Freitag, Juli 19, 2024

Signa-Razzia: Cobra rückte wegen René Benkos Waffenarsenal an

Bei der Hausdurchsuchung in René Benkos Tiroler Villa fuhren die Ermittler schwere Geschütze auf – sogar die Spezialeinheit Cobra war mit dabei. Grund für das Sicherheitsaufgebot war offenbar Benkos umfangreicher Waffenbesitz.

Die schwerbewaffneten Beamten mit den Sturmhauben kennt man in der Regel von Anti-Terroroperationen, Geiselnahmen und Einsätzen mit hohem Gefahrenpotenzial. Seit gestern ist klar, dass auch eine Hausdurchsuchung bei Österreichs gefallenem Immobilienjongleur René Benko ein besonderes Risiko darstellt: Auf Pressefotos ist dokumentiert, dass beim Einsatz am Tiroler Anwesen auch die Spezialeinheit Cobra anwesend war.

Angeordnet wurde die Hausdurchsuchung von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, die seit Monaten gegen Benko unter anderem wegen schweren Betrugs ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung. “Die Gefahreneinschätzung für solche Einsätze liegt bei der Polizei”, heißt es aus der WKStA. Den genauen Grund erfährt man dort offiziell nicht. “Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Spezialeinheiten bei Hausdurchsuchungen hinzuzuziehen”, heißt es knapp aus dem Innenministerium.

Razzia bei Benkos Tiroler Villa mit Cobra-Beamten. Quelle: MARKUS ANGERER / APA / picturedesk.com

Mehrere Quellen nennen aber Benkos Waffenbesitz als wahrscheinliche Ursache für die schweren Geschütze der Behörden. “Man hat wohl aus Eigensicherung die Cobra beigezogen, weil bei Einsätzen erfahrungsgemäß oftmals die Emotionen durchgehen und man weiß, dass der Beschuldigte im Besitz von Waffen ist”, meint ein früherer Ermittler, der anonym bleiben will, zu ZackZack. Auch ein Insider mit Einsicht in die Ermittlungen sagt: “Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die gewählt wird, wenn man von vorhandenen Waffen weiß. In erster Linie sind bei der Hausdurchsuchung ja Forensiker dabei, die nicht sonderlich im Schusswaffengebrauch geübt sind.” Auch Benkos vorhandener Personenschutz sei mit ein Grund gewesen, lieber auf Nummer sicher zu gehen.

Dass Benko Waffenbesitzer und vor allem passionierter Jäger ist, ist kein Geheimnis. Einst lud er regelmäßig zu illustren Jagdausflügen, auf denen er sein Netzwerk pflegte. Laut Kronen Zeitung seien auf den Waffenschein Benkos neun Gewehre und Pistolen registriert.

Waffen und Sportwagen beschlagnahmt

Auf die Waffen selbst hatte es auch die WKStA abgesehen: In der ZackZack vorliegenden Sicherstellungsanordnung verlangte die Staatsanwaltschaft einerseits die Beschlagnahmung von Mobiltelefonen und Laptops, aber auch “von Rene BENKO geführte oder im Waffenregister auf ihn registrierte Waffen der Kategorien B und C” – also etwa vorhandene Pistolen oder Jagdwaffen.

Die Ermittler machte stutzig, dass auf Benko einerseits “zahlreiche – teils hochpreisige – Waffen ausgewiesen” sind, die sich aber nicht in seinem Vermögensverzeichnis finden. “Insbesondere wurde laut Waffenregister noch im Oktober 2023 eine Pistole der Marke Glock auf den Beschuldigten registriert”, heißt es in der Anordnung. Auch Benkos Sportwagen war vor dem Zugriff der Behörden, der bis gestern Abend andauerte, nicht sicher. Die WKStA verlangte die Sicherstellung des “Porsche 911 Speedster Type 991R, Farbe grau”. Die Ermittler vermuten, “dass persönliche Vermögenswerte zum Nachteil der Gläubiger beiseite geschafft bzw allenfalls unterpreisig verkauft wurden.”

Benkos Anwalt Norbert Wess bestreitet die Vorwürfe gegenüber Medien: “Unser Mandant verhält sich kooperativ und konstruktiv. Zu den Vorwürfen als solches werden wir gegenüber den Strafverfolgungsbehörden so rasch wie möglich Stellung beziehen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass diese allesamt als inhaltlich unrichtig ausgeräumt werden können.


Titelbild: ZackZack-Montage – EXPA / APA / picturedesk.com – HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

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