Ermittlungsakten sind interessante Spuren und dubiose Vorgänge dokumentiert – anklagetauglich war bisher aber nichts. Und das trotz exzessiver, mehrjähriger Ermittlungen.

Einige Aktenteile sind voneinander abgetrennt, es gibt etliche Einvernahmen und Nebenstränge. Dass sich selbst die in der Causa Vertrauten nicht komplett auskennen, dürfte wohl Teil der Ermittlerstrategie sein. An deren Ende könnte ein Mann stehen, der auf einen Schlag viele Affären umgehängt bekommt.

Ob Ott schuldig ist oder nicht, müssen ohnehin die Gerichte klären. Dafür bräuchte es aber erst einmal eine Anklage. Die einzige, die es bis dato gab, endete am Mittwoch prompt mit einem nicht rechtskräftigen Freispruch für Ott. Im Fokus: Der Kampf um die Deutungshoheit der Razzia in Otts Wohnung. Der Nebenstrang hat mit den eigentlichen Spionagevorwürfen nichts zu tun, das Wiener Verwaltungsgericht hatte das Vorgehen der Polizisten überdies schon zuvor für rechtswidrig erklärt – eine Farce, dass hier dennoch Anklage wegen angeblicher Falschaussage erhoben wurde.

Man gewinnt den Eindruck, dass es sich beim ehemaligen BVT-Mann um das einfachste Opfer handelt. Immerhin verweilt sein Ex-Kollege Martin Weiss – den Akten nach in engerem Kontakt zu Marsalek als Ott – im sonnigen Dubai. Vergangenes Wochenende bekam Weiss zudem die Möglichkeit, sich medial zu inszenieren. Das ist sein gutes Recht.

Warum mit dem einst mächtigen Ex-BVT-Abteilungsleiter der wohl dickere Fisch im Teich der Emirate schwimmen darf und Marsalek in einem Moskauer Villenviertel verweilen kann, während Ott seit Jahren verfolgt wird, sollte das Innenministerium (BMI) bei Gelegenheit der Öffentlichkeit erklären. Immerhin waren Putins Freunde in der Vergangenheit gern gesehene Gäste des BMI-Netzwerks. Marsalek übrigens auch.

Titelbild: APA Picturedesk

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