Freitag, Juli 19, 2024

Owsjannikowa mit Tochter aus Russland geflohen

Die durch ihren Live-Protest gegen den Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa ist mit ihrer Tochter aus Russland geflohen.

Moskau/Kiew, 17. Oktober 2022 | “Owsjannikowa und ihre Tochter haben Russland verlassen”, sagte ihr Anwalt Dmitri Sachatow am Montag. “Sie sind jetzt in Europa. Es geht ihnen gut.”

Internationale Bekanntheit erlangte die Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehen im März. Dort hatte sie in einer Live-Sendung ein Protestplakat gegen den Krieg in die Kamera gehalten. Darauf stand: “Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen”. Dafür bekam die bis dahin als linientreu geltende Redakteurin weltweit Anerkennung. In Russland wurden Geldstrafen gegen sie verhängt. Nach der Aktion lebte sie zwischenzeitlich im Ausland und berichtete für die deutsche Zeitung “Welt”.

Vor ihrer Flucht ins Ausland hatte Owsjannikowa nach Angaben ihres Anwalts die Wohnung verlassen, in der sie in Russland unter Hausarrest stand. Owsjannikowa werde sich zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich zu ihrer Flucht äußern, “aber im Moment ist es nicht sicher”, sagte Sachatow.

Vor zwei Wochen war Owsjannikowa in Russland auf eine Fahndungsliste gesetzt worden, was darauf hindeutete, dass die 44-Jährige untergetaucht war. Gegen Owsjannikowa war im August wegen der “Verbreitung von Falschinformationen” über die russische Armee Anklage erhoben worden. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. Ein Moskauer Gericht stellte die Journalistin unter Hausarrest, der bis zum Beginn ihres Prozesses dauern sollte. Sie durfte auch keine Kommunikationsmittel nutzen.

(bf/apa)

Titelbild: NATALIA KOLESNIKOVA / AFP / picturedesk.com

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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