Nach Sturm auf Kapitol:

Sieben Jahre Haft für Trump-Chaoten

In den USA wurde die bisher längste Haftstrafe gegen einen Verschwörer aus dem Trump-Lager ausgesprochen. Guy Reffitt muss für seine Führungsrolle beim Sturm aufs Kapitol mehr als sieben Jahre hinter Gitter.

Washington, 2. August 2022 | Die Aufarbeitung des Sturms auf das Kapitol am 6. Jänner 2021 ist immer noch in vollem Gange. Jetzt ist ein Mitglied einer rechtsextremen Miliz zu mehr als sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden – die bisher höchste Freiheitsstrafe im Rahmen der Gerichtsprozesse, die sich mit dem 6. Jänner 2021 beschäftigen. Eine US-Bundesrichterin verhängte am Montag in Washington eine 87-monatige Haftstrafe gegen Guy Reffitt von der Miliz Three Percenters.

Anstifter des Mobs

Der 49-Jährige war bereits im März schuldig gesprochen worden, eine Schusswaffe nach Washington mitgebracht und Polizisten angegriffen zu haben. Er wurde auch verurteilt, weil er seinen Sohn und seine Tochter bedroht und davor gewarnt hatte, zur Polizei zu gehen. “Verräter werden erschossen”, sagte er zu seinem 18-jährigen Sohn, der trotzdem bei der US-Bundespolizei FBI und dann vor Gericht gegen seinen Vater aussagte.

Reffitt war der erste Angeklagte, dem wegen der Gewalt vom 6. Jänner 2021 der Prozess gemacht worden war. Videos zeigen, wie der Texaner, der in der Ölindustrie arbeitet, sich auf den Stufen des Kapitols Auseinandersetzungen mit Polizisten lieferte und andere Putschisten anstachelte. Die Anklage hatte ihn während des Prozesses als „Speerspitze dieses Mobs” bezeichnet. „Er hat das Streichholz angezündet, das das Feuer entfacht hat“, deutete die Anklage zudem metaphorisch an.

Gewalt nach Wahlniederlage

Radikale Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hatten das Kapitol gestürmt, als dort der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 endgültig bestätigt werden sollte. Insbesondere bewaffnete Milizen mit rechtsradikalen Tendenzen waren präsent. Die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten und rund 140 verletzten Polizisten sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Nicht nur die US-Justiz, sondern auch ein eigens dazu eingesetzter Untersuchungsausschuss befasst sich mit dem Sturm aufs Kapitol. Das Gremium hielt in den vergangenen Wochen eine Reihe von öffentlichen Sitzungen ab, bei denen Trump und sein Umfeld schwer belastet wurden. Die Abgeordneten werfen Trump vor, zu der Gewalt angestachelt und dem Treiben seiner Anhänger dann keinen Einhalt geboten zu haben. Trump hatte seine demokratische Abwahl nicht akzeptieren wollen.

Tochter sieht Schuld bei Trump

Unmittelbar nach dem Schuldspruch wurde ein Video publik, in dem eine der beiden Töchter Reffitts dem ehemaligen US-Präsidenten die Schuld an der Haftstrafe für ihren Vater gibt. „Trump verdient ein Leben im Gefängnis, wenn mein Vater so lang im Gefängnis ist“, beklagt sie sich beim Sender CBS-News.

(red/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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6 Kommentare
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maruh
2. 08. 2022 18:14

wie lang es wohl dauert bis der erste meint der typ muss nur in häfn weils alle scheiss linke im gericht sind?

hr.lehmann
2. 08. 2022 20:36
Antworte auf  maruh

Willkürlicher Wahlbetrug hier, absichtlicher “Justizirrtum” dort. Zeit um die Dopellâufige auszupacken und die Pick-ups zu satteln. 👊

baer
2. 08. 2022 18:52
Antworte auf  maruh

Alles nur eine Frage der Zeit. Vielleicht schaffts ja noch einer zu behaupten die Stürmung des Capitols wäre nur rechtens gewesen, schließlich müsse man sich ja wehren gegen die Unterdrückung…..

Zuletzt bearbeitet 16 Tage zuvor von baer
hr.lehmann
2. 08. 2022 19:27
Antworte auf  baer

Ich glaub das haben schon mehr geschafft. Eigentlich reden viele von nichts Anderem. Aber gut dass Rednecks und religiöse Fundis noch nicht das Ruder übernommen haben. Aber mal schauen welchen Machtanspruch die NRA noch hegen wird.

baer
2. 08. 2022 18:00

Falls die Nachbarzelle noch frei ist sollte man die mit “The Donald” belegen.

hr.lehmann
2. 08. 2022 15:35

Der Wunsch der Tochter kostet Donnie einen müden Grinser. Aber gefallen wird ihm dass bereits ein Bauernopfer gefunden wurde. Auf den kann er nun gemütlich alles abwälzen. “Er wird dann sagen dass er dessen Begeisterung für seinen Präsidenten sehr gut verstehen kann und er es wohl gut meinte, aber was zu weit geht, geht zu weit.