Dienstag, Februar 7, 2023
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Heute fäut´s im Botanischen Garten – Der »Penis« blüht im Livestream

Der »Penis« blüht im Livestream

Zum ersten Mal blüht im Botanischen Garten der Universität Wien ein bestialisch stinkende “gigantischer unförmiger Penis”. Aber nur mehr bis Montagabend kann man ihn in seiner Pracht bestaunen – auch im Livestream.

Wien, 30. Mai 2022 | Die Blüte des Titanenwurz begann am Sonntag um 14.30 Uhr im Botanischen Garten in Wien. Der Blütenstand kann mehr als drei Meter hoch werden und zählt zu den größten Blumen der Welt. Neben der beeindruckenden Größe fällt er durch einen bestialischen Gestank auf. Die Blütezeit währt nur etwa zwei Tage und ist laut den Forschenden eines der spektakulärsten Naturereignisse überhaupt.

“Unförmiger Penis” stinkt nach Verwesung

Die Pflanze, deren lateinischer Name Amorphophallus titanum “gigantischer unförmiger Penis” bedeutet, kann daher laut Uni Wien nur bis Montagabend besichtigt werden. Die Titanenwurz aus der Familie der Aronstabgewächse kommt aus Indonesien und lockt dort mit ihrem riesigen Blütenstand winzige Insekten an, die als Bestäuber dienen. Der große Kolben an der Spitze des Blütenstands erwärmt sich dabei und setzt einen bestialischen Gestank frei, der an einen verwesenden Kadaver erinnert.

Warum stinkst du so?

Seit 2019 wächst ein Exemplar im Botanischen Garten der Universität Wien. Die Pflanze kommt aus dem Botanischen Garten der Universität Salzburg, wo sie 2019 geblüht hat. Damals erreichte der Blütenstand eine Höhe von über zwei Metern. Die riesige Knolle der Pflanze hat seit ihrem Umzug nach Wien ihr Gewicht auf 80 Kilogramm verdoppelt.

Während der kurzen Zeit der Blüte führen Experten nun verschiedene Untersuchungen zur Bestäubungsbiologie der riesigen Blume durch, wie Florian Etl von der Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik der Uni Wien am Montag im Gespräch mit der APA erklärte. Die Strategie der Titanenwurz ist es höchstwahrscheinlich, mit dem bestialischen Gestank Aaskäfer, die ihre Eier in Kadavern ablegen, anzulocken, sie rund 24 Stunden im unteren Teil der riesigen Blüte festzusetzen und dann als Träger ihrer Pollen wieder in die Umwelt zu entlassen. Dazu gebe es wenige Beobachtungen aus Sumatra.

Experten gehen auch davon aus, “dass es eine Fallenblume ist”, wie auch einige andere Aronstab-Gewächse, sagte Etl. Dazu zählen übrigens auch der in Österreich heimische Gefleckte Aronstab oder Zimmerpflanzen wie Philodendron oder Calla. Die Fallen-Theorie wurde für die Titanenwurz allerdings “noch nie wirklich bewiesen”. Dazu muss gezeigt werden, dass sich auf der Innenseite der kesselartigen Struktur Rutschflächen befinden. Um zu beweisen, dass es sich um eine “Kesselfallenblume” handelt, entnahmen die Botaniker am Sonntag und Montag Schnitte von dem Kessel, dem prominenten Stab in der Mitte sowie den Blüten, die dann unter dem Elektronenmikroskop analysiert werden. Außerdem dokumentieren sie, wie es auf der Pflanze ausgesetzten Käfern ergeht.

Gerade gestern – dem Tag mit dem stärksten Geruch – ließen sich womöglich beispielsweise rutschige Wachse finden, die bei Kontakt mit Insektenbeinen quasi abreißen, und die Tiere von der Gleitfläche am Kesselrand tiefer hinunter zu den Tausenden kegelförmigen weiblichen Blüten befördern. Der erste Tag der Blüte könne als “weiblicher Tag” bezeichnet werden, an dem sich die Pflanze bemüht, besonders zu stinken und damit Käfer anzulocken, die hoffentlich männliche Pollen von Artgenossen tragen.

Nur mehr bis Montagabend

Am heutigen Montag folgt der “männliche Tag”, an dem die Pollen der aktuell blühenden Titanenwurz einen Träger suchen. Daher müssen die Aaskäfer gefangen bleiben. Die Pollen werden die Wiener Forscher dann sammeln und ebenso analysieren. Sie lassen nämlich auch Rückschlüsse auf den Bestäuber zu. Nach rund 24 Stunden in der Blüte können die Käfer dann wieder entkommen und sich auf den Weg zu einer anderen solchen, synchronisiert blühenden Pflanze machen. Diese sind jedoch eher selten in Sumatras Wäldern, was erklärt, warum sie sich derartige Mühe gibt, den Aasgeruch in der restlichen Umgebung zu toppen.

Das Kalthaus des Botanischen Gartens am Rennweg 14 ist am Montag noch von 10.00 bis 23.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro (nur Bargeld). Das gesamte Kalthaus wird wegen der Blüte bis in den späten Abend statt wie üblich bis 15.00 Uhr geöffnet, damit Besucher die Pflanze aus der Nähe sehen und riechen können.

(bf/apa)

Titelbild: screenshot/Botanischer Garten youtube

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Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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