»Komplett vermurt und überflutet«

Zivilschutzalarm in Teilen Kärntens

Schwere Unwetter trafen in der Nacht auf Mittwoch Teile Kärntens mit voller Wucht. Besonders schlimm ist die Situation in den Gemeinden Treffen und Arriach. Bilder und Videos zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

Treffen, 29. Juni 2022 | Heftiger Regen hat in der Nacht auf Mittwoch Muren und Überflutungen in Kärnten ausgelöst. Ganze Ortschaften wurden dadurch komplett verwüstet. Besonders schlimm traf es den Bezirk Villach-Land. In Treffen am Ossiacher See und in der Gemeinde Arriach wurde noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben.

Suche nach eingeschlossenen Personen

Die Bewohner wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben – im Freien herrsche Lebensgefahr. “Mehrere Bäche sind über die Ufer getreten. Der Großraum Treffen ist komplett überflutet und vermurt”, sagte Hans-Jörg Rossbacher von der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) Mittwochfrüh auf APA-Anfrage. Im Netz kursierende Videos zeigen das Ausmaß der Verwüstung. Tatsächlich handelt es sich im folgenden Video um Aufnahmen aus Treffen, und nicht wie angegeben aus Arriach.

Durch ein Vergleichsbild, das der Twitter-Kanal “Unwetter Freaks” am Mittwoch gepostet hat, wird die dramatische Situation in der Ortschaft noch deutlicher sichtbar.

Ein Einsatzstab wurde einberufen, er tagte im Feuerwehrhaus in Treffen. Erstes Ziel der rund 30 Feuerwehren, die in dem Gebiet im Einsatz sind, war vorerst, Häuser zu erreichen, in denen noch Personen eingeschlossen sind. Wie viele Gebäude genau betroffen sind, konnte man vorerst nicht sagen. In den frühen Morgenstunden startete ein Polizeihubschrauber zu Erkundungsflügen, auch das Bundesheer wurde angefordert.

Häuser teilweise komplett abgeschottet

Neben der Feuerwehr war auch das Rote Kreuz seit 4 Uhr früh im Einsatz. Was den Einsatz aber enorm erschwert, sind die Vermurungen: “Ab dem Feuerwehrhaus Treffen kommt man nicht mehr weiter. Es kommt kein Fahrzeug durch, man braucht schweres Gerät”, so Rot-Kreuz-Sprecherin Melanie Reiter gegenüber der APA. Neben der Katastrophenhilfsmannschaft ist das Rote Kreuz auch mit einem Kriseninterventionsteam im Gegendtal.

Die Situation in Treffen (Bilder: APA)

In nur drei bis vier Stunden hatte es auf der Flattnitz 93 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. In Villach waren es 97 Liter und in Arriach 118 Liter, sagte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Klagenfurt: “Damit hat es hier in nur wenigen Stunden so viel geregnet wie in einem durchschnittlichen gesamten Juni.”

ZAMG: “100-jährliches Ereignis”

Seit Messbeginn der jeweiligen Wetterstation gab es laut ZAMG noch nie so große Regenmengen in so kurzer Zeit. In Villach wird seit dem Jahr 1930 gemessen, auf der Flattnitz seit 1971 und in Arriach seit 1990. Statistisch gesehen könne man von einem Ereignis sprechen, das ungefähr alle 100 Jahre zu erwarten ist, erklärte Hohenwarter. Der Wetterausblick für das betroffene Gebiet war vorerst nicht optimal: Bevor sich das Wetter am Donnerstag beruhigt, sind in Kärnten, der Steiermark und Teilen von Ober- und Niederösterreich noch weitere Regenschauer und Gewitter möglich.

Bereits am Dienstagabend hatten die Unwetter in Kärnten begonnen. In Villach, den Bezirken Villach-Land und Feldkirchen sowie rund um den Millstätter See und in Bad Kleinkirchheim rückten 70 Feuerwehren zu 150 Einsätzen aus. Besondere Probleme bereitete Sturm mit teilweise orkanartigen Böen bis 128 Kilometer pro Stunde. Bäume stürzten um und ganze Dächer wurden abgedeckt. Laut Polizei wurden auch Stromkabel gekappt. Wie zum Beispiel in Ferlach: Durch einen Blitzschlag stürzte eine 15 Meter hohe Linde auf eine Oberstromleitung. Durch die Zugkraft der niedergedrückten Stromleitung wurden die Dächer von zehn Gebäuden beschädigt, weil die Dach-Stromhalterungen ausrissen.

(mst/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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4 Kommentare
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nikita
29. 06. 2022 15:14

War als Kind einmal von Hochwasser eingeschlossen und unser Haus drohte weggerissen zu werden. Ein Nachbarhaus wurde durch eine Verklausung total zerstört und mitgerissen. Wir konnten erst nach 8 Stunden von der Feuerwehr gerettet werden.
Jedesmal, wenn ich so etwas sehe, erscheinen wieder die Bilder und Gefühle.
Die Menschen die das erleben müssen tun mir unendlich leid.

baer
29. 06. 2022 15:26
Antworte auf  nikita

Stelle ich mir schrecklich vor. Alleine die Geräusche wenn sich so eine Mure ihren Weg bahnt. Ich war zweimal bei einem Brand dabei. Wer so etwas noch nie erlebt hat der hat keine Vorstellung von der Kraft der Elemente.

nikita
29. 06. 2022 15:39
Antworte auf  baer

Das ist richtig. Man hat keine Vorstellung mit welcher Geschwindigkeit und Wucht Wasser, mit Geröll bzw. was es schon alles mitgenommen hat, auftrifft. Wir hatten großes Glück, dass das Unwetter aufhörte, bevor das Wasser 1cm unter den Fenstern aufhörte zu steigern und es eindringen hätte können. Im Normalzustand ist es ein kleiner Bach der dieses Desaster angerichtet hatte. Jetzt fließt das Bächlein wieder, als wäre nie etwas passiert.
Die Natur ist unberechenbar.
Auch einen Brand möchte ich nie erleben, was für ein Alptraum.

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von nikita
baer
29. 06. 2022 11:43

Die Menschen müssen Todesangst gehabt haben.