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Massiver Personalmangel:

Kinder- und Jugendhilfe schlägt Alarm

Immer mehr Betreuungs-Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe müssen geschlossen werden. Obmann des Dachverbands der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe Gerald Herowitsch-Trinkl nennt die Lage „katastrophal“.

Wien, 29. Juli 2022 | Der Dachverband der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe (DÖJ) schlägt Alarm: Wegen massiven Personalmangels müssten immer mehr Einrichtungen geschlossen werden. Die gesamte Kinder- und Jugendhilfe (KJH) werde “selbst als gefährdet gesehen”, hieß es am Freitag in einer Aussendung des Dachverbands. “Es ist katastrophal”, sagte dessen Obmann Gerald Herowitsch-Trinkl im „Journal um 8″ auf „Ö1“.

„Sinkendes Schiff“

In mehreren Bundesländern wurden dem Dachverband zufolge sogenannte Gefährdungsmeldungen beim öffentlichen Träger der KJH abgegeben. Diese ergehen bei den jeweiligen Jugendämtern, wenn das Wohl eines Kindes gefährdet erscheint. Das Personal verlasse “das sinkende Schiff”, es werde immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.

Das führt einerseits dazu, dass Einrichtungen gesperrt werden müssen. So sind in Wien laut „Ö1“-“Morgenjournal” derzeit zwei Krisenzentren geschlossen. Geplante Krisenzentren können andererseits nicht eröffnet werden. Besonders prekär ist demnach die Situation in der Steiermark und Salzburg. Aus allen drei Bundesländern gab es dem Bericht zufolge auch Gefährdungsmeldungen die gesamte KJH betreffend an die jeweiligen Landesbehörden.

Kinderschutz nicht gewährleistet

Laut DÖJ könnten Personalabgänge kaum ersetzt werden, auch wenn die Qualitätsanforderungen an das fachliche Personal maximal reduziert seien. Die Leidtragenden sind die Kinder: “Es ist definitiv jetzt schon Thema, dass Kinder und Jugendliche, die schwer traumatisiert sind und die dringend Hilfe brauchen, einfach keine Unterstützung finden, die zu Hause bleiben und keinen Platz finden”, so Herowitsch-Trinkl.

In Krisenzentren in Wien bedeute das etwa “Matratzen auf dem Boden, fehlende Schreibtische zum Lernen und einen eklatanten Mangel an Platz, Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten, Kleinkinder neben psychiatrisch auffälligen Kindern oder delinquenten Jugendlichen”. Seit Bestehen des DÖJ haben man die Situation noch nie so dramatisch gesehen. „Der Kinderschutz kann unter diesen Bedingungen nicht mehr aufrechterhalten werden”, sagte Herowitsch-Trinkl.

Pandemie und Inflation treiben die Krise

Er machte darauf aufmerksam, dass die Pandemie und die Inflationswelle zu den Treibern der Krise gehören. Gerade ohnehin armutsgefährdete Familien und Kinder seien von der Inflation am stärksten betroffen. “Der größte Teil der Kinder in der stationären Jugendhilfe kommt aus Familien mit prekären finanziellen Verhältnissen”, so der DÖJ. Dazu komme, dass durch die Pandemie Sozialarbeiter nur sehr eingeschränkt Zugang in die Familien hatten und nur sehr langsam nun dies nachholen könnten, zumal auch in diesem Bereich eklatanter Arbeitskraftmangel herrscht.

DÖJ-Obmann: „Es braucht viele Schritte“

Herowitsch-Trinkl bedauert, dass der Bund die Kompetenzen der KJH in die Hand der Bundesländer gelegt hat. “Jedes Land, macht was es will”, konstatierte der DÖJ-Obmann. “In allen Bundesländern ist die Personalnot massiv.” Er forderte ein bundeseinheitliches Krisenmanagement in der Kinder- und Jugendhilfe, die Wiedereinführung eines Bundes-Kinder- und Jugendhilfe-Gesetzes und die Bereitstellung von Bundesmitteln.

Im “Journal im 8” plädierte Herowitsch-Trinkl außerdem dafür, den Beruf der Sozialpädagoginnen und -pädagogen in die Liste der Mängelberufe aufzunehmen, damit es eine Förderung des Arbeitsmarktservice (AMS) für die Ausbildung gebe. “Das wäre ein erster Schritt, es braucht aber viele Schritte.”

(apa/pma)

Titelbild: APA Picturedesk

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7 Kommentare
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Vurscht
29. 07. 2022 18:21

Den Ländern bitte das Terrain wegnehmen, danke.

Vernunft
29. 07. 2022 11:47

Es ist ein Hilferuf, den Hr. Herowitsch da aussendet und alles was er da ausführt, ist richtig. Bis auf eine Ungenauigkeit: Nicht “die Pandemie” war Treiberin der Krise, sondern die evidenzbefreiten Massnahmen gegen diese Pandemie, so man sie denn so nach den geänderten WHO-Definitionen nennen will. Homeschooling, Homeoffice, Distanzpflichten, Besuchsverbote, Ausgehverbote, permanentes Testen, Angstmachen und zwar bewusstes Angstmachen, Quarantänen weil man einen Test-Positiven gekannt hat, häusliche Gewalt mitansehen müssen, Lockdowns und verzweifelte Eltern, Impfdruck, Impfzwang besser gesagt, das hat diese Krise erst extrem verschärft, nicht die Krankheit selber.

Vurscht
29. 07. 2022 18:22
Antworte auf  Vernunft

Alles für Ihre Agenda, gell und gleichzeitig einen auf empathisch machen. Wäh.

Unbekannt
29. 07. 2022 11:17

Bald 2 1/2 Jahre wird auf die Kinder gesch…. weil sich ein paar Hysteriker in die Hose machen. Gerne tausche ich das Kinderwohl gegen diese selbstsüchtigen Solidaritätsbrüller, die in Wirklicheit nur angsterfüllte Egoisten oder einfach nur Kinderhasser (Virenschleudern, CO2-Schleudern, Abtreibung bis vor die Geburt, …) sind. Immerhin hat Rauch das mit den Kindern kapiert, nachdem bereits seit über 1 1/2 Jahren gewarnt wird.

RosaRosine
30. 07. 2022 15:41
Antworte auf  Unbekannt

Danke, bin schon völlig verzweifelt was man meinen Enkelkindern antut.Die Volksschullehrerin meines jüngsten Enkelkind hat den Kondern erklärt das die Oma tot umfällt wennsie als ungeimpftes Kind damals 8 die Oma umarmt.Hat Monate gedauert der Kleinen die Angst zu nehmen.

John Wick
29. 07. 2022 11:20
Antworte auf  Unbekannt
accurate_pineapple
29. 07. 2022 11:06

Das kann man bei der korrupten schwarzen Brut vergessen. Steuergeld für den Pöbel bereitstellen geht gar nicht. Das wird für PR, Umfragen und Grosspender gebraucht.