Widerruf Benko

Wiener Musiker darf wegen Dreadlocks nicht auftreten

Seine Frisur wurde dem Wiener Musiker Mario Parizek zum Verhängnis. Ein Schweizer Lokal sagte seinen Auftritt ab, weil er sich durch seine Dreadlocks als weißer Mann eine fremde Kultur aneignen würde.

Zürich/Wien, 19. August 2022 | Die Debatte um kulturelle Aneignung in Hinblick auf Dreadlocks setzt sich fort. Nach mehreren kürzlich abgesagten Konzerten traf es dieses Mal den österreichischen Musiker Mario Parizek. Sein Auftritt in der Bar “Das Gleis” in Zürich kam laut der “Neuen Zürcher Zeitung” und “Züri Today” nicht zustande. Die “Gleis”-Verantwortlichen hielten fest, dass “Unwohlsein von unseren Mitmenschen” den Ausschlag für die Entscheidung gab. Parizek fühlt sich missverstanden.

“Habe keine Worte dafür”

Der Musiker machte den Vorfall selbst in sozialen Netzwerken publik. Dabei attestiert er den Verantwortlichen eine “mehr oder weniger faschistische Einstellung”. Seine Dreadlocks habe er sich als Jugendlicher zugelegt, um in einem rechten Dorf aufzuzeigen, dass es auch andere Menschen gebe. Heute werde er von der “linken Ecke” dafür diskriminiert. “Ich habe keine Worte dafür”, so Parizek.

Die “Lokalbetreiber hielten online fest, dass sie als Kollektiv noch keine Haltung in Hinblick auf das Themenfeld kulturelle Aneignung hätten. Gehandelt habe man aus Zeitdruck trotz unterschiedlicher Meinungen. Man habe dem Musiker jedoch das Angebot zu einem “offenen Dialog” unterbreitet. Der Künstler hätte das jedoch abgelehnt, aber eine finanzielle Entschädigung angenommen.

Konzertabsage wegen "Kultureller Aneignung": Sollten weiße Menschen keine Dreadlocks tragen?

Auch deutsche Musikerin war betroffen

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Erst im März dieses Jahres wurde einer deutschen Musikerin aufgrund ihrer Rastalocken der Auftritt bei einer Fridays for Future-Demo verwehrt. Für Fridays for Future war die Frisur ein Fall von “kultureller Aneignung”, eine vor allem dann umstrittene Praxis, wenn sich Mitglieder dominanter Kulturen Elemente von Minderheitskulturen aneignen, wie die Aktivisten in der Absage damals erklärten.

(apa/mst)

Titelbild: pixabay

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23 Kommentare
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Advokatus diaboli
20. 08. 2022 11:47

Wenn Integration als kulturelle Aneignung abgelehnt wird. Gibt es schon Experten, die das eindeutig dem rechten Lager zuordnen können?

maruh
20. 08. 2022 8:13

“Unwohlsein von unseren Mitmenschen”

wegen ana frisur wo man ned mal genau sagen kann woher die kommt
es gibt wandgemälde ausn alten ägypten, selbst wikinger und germanische stämme haben schon verfilze haare gehabt

oder direkter gefragt:
hats euch schon komplett ins hirn gschissn?!

Piter_Pelz
20. 08. 2022 18:53
Antworte auf  maruh

Oder wie Marco Pogo in einer Fernsehdiskussion bzgl. der idiotischen Einlassungen von Haslauer frug
« Kollege, rengt’s bei Dir eine? »:

Mr.Punch
19. 08. 2022 23:55

Und wieder in der Schweiz, das Heimatland der kulturlosen Autisten.

MrsHarryTuttle
20. 08. 2022 9:19
Antworte auf  Mr.Punch

Ja genau – immer schön pauschalisieren!
Ist es schon Rassismus oder nur eine kulturelle Abneigung bei ihnen?
Gehts noch?
Ist das erstemal im schönen Pifkeland vorgekommen und betrifft eine kleine Gruppe von tiefroten, antifawokenalternativen Gutmenschen die in ihrer eigenen Blase leben.

Mr.Punch
20. 08. 2022 12:37
Antworte auf  MrsHarryTuttle

Ist eine Kulturelle Abneigung, basierend auf persönlicher Erfahrung
(hab’ jahrelange dort gelebt u. gearbeitet) und (historischen) Fakten.

Oarscherkoarl
19. 08. 2022 23:15

Ich hab jetzt Dreadlocks an den Zumpferlhaaren!
Darf ich nicht mehr ficken=lich
Könnte auch umfärben! dann wär ich Ficker Nummeher 1 bei den Nehammers!
Aber das liabewill ich dann auch nicht.
Geh leck endlich, du

LuisTrenker
19. 08. 2022 21:07

Wenn Eric Clapton Blues spielt, ist das dann kulturelle Aneignung? Und wenn der Bossa-Nova-Gitarrist Baden Powell dann mitten im Spiel über Bach’s Fugen improvisiert, auch noch? Keith Jarret liebt und spielt Rachmaninoff, Bob Marley spielte Fussball, der nicht in Jamaica erfunden wurde.
Es ist ein Theater, es ist das Hobby von Wohlstandsverwahrlosten.

Sinclai
20. 08. 2022 7:53
Antworte auf  LuisTrenker
LuisTrenker
19. 08. 2022 21:02

Wenn ich Musiker wäre, würde ich an solchen Orten gar nicht mehr auftreten wollen.

DaSchauHer
19. 08. 2022 17:03

Seltsamer Weise tun sich viele Menschen sehr viel leichter über andere, wesensfremde (ungewollt etwas miefig pointiert vielleicht auch heimatferne) Kulturen, Kulturgüter und -philosophien zu werten, diskutieren, zer-reden, als über eigene native Inhärenzen gründlich einwandfrei zu reflektieren… Möglicherweise trendig erwünschte Multikulti-Toleranz, als erhofft exotischer Wesensinput zur vornehmlichen Erweiterung vorherrschender Weltsicht-en, subkutan jedoch angepasst in morphologisch stringide zugeordneter Segregation, politisch korrekt in möglichst “eindeutig sauber idendifizierbaren Stereotypen” eingeteilt, damit da keine unerwünscht diskussionsfähigen Mißverständnisse in lokaler Deutungshoheit entstehen können – sehr oft leider auch in patriotischer Genealogie argumentiert… (nichtahnend, welche Überraschungen eine eigene DNA-Analyse in einschlägigen Laboren zum genetischen Stammbaum über 100e Generationen hinweg bereit hielte, wie divers global anteilig sich diese erwiese)

baer
19. 08. 2022 16:10

🐻 darf ich jetzt da auftreten oder nicht..?

Sinclai
20. 08. 2022 6:22
Antworte auf  baer

Ein Braunbär ist heutzutage schon wegen seiner Farbe politisch schwer zu integrieren. Von einem Auftritt mit diesem Fell würde ich abraten. Sie sollten sich als Polarbär verkleiden….

criticalmind
20. 08. 2022 9:00
Antworte auf  Sinclai

Genau das wäre dann kulturelle Aneignung unter Bären.
Oder ist´s nur bei weiss als braun – aber nie braun als weiss ?

baer
20. 08. 2022 7:07
Antworte auf  Sinclai

🐼 ginge das? Polarbär war leider aus💀

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von baer
Sinclai
20. 08. 2022 7:23
Antworte auf  baer

Ja, geht super. Kurz hatte ich Angst sie würden sich für einen Schwarzbär entscheiden….😉

dieWahrheitistvielmehr..
19. 08. 2022 15:37

Die USA missionieren den Rest der Welt mit der Ächtung der kulturellen Aneignung. Und wer über die geopolitischen Aneignungen der USA spricht wird besonders geächtet.

Peer
19. 08. 2022 14:41

Am Anfang stand “Refugees welcome”.
Dann die Verehrung der Schwedin Greta und das Hüpfen ums Klima.
Von dort dann direkt von Black Lives Matters abgelöst.
Inzwischen müssen sie
auch noch ihr beklopptes Arafattuch widerwillig durch die ukrainische Fahne ersetzen.
Und nun sind Rastas…
Bessermensch sein ist eben schon sehr anstrengend.

criticalmind
19. 08. 2022 14:14

Allerdings seltsam, daß es vielen von links Geschassten egal ist, ob Nicht-Europäer Lederhose oder Dirndl tragen und im ORF auftreten und über kulturelle Aneignung reden.

Peshmerga_X_Jagdkommando
19. 08. 2022 13:50

Ok, dürfen dann SchwarzafrikanerInnen noch blonde Haare haben?

Ihr habt doch einen Schuss. Sowohl Dreadlocks bei Weißen sind ok als auch blonde Haare bei Schwarzen. Das Blut ist immer rot.

Diese Hetze und der Rassismus geht wirklich von beiden Seiten aus, es gibt auch Rassismus gegen Weiße.

diinzs
19. 08. 2022 18:00

Woke-Ism ist schon komisch, da gebe ich Ihnen recht. Aber, dass der Rassismus von beiden Seiten ausgeht, ist aus meiner Sicht katastrophal verharmlosend.
1) Der Rastafarie durfte nicht musizieren und hat dafür eine finanzielle Entschädigung bekommen.
2) Schwarze werden im weißen Westen ohne Bedenken getötet. Z.B. durch Polizisten oder “Stand-your-Ground-Extremisten” in USA. Oder (wenigstens billigend) durch die EU im Mittelmeer. Oder …

Also 1) mit 2) zu vergleichen, finde ich nicht gerechtfertigt.

Dass der Musiker laut Artikel von “faschistischer Einstellung” redet, ist für mich eigentlich nur lächerlich. Es gibt Staaten, die aktuell in den Faschismus rutschen. Es gibt mittlerweile erstaunlich viele Uni-Professoren, die die USA mit ihrem von den religiösen Extremisten übernommenen obersten Gericht und Gerrymandering und und … bereits als in den Faschismus gleitend sehen. Ich kann die Aussagen des Musikers daher nicht ernst nehmen. Er redet m.M.n. von Dingen, die er nicht versteht. Ist aber auch egal …

Hubs
19. 08. 2022 20:21
Antworte auf  diinzs

Und wie viele Schwarze werden in den USA von anderen Schwarzen oder Braunhäutigen getötet, aber das ist natürlich etwas anderes.

John Wick
19. 08. 2022 13:04

Kulturelle Aneignung ist wieder mal so ein geistiges Top Framing von schlechten Menschen.
Es gibt entweder diese Kultur oder diese Szene aber keine Aneignung.
Menschen die Andere wegen kultureller Aneignung belästigen sind 100%ige Rassisten.