Freitag, Juli 12, 2024

Neuer Beweis im Fall „Pilnacek“: Fellners letztes Telefonat

Chefinspektor Hannes Fellner hat ZackZack geklagt. Jetzt liegt in Fall „Pilnacek“ ein neuer Beweis gegen ihn vor.

Kurz nach dem Tod von Christian Pilnacek nahmen zwei Kriminalbeamte Pilnaceks Lebensgefährtin Karin Wurm das private Handy, Wohnungsschlüssel, Autoschlüssel und die Brieftasche des Sektionschefs ab. Stunden später übernahm Chefinspektor Hannes Fellner als Leiter der Gruppe „Leib und Leben“ im Landeskriminalamt St. Pölten die Ermittlungen und begann mit einer Suche, die ihn zum Beschuldigten der WKStA machte.

In ihrer vierstündigen Einvernahme bei der WKStA legte Karin Wurm ihr Handy als Beweismittel vor. Darauf fand sich ein Telefonat: „27. Dezember 2023, 18:03, Eingehender Anruf, 9 Minuten“. Der Anruf stammte von Chefinspektor Hannes Fellner. Wurm hat in ihrer Einvernahme detailliert beschrieben, wie der Chefinspektor an diesem Tag ein letztes Mal von ihr wissen wollte, wo man Laptop und Aktentasche von Pilnacek finden könne.

Karin Wurm erinnert sich an Fellners Fragen vom 27. Dezember: „Haben Sie was Neues, haben Sie endlich was gefunden, den Laptop und die Aktentasche?“. Wurm antwortete: „Nein, Herr Fellner, ich habe nichts gefunden, ich habe Ihnen das mehrmals gesagt.“

Screenshot vom Handy von Karin Wurm

Damit liegt der WKStA der Beweis, dass die illegale Suche nach Pilnacek-Datenträgern noch bis Ende Dezember andauerte, vor.

Unter der Aktenzahl 17 St 27/23w versucht die WKStA, mögliche Amtsdelikte in Zusammenhang mit den Inhalten des Pilnacek-Tapes aufzuklären. Für die Staatsanwälte der WKStA ermitteln die Beamten des Bundesamts zur Korruptionsbekämpfung BAK. Dem Landeskriminalamt Niederösterreich haben die Staatsanwälte keinen Ermittlungsauftrag erteilt.

Die Staatsanwaltschaft Krems ermittelte kurz zur Todesursache des Sektionschefs. ZackZack fand heraus, dass es auch in diesem Verfahren keinen Auftrag, Pilnaceks Handy und Laptop sicherzustellen, gegeben hatte.

Ohne Auftrag zu Ermittlungen und ohne rechtliche Grundlage suchten Beamte des Landeskriminalamts weiter. Ihre Taten sind Gegenstand der Ermittlungen der WKStA und der Untersuchungen der Pilnacek-Kommission, die Justizministerin Alma Zadic unter der Leitung von Martin Kreutner eingesetzt hat.

Bauernopfer oder Auftraggeber

Niemand nimmt an, dass Chefinspektor Fellner auf eigene Faust illegal ermittelt hat. Kollegen aus der Kriminalpolizei schildern ihn als Beamten, “der sich für seine Fälle und nicht für Politik interessiert”. Man kann wohl ausschließen, dass Fellner der Kopf der illegalen Suchaktion war. Damit konzentriert sich alles auf eine Frage: Wer waren die Auftraggeber? Genau aus diesem Grund ermittelt die WKStA auch wegen „Bestimmungstäterschaft“ zum Amtsmissbrauch.

Chefinspektor Fellner steht jetzt möglicherweise vor einer schweren Wahl: Lässt er sich von den Auftraggebern zum Bauernopfer machen – oder hilft er bei der Aufklärung und nennt die Drahtzieher?

ZackZack hat Chefinspektor Fellner sechs Fragen gestellt. Bis jetzt ist keine Antwort eingetroffen. Für Hannes Fellner gilt die Unschuldsvermutung.


Titelbild: ZackZack-Montage/ APA/ Helmut Fohringer/ picturedesk.com/ BezirksBlätter/meinbezirk.at 

Autor

  • Peter Pilz

    Peter Pilz ist Herausgeber von ZackZack.

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