Immo-Gruppe Adler weiter unter Druck

Zahlreiche Immobilien verkauft

Die hoch verschuldete Immo-Gruppe Adler kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt hat man Immobilien in Berlin verkauft, um die Kassen zu füllen. Der berühmte Wirecard-Shortseller Fraser Perring setzt die Gruppe seit einiger Zeit unter Druck.

Wien, 30. Juni 2022 | Die angeschlagene deutsche Immo-Gruppe Adler trennt sich von Immobilien in Berlin. Demnach habe man ein Immobilien-Portfolio mit rund 1.200 Einheiten in der deutschen Hauptstadt verkauft. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag selbst mit.

Das Portfolio sei mit einem Abschlag von rund zwei Prozent zum Buchwert veräußert worden, heißt es. In die klammen Adler-Kassen flössen dadurch rund 170 Millionen Euro. „Die Transaktion trägt zum erklärten Ziel bei, die Liquiditätsposition im Jahr 2022 und darüber hinaus weiter zu verbessern“, so das Management.

Adler enorm unter Druck

Die Adler Group steht seit einiger Zeit unter Druck. Die Wirtschaftsprüfer der KPMG hatten das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert und wollen nicht mehr mit dem Konzern zusammenarbeiten. Ohne Testat sei die Adler Group laut Verwaltungsrats-Chef Stefan Kirsten von den Bank- und Kapitalmärkten abgeschnitten.

Hinter Adler soll Medienberichten zufolge der österreichische Investor Cevdet Caner stehen. Der soll dort zwar keine offizielle Funktion haben, soll aber als eine Art „Strippenzieher“ im Hintergrund fungieren, wie auch Wirecard-Aufdecker Fabio De Masi im ZackZack-Interview betonte.

So oder so: die Gruppe muss sich neue Wirtschaftsprüfer suchen. Zum Ende des ersten Quartals lag der Verschuldungsgrad der Adler Group bei 52 Prozent.

Wirecard-Shortseller lässt nicht locker

In der Vergangenheit war Adler auch ins Visier des britischen Shortsellers Fraser Perring geraten. Kein gutes Zeichen, denn Perrings aggressive Leerverkaufs-Strategien sind gefürchtet. Er hatte schon bei Wirecard dubiose Machenschaften gewittert– der Rest ist bekannt.

Was macht den Briten so gefährlich für Adler? Vereinfacht gesagt wetten Shortseller („Leerverkäufer“) auf fallende Kurse. Dabei werden Aktien, von denen man glaubt, dass sie fallen, zunächst geliehen. Im Anschluss werden sie verkauft und zu einem späteren Zeitpunkt, allerdings noch vor dem vereinbarten Rückgabetermin, günstiger zurückgekauft.

Perring sieht bei Adler laut einem Report seiner Analysefirma Viceroy aufgeblähte Bilanzen und dubiose Deals zulasten der Aktionäre und Gläubiger. In der „Bild“-Zeitung sagte er jüngst: „Den Adler-Aktionären droht der Totalverlust“.

In den vergangenen Monaten hat die Adler-Aktie deutlich an Wert eingebüßt. Zwischenzeitlich stürzte sie auf 3,90 Euro ab, derzeit liegt sie bei etwa 7 Euro.

(wb/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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3 Kommentare
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plot_in
1. 07. 2022 0:35

Wenn der Hai den Thunfisch frisst. Wenn Adler ähnlich wie wirecard aufgebaut ist, dann ist Adler zurecht in Bedrängnis. Aber “dubiose Geschäfte” sagen nichts aus, sie beeinflussen vielleicht den Kurs eines Unternehmens, aber die Aussage deckt nichts auf. Damit ist Perring ebenso gefährlich wie Adler.

Diese Leerverkäufer sind ein Übel, sie können auch ganz anstädige Unternehmen in den Ruin treiben. Perring scheint Informationen zu haben, die wir nicht haben. Entweder es wird ihnen etwas zugesteckt, dann kommen nur Nachrichtendienste in Frage, die eine eigenes Interesse haben, oder sie verfügen selbst über einen privaten Nachrichtendienst, was sie auch nicht vertrauenswürdiger macht.

Und gerade weil da gar so viel im Dunkeln liegt, benötigen wir die nächste Offenlegung, um den ganzen Fall einordnen zu können.

Hubs
30. 06. 2022 19:36

Als nächster ist der Benko mit seiner SignaMafia dran.

plot_in
1. 07. 2022 0:36
Antworte auf  Hubs

Das kann gut sein.