Freitag, Juli 12, 2024

Die Apps der Ministerien – Was sie kosten und wie oft sie heruntergeladen wurden

Was sie kosten und wie oft sie heruntergeladen wurden

150.000 Euro für eine Gesundheitsministeriums-App mit gerade einmal 320 Downloads, eine Million Euro für eine Tabakschmuggel-App für 300 Nutzer aus dem Finanzministerium und ein Anti-Korruptions-Spiel vom Innenministerium – über die digitalen Abenteuer der Ressorts.

Wien, 16. August 2022 | Eine Anfragenserie der FPÖ brachte Einblicke, welche Apps die österreichischen Ministerien produzierten. Die Beantwortung der Minister zeigte nun Kosten und Nutzerzahl der Apps auf.

Gesundheitsministeriums-App für 150.000 Euro für 320 Downloads

Das Gesundheitsministerium startete im Jahr 2020 die Entwicklung der “Young Carers”-App in Kooperation mit der FH Oberösterreich Campus Hagenberg. Die App mit dem Fokus, die Aufmerksamkeit für Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige (Young Carers) zu erhöhen, bekam als Förderung für die Entwicklung 44.172 Euro. Von 2021 bis Oktober 2022 kamen noch einmal 55.014 Euro für die Optimierung die Weiterentwicklung und die Erarbeitung von Feedback hinzu. Zudem sollen noch weitere 46.387 Euro für die „Umsetzung Redaktion Young Carers App“ folgen. 1.440 Euro kamen noch für die Barrierefreiheit der App dazu.

Gesamt kostete die App somit 147.013 Euro. Allerdings ist laut parlamentarischer Beantwortung von Johannes Rauch (Grüne) der Erfolg bisher überschaubar. 320 Downloads meldete das Gesundheitsministerium. Dass die Nutzeranzahl noch ausbaufähig ist, dürfte man auch im Ministerium so sehen. In der Beantwortung sprach man an, dass „für eine breitere Streuung Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit angedacht“ sind.

Finanzministerium mit vier Apps

Doch das Gesundheitsministerium ist nicht das einzige Ressort, dass sich ins Reich der App-Entwicklung vorwagt. Das Finanzministerium entwickelte gleich vier Apps. Darunter die Anti-Tabakschmuggel-App „Tabak Track und Trace Mobile App“, der „BMF Belegcheck“ (App für registrierkassenpflichtige Unternehmen zur Prüfung von Start- und Jahresbelegen), „BMF RK-Kontrolle“ (App für Kontrollorgane der Finanzverwaltung zur Prüfung von Belegen von registrierkassenpflichtigen Unternehmen) und die „FinanzOnline -App“.

Die „Tabak Tack und Trace“-App, die von Ex-Minister Gernot Blümel (ÖVP) mit den Worten, ein „Meilenstein im Kampf gegen Zigarettenschmuggel“, 2021 präsentiert wurde, kostete in der Entwicklung 1.070.333 Euro. 294 Bediensteten der Finanzverwaltung steht die App zur Verfügung. Die App ermöglicht das sofortige Auslesen des individuellen Erkennungsmerkmals, das auf allen Verkaufspackungen von Zigaretten und Tabak-Feinschnitt angebracht sein muss, und den Abgleich mit einem EU-weiten Verzeichnis.

Der „BMF-Belegcheck“ und die „BMF RK-Kontrolle“ kommen auf jeweils 160.000 Euro Entwicklungskosten. Der Belegscheck kommt auf insgesamt 240.000 Downloads. Die „BMF RK-Kontrolle“, die nur intern den zuständigen Personen zur Verfügung gestellt wird, kommt auf 2.200 aktive Installationen. Die Finanzonline-App kostete in der Entwicklung 800.000 Euro und wurde 29.757 mal downgeloaded.

Anti-Korruptions-Spiel nur mäßig beliebt

Auch das Innenministerium gab drei Apps heraus. Die “Check-AT”-App für die Überprüfung des Personalausweises sowie die Polizei-App mit „brandaktuellen Nachrichten, Präventionstipps und Fahndungsausschreibungen“. Die Polizei-App erfreut sich dabei hoher Beliebtheit, zumindest laut Anfragebeantwortung. Bei Kosten von 292.000 Euro wurde die App rund 180.000-mal heruntergeladen. Die dritte App, die das Innenministerium produzierte, ist dabei weit weniger erfolgreich. Das Anti-Korruptionsspiel „Correct or Corrupt“. Die Fragen über Korruption beginnen beim Spiel schon im Schulalter (siehe Bild.)

Screenshot: Correct or Corrupt 

3.743 Downloads stehen 17.136 Euro Entwicklungskosten gegenüber. Das Thema Antikorruption dürfte in Österreich wohl noch nicht ganz angekommen sein.

(bf)

Titelbild: GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com / Screenshot “Correct or Corrupt” / Montage ZackZack

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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