Widerruf Benko

Grünweißes Lebenszeichen:

Rapid streitet Salzburg Punkt ab

Zum Abschluss der 9. Bundesliga-Runde konnte sich Rapid über einen seltenen Punktgewinn in Salzburg freuen. Das könnte Trainer Ferdinand Feldhofer den Job retten.

Salzburg, 19. September 2022 | Der krisengebeutelte SK Rapid musste am Sonntagnachmittag die Reise zum österreichischen Fußballschlachthof nach Salzburg antreten, fahren doch die meisten Bundesligaklubs nur als Fußballtouristen nach Salzburg, um nach Strich und Faden vorgeführt zu werden.

Gierig nach Erfolgserlebnis

Die Hütteldorfer, zuletzt vor eigenem Publikum vom Wolfsberger AC in Stücke gerissen, brauchten dringend positive Schlagzeilen. Das galt besonders für Trainer Ferdinand Feldhofer, dessen Trainersessel nach unerklärlich schwachen Vorstellungen schon gehörig wackelte. Ungünstig kam deshalb die Reise nach Salzburg, wo es traditionell fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, zu punkten. Trotzdem wollte man einen Achtungserfolg verbuchen, bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Kein Abtasten

Für den Beobachter starb die Hoffnung auf ein spannendes Spiel jedoch sehr schnell. Rapid hatte Anstoß, schlug den Ball nach vorne und verlor diesen an Salzburg. Die Kugel gelangte zu Luka Sucic, der einen hohen Pass in die Tiefe auf die Salzburger Solospitze Benjamin Sesko spielte. Rapid-Verteidiger Leopold Querfeld schüttete sich an und ließ den Ball zu Sesko durch, der alleine vor Rapid-Schlussmann Hedl ins Tor traf. Nach 19 Sekunden stand es 1:0 für Red Bull Salzburg.

Überraschende Reaktion

Wer danach berechtigterweise gedacht hätte, Rapid würde vorgeführt werden, wurde zu aller Überraschung eines Besseren belehrt. Die Wiener wollten den frühen Rückschlag unbedingt wettmachen, liefen aggressiv gegen die Salzburger Hintermannschaft an und verbuchten viele Balleroberungen. Die Salzburger Verteidigung wirkte phasenweise überforderter als gegen den FC Chelsea, gegen den man erst am Mittwoch in London in der Champions League ein schmeichelhaftes 1:1 holen konnte.

Rascher Ausgleich

Nach einer Chance von Kühn, der mit links aus spitzem Winkel eine Koscelnik-Flanke aufs Tor brachte, fand Kerschbaum eine gute Einschussmöglichkeit vor. Er schoss allerdings überhastet über und neben das Tor. Doch der Rapid-Druck hielt an und wurde belohnt. Nach einem Einwurf kam ausgerechnet Leopold Querfeld zum Ball und schloss via Innenstange aus spitzem Winkel ins lange Eck ab (21.). Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt verdient.

Salzburg rennt vergeblich an

Nach einer halben Stunde fand Salzburg besser in die Partie und übernahm in jeder Hinsicht die Kontrolle über das Geschehen. Mehr als ein Tor aus knapper Abseitsposition schaute in Halbzeit eins jedoch für die Heimmannschaft nicht heraus.

Das änderte sich in Spielhälfte zwei. Die Salzburger versteckten ihre Klasse nicht länger und kombinierten sich mehrmals durch. Auch in den Zweikämpfen waren die Bullen plötzlich nicht mehr unterlegen – im Gegenteil. Rapid war heillos überfordert, Koscelnik lenkte einen Simic-Kopfball mit seinem eigenen Kopf an die Latte (48.). Fast hätte Salzburg schon wieder kurz nach Anpfiff zugeschlagen. Das Tor für das Heimteam lag in der Luft, blieb aber an diesem Abend hypothetisch. Rapid-Verteidigungsboss Sollbauer rettete gegen den eingewechselten Sekou Koita und Sesko konnte zwei Schüsse nicht im Tor unterbringen, weil Hedl kurz vor Schluss mustergültig ein Eins-gegen-Eins-Duell für sich entschied.

Am Ende fing Hedl noch einen zu zentralen Sesko-Kopfball und hielt mit dem Ball auch den ersten Rapid-Punkt in Salzburg seit fünf Jahren in der Hand. Rapid rangiert damit auf Platz acht, hat aber ein Spiel weniger ausgetragen. Des Heimspiel gegen den TSV Hartberg wird am Nationalfeiertag nachgeholt. Red Bull Salzburg behält die Tabellenführung.

Ballbesitz: 61,7 % – 38,3 %

Schüsse aufs Tor: 9 – 4

Zweikampfquote: 55,9 % – 44,1 %

Restliche Begegnungen der neunten Runde:

LASK – WSG Tirol: 1 – 4

Der Linzer ASK verlor erstmals und hat damit nun vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Salzburg.

Ballbesitz: 59 % – 41 %

Schüsse aufs Tor: 7 – 7

Zweikampfquote: 48,1 % – 51,9 %

Wolfsberger AC – TSV Hartberg: 3 – 1

Die Wölfe aus Kärnten bestätigten nach dem 3:1 bei Rapid ihren Aufwärtstrend mit dem gleichen Resultat gegen die in der zweiten Hälfte chancenlosen Steirer.

Ballbesitz: 54,7 % – 45,3 %

Schüsse aufs Tor: 9 – 2

Zweikampfquote: 43,4 % – 56,6 %

SCR Altach – Austria Klagenfurt: 1 – 4

Die Vorarlberger gehen dank eines Triplepacks von Markus Pink weiterhin mit der Roten Laterne – und die Rote Laterne mit ihnen.

Ballbesitz: 49,5 % – 50,5 %

Schüsse aufs Tor: 3 – 9

Zweikampfquote: 47,4 % – 52,6 %

Austria Wien – SV Ried: 3 – 0

Für die Rieder bleiben Reisen nach Wien nach wie vor ein Akt der Selbstgeißelung.

Ballbesitz: 62,6 % – 37,4 %

Schüsse aufs Tor: 8 – 1

Zweikampfquote: 58,2 % – 41,8 %

Sturm Graz – Austria Lustenau: 2 – 0

Die Grazer konnten nach ihrer 0:6-Hinrichtung in Rotterdam dank einzelner Glanzmomente den Aufsteiger bezwingen. Herausragend das 1:0 von Alexander Prass!

Ballbesitz: 42,3 % – 57,7 %

Schüsse aufs Tor: 7 – 1

Zweikampfquote: 45,7 % – 54,3 %

(dp)

Titelbild: KRUGFOTO / APA / picturedesk.com

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1 Kommentar
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Kalle
20. 09. 2022 13:00

Rapid hatte Glück, nicht ein bis zwei Türln zu kassieren. Aber gut gekämpft. Ruhe wird in Hütteldorf trotzdem noch nicht einkehren