Dienstag, Juli 23, 2024

»Ich will Blut sehen!« – Wollte Takacs Polizisten »köpfen«?

Wollte Takacs Polizisten »köpfen«?

Innenminister Sobotka wütete, weil ihm erfolgreiche Drogenfahnder die Show stahlen. Kabinettschef Kloibmüller wollte daraufhin im Wiener LKA aufräumen und beauftragte seinen „Mann fürs Grobe“: Takacs, den später designierten Bundespolizeidirektor.

Wien, 09. Juni 2022 | Die BMI-Chats zeigen, wie grob die politische Kommunikation des Sobotka-Kabinetts war. Eine Rolle spielt auch der designierte Bundespolizeidirektor Michael Takacs. Teile der Takacs-Nachrichten sind in der Vergangenheit medial durchgesickert – die ganze Tragweite ist allerdings noch nicht bekannt.

Am 30. Dezember 2016 tobt Innenminister Wolfgang Sobotka: Drogenhändler Wien und OÖ aufgeklärt, alles ohne uns, einfach eine Sauerei. Medienberichten zufolge haben Wiener Kriminalpolizisten gerade einen Drogenring zerschlagen, fünfzig Verdächtige festgenommen und 21 Kilogramm Suchtgift, Kokain und Heroin, sichergestellt.

Sobotkas Wut gilt nicht dem Fahndungserfolg, sondern einem einfachen Umstand: Der Minister war nicht dabei und kann sich jetzt auch nicht feiern lassen. Folgt man den BMI-Chats, weiß Sobotka prompt, was zu tun ist:

1. stellt so was endlich ab
2. Gratulation an die Fander (sic!) Termin im Min
3. erfahre schwerwiegende Verbrechen immer erst von Journalisten , warum ist es nicht möglich Infos zeitgleich zu verteilen,( Delikte von Asylw)
Wir haben noch viel Arbeit

Der Ministerbefehl scheint klar: Sobotka will von Anfang an dabei sein, am besten bei „Delikten von Asylwerbern“. Adressat des Befehls ist Michael Kloibmüller. Der Kabinettschef antwortet seinem Minister sofort: Seh ich auch so. War heute schon vorm durchdrehen!!!

Kloibmüller will „Blut sehen“

Kloibmüller gibt den Befehl des HBM, des Herrn Bundesministers, an Michael Takacs, den „Mann fürs Grobe“ im Sobotka-Kabinett, weiter: Wir haben noch viel Arbeit. Kann da hbm nur recht geben. Wie gibt’s das? Takacs reagiert sofort: …hab mich heute auch schon geärgert… im Jänner gibts eine Föhnwellen für einige Damen und Herren… Lg Taki

Kloibmüller fragt Takacs: Was machst? Taki antwortet: Jänner ein Meeting im KBM mit der ÖA WIEN und BMI und unserer Presse… dann werde ich das LKA zu mir ziehen, damit ich künftig alles vorher bekomme… So einfach geht das: Kabinettsmitarbeiter Takacs dirigiert die „ÖA“, die Öffentlichkeitsarbeit und „zieht“ zusätzlich – ohne jede Zuständigkeit und Rechtsgrundlage – das Landeskriminalamt „an sich“. Aus der Wiener Kriminalpolizei soll so ein Propagandainstrument des Ministers werden.

Kloibmüller macht Druck: Paßt sonst geh ich dazu. Mir reichts. Taki weiß, was sein Chef will: Brauche dich zur Eskalation…wir wissen beide, dass sowas wieder passieren wird…nur dann müssen wir wirklich einen köü – Takacs hat sich vertippt und korrigiert fünf Sekunden später: Köpfen. Kloibmüller ist begeistert: Ja ich will jetzt aber Blut sehen. Takacs ist bereit: Das wirst du, wenn du mir Backup gibst… Der Kabinettschef ist zufrieden: Passt.

Chatverlauf nachgestellt – Montage: ZackZack/am, bf.

Von den BMI-Chats an die Spitze

Gegenüber ZackZack wollten weder Takacs, noch Sobotka oder Kloibmüller eine Stellungnahme abgeben. Im „Kurier“ wurde Takacs konkret auf den „Blut-Chat“ angesprochen, den der „Standard“ bereits veröffentlicht hatte. Dort spielte Takacs seine Wortwahl herunter: „Das ist der Umgangston von Führungskräften im Polizeibereich, wenn man sich gut und lange kennt. Wenn wir sagen, der ‘muss bluten’, heißt das nichts anderes, als dass er eine Disziplinarmaßnahme erfahren muss, weil er einen Dienstanweisungserlass nicht umsetzte.“

So oder so: Das ganze Ausmaß der Takacs-Chats werfen ein schiefes Licht auf den Chefpolizisten in spe. Spricht man mit Insidern, ist die polizeiliche Message Control in den darauffolgenden Jahren offenbar immer stärker geworden.

Takacs selbst gilt als linientreuer, ÖVP-naher Polizist, der laut BMI-Chats augenscheinlich dort eingreifen will, wo Partei und Minister es wollen. Dabei geht manchmal etwas schief. Als die Sobotka-Kabinettsmitarbeiterin Katharina Nehammer am 10. Juli 2017 beim Schaukeln ihres Kanus drei Sobotka-Mitarbeiter und ihre Handys in der Donau versenkt, bringt Takacs die Geräte zum Trocknen ins BVT.

Von dort aus gelangen die BMI-Chats des Kloibmüller-Handys über Umwege zu ZackZack. Jetzt gibt es Ermittlungen gegen Sobotka und Kloibmüller, es gilt die Unschuldsvermutung.

Aber auch im Innenministerium sind die Personalreserven der Partei erschöpft. Nach einer kurzen Zwischenstation als Nehammers Ukraine-Flüchtlingskoordinator soll Takacs jetzt Chef der gesamten Polizei werden. Am 2. Juni 2022 stellte ihn Innenminister Gerhard Karner als designierten Bundespolizeidirektor vor. Takacs‘ fachliche Qualifikation gelten ressortintern als eher übersichtlich. Aber Takacs kann eines liefern: Treue zur ÖVP-Familie.

(pp/wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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