Mittwoch, Februar 8, 2023
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EU-Digitalparty ohne Teilnehmer: Hunderttausende in den Sand gesetzt

Hunderttausende in den Sand gesetzt

Um junge Menschen auf Initiativen der EU aufmerksam zu machen, organisierte die EU-Kommission eine digitale Plattform um 387.000 Euro. Zur Abschlussparty kamen weniger als zehn Leute.

 

Brüssel/Wien, 07. Dezember 2022 | „Digitaler Müll“, „deprimierend und peinlich“ sind nur einige der Prädikate, mit denen die digitale Parallelwelt der EU-Kommission bei ihrem Start Mitte Oktober bedacht wurde. Kürzlich fand die Abschlussparty auf der Plattform statt, die vor allem junge Menschen anziehen sollte. Doch nun wurde es noch peinlicher: Es kam fast niemand.

Einsam am digitalen Strand

Der Journalist Vince Chadwick war einer der wenigen, der die als Abschlussevent einer digitalen PR-Kampagne gedachte Party besuchte. Seinen Angaben zufolge waren höchstens fünf andere Online-Partygäste zugegen. Die Partystimmung wich schnell „verwirrten Gesprächen“, ob man hier überhaupt richtig sei. Nach einiger Zeit war der Journalist schließlich der einzig verbliebene Gast.

Teure Katerstimmung

Auch ohne Alkohol sorgte die Party eher für brummende Schädel. Denn der virtuelle Festakt mitsamt Erstellung der Plattform soll insgesamt 387.000 Euro gekostet haben, wie die Kommission dem Journalisten mitteilte. Das Geld für die digitale Plattform, die an Facebooks Metaverse erinnert, wurde vorerst scheinbar in den digitalen Sand gesetzt.

Die Kommission wollte nicht auf Zuckerbergs Original zurückgreifen, sondern lieber eine eigene virtuelle Welt entwickeln. Beauftragt wurde die in Berlin ansässige Firma Media Consulta GmbH, die den Auftrag an Journee weitergab – eine Firma, die digitale Räume programmiert. Die Plattform, die das massive Investitionsprogramm „Digital Gateway“ der EU bewerben sollte, existiert zwar weiterhin. Junge Menschen konnte man bis jetzt allerdings nicht damit erreichen.

Auch Russland kassiert Online-Watsche

Dass Online-Auftritte nicht nach Wunsch wahrgenommen werden, musste Anfang Dezember auch der russische Außenminister Sergej Lawrow an eigenem Leib erfahren. Weil er an der OSZE-Konferenz in Polen nicht teilnehmen durfte, gab er stattdessen ein Live Interview im Internet. Ganze 13 Menschen konnte Lawrow anlocken.

(dp)

Titelbild: Screenshot Twitter / ZackZack

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Daniel Pilz
Daniel Pilz
Taucht gern tiefer in komplexe Themengebiete ein. Lebt trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm und verpasst fast kein Fußballspiel.
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4 Kommentare

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Vurscht
7. 12. 2022 19:17

pfff, welches protektionistenkind hat denn diese aufgabe umgehängt bekommen

wolfi
7. 12. 2022 15:42

Die EU kann es: (not)
EU will Waren verbieten, für die Wälder abgeholzt werden. Darauf haben sich Unterhändler von Europa-Parlament und der EU-Staaten geeinigt. Als Beispiele werden Möbel, Leder und Schokolade genannt.
(WDR Aktuell)

Vurscht
7. 12. 2022 19:18
Antworte auf  wolfi

und es ist sinnvoll.

Cartman
7. 12. 2022 13:29

EU-Funktionär, diplomatischer Fundamentalist, der auf Sand baut oder aber auch, auch Zeichen kann man in den Sand setzen. Obwohl mir da ein griechisches Sprichwort in Erinnerung kommt (frei übersetzt, lautet es etwa so): “Viel schlimmer als ein Stein im Schuh, ist ein Körnchen Sand im Kondom….”

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