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Wegen Pandemie:

Jedes zehnte Kind kann nicht schwimmen

Weil während der Pandemie viel Schul-Schwimmunterricht ausfiel, können heute mehr Kinder nicht schwimmen als vor Corona. Alarmierend, denn Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste Todesursache bei Unfällen.

Wien, 09. Juni 2022 | Weil während der Corona-Pandemie teils kein Schwimmunterricht an Schulen abgehalten wurde, kann mittlerweile jedes zehnte Kind in Österreich nicht schwimmen. Das hat eine aktuelle Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) ergeben.

Laut KFV gibt es im Schwimmunterricht und in der Schwimmfrequenz aller Altersgruppen starke Defizite. Das Kuratorium fordert unbürokratische Maßnahmen, um „jedem Kind in Österreich das Schwimmen als Überlebenstechnik zugänglich zu machen“.

Millionen Schwimmstunden auch 2022 ausgefallen

Zwar haben sich die Zahlen gegenüber 2020/2021 im Jahr 2022 etwas verbessert, „wir liegen dennoch in der Altersgruppe der Kinder beim Schwimmen lernen und bei der Schwimmfrequenz weit unter dem Vor-Corona Niveau“, so Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin der Abteilung Sportsicherheit im KFV. Hier bestehe weiterhin dringender und vor allem nachhaltiger Handlungsbedarf. Denn im ersten Pandemie-Jahr fiel der Schwimmunterricht komplett aus. Im zweiten Jahr wurde das Angebot zwar leicht erhöht, aber immer noch fallen Millionen an Schwimmstunden aus, wie das KFV erhoben hat.

Laut KFV ertrinken pro Jahr im Schnitt zwischen 22 und 47 Personen in Österreich. Unter tödlichen Kinderunfällen sei Ertrinken sogar die zweithäufigste Todesursache in Österreich, wie es in einer Aussendung am Freitag hieß.

Schwimmern fehlt die Übung

Laut KFV gehen Menschen aller Altersgruppen in Österreich nach wie vor wesentlich weniger schwimmen als noch vor der Pandemie. Besonders finanziell schlechter gestellte Bevölkerungsgruppen hatten in den vergangenen Jahren die wenigsten Möglichkeiten schwimmen zu gehen.

Bei den Kindern bedeute das, dass sie zwar theoretisch schwimmen könnten, aber zu wenig Übung haben, um dabei auch wirklich sicher zu sein, so Trauner-Karner: „Das ist vor allem für Eltern und Aufsichtspersonen ein wichtiger Gefahrenhinweis, das Können ihrer Kinder nicht zu überschätzen.“ Um zu verhindern, dass auf Dauer vor allem Kinder finanziell schlechter gestellter Familien, denen das Geld für Privatkurse fehlt, nicht schwimmen können, braucht es „auf allen Ebenen Anstrengungen“, so Trauner-Karner. Sie fordert Förderungsunterstützungen, unbürokratischen Zugang zu Wasserflächen, Bädern und Unterstützung der Schulen bei verstärkten Schulschwimmausbildungen.

Wien startete Schwimm-Initiative

Die Stadt Wien hat bereits im April die Initiative „Wien schwimmt!“ vorgestellt, die den ausgefallenen Schwimmunterricht ausgleichen soll. In den Sommerferien werden in verschiedenen Bädern zehntägige Intensiv-Schwimmkurse stattfinden. Das Angebot steht allen Kindern offen, die in den vergangenen drei Schuljahren die dritte Volksschulklasse besucht haben und deren Schwimmunterricht wegen der Bäderschließungen ausgefallen ist. Es können dabei auch offizielle Schwimmabzeichen abgelegt werden. Die Kurse kosten 25 Euro.

Außerdem schenkt die Stadt Wien allen Kindern, denen auch der Schwimmunterricht offenstehen würde, die Aktionskarte „Wien schwimmt!“. Damit können sie und eine erwachsene Begleitperson zwischen Juli und September sechs Mal kostenlos in Hallen- oder Freibäder der Stadt Wien gehen.

(pma)

Titelbild: APA Picturedesk

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4 Kommentare
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Toni
9. 06. 2022 23:01

Das sind ja ganz neue Töne im ZZ. Haben die jetzt im dritten Pandemiejahr ihr Herz für die Kinder entdeckt? Aber keine Sorge, der Gesundheitsminister hat bereits vorausgesagt, dass im Herbst wieder die Masken in den Schulen kommen werden. Dafür gibt’s auch garantiert keine Luft- oder Aerosolfilter in den Schulklassen. Die Traumatisierung wird munter weiter gehen im Herbst. Dank Rauch und Co.

Dealer
9. 06. 2022 17:31

Mir wurde gerade dieser Link zugepielt:
https://www.youtube.com/watch?v=tMKvvtcH0kY

Ich glaube der Wahnsinn fängt wohl erst richtig an?

Samui
9. 06. 2022 23:51
Antworte auf  Dealer

Aha

Sinclai
9. 06. 2022 21:33
Antworte auf  Dealer

Der Maßnahmenstaat verdrängt den Rechtsstaat. Aber wenn du dazu in Innsbruck auf eine Demo gehst, siehst du zurzeit gerade mal 30 Leute stehen.
Es passt das Sprichwort, “…wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.”